Interreg
22.02.
2018

AREA 21: Innovative Kooperationsmodelle führen zu mehr Energieeffizienz in städtischen Quartieren

Interview mit Prof. Dr. Knieling von der HafenCity Universität Hamburg

Photovoltaik © SCHAU.MEDIA/pixelio.de

Um das Klima zu schützen und die Energiewende erfolgreich umzusetzen, müssen die Städte im Ostseeraum ihren Energieverbrauch senken. Große Potenziale bei der Energieeinsparung bieten ältere Häuser, die gegenwärtig unzureichend wärmegedämmt sind oder veraltete Heizungsanlagen haben. Das Interreg-Projekt „AREA 21 - Baltic Smart City Areas for the 21st Century“ möchte auf der Ebene von Wohnvierteln den Städten dabei helfen, Energie effizienter zu nutzen. Mit neuen Kooperationsmodellen, die sowohl Hausbesitzer und Bewohner, als auch Energieversorger in die Energieplanung einbeziehen, soll der Gebäudebestand langfristig klimaneutral werden. Prof. Dr. Jörg Knieling von der HafenCity Universität Hamburg (HCU) erläutert im Interview, wie durch Kooperationen klimafreundliche Stadtentwicklung gestaltet werden kann.

Worum geht es in Ihrem Projekt?

Wir wollen in den Partnerstädten neue Kooperationsmodelle zwischen Stadt, Bevölkerung, Hauseigentümern und Versorgerbetrieben aufbauen. Auf der Ebene von Stadtquartieren sollen diese Kooperationen dabei helfen den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken und gleichzeitig deren Energieeffizienz erhöhen. Dies erfolgt folgendermaßen: In unterschiedlichen Konstellationen arbeiten die jeweils beteiligten Akteure gemeinsam an der Energieplanung von Quartieren. Die Arbeit soll sowohl direkt vor Ort stattfinden, als auch virtuell auf interaktiven digitalen Plattformen. Durch die gemeinsamen Bemühungen werden die Belange aller Interessensgruppen berücksichtigt. Keiner fühlt sich übergangen. Wichtig ist uns dabei, dass die entwickelten Kooperationsmodelle übertragbar bleiben. Andere Kommunen und Städte, auch jenseits des Ostseeraums, sollen von den Erkenntnissen aus der kooperativen Energieplanung profitieren können.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Die Themen Energiewende und Energieeffizienz sind nicht nur aktuelle und wichtige Themen für die zukünftige Entwicklung von Städten, sondern auch ein Kernthema der Forschung der HafenCity Universität Hamburg. Die Arbeit der HCU innerhalb des Projekts AREA 21 ermöglicht es uns, eine umfangreiche empirische Datenerhebung zum Thema lokaler und regionaler Klimaschutz und der nachhaltigen Stadtentwicklung in Hamburg und den Partnerstädten durchzuführen. Innerhalb der Projektarbeit haben wir zusätzlich die Möglichkeit, anwendungsorientierte Forschung zu Beteiligungsinstrumenten im Bereich Klimaschutz zu betreiben. Dies wäre im Rahmen der universitären Forschungsarbeit, also ohne die Vernetzung mit den Praxispartnern, so nicht möglich.

Energieberatung © Heike Mages
Energieberatung©Heike Mages

Was bringt das Projekt für Hamburg?

Das Projekt AREA 21 zielt darauf ab, durch einen optimalen Mix von Energieeffizienzmaßnahmen, einer dezentralen Energieerzeugung und einer angepassten Energieinfrastruktur, den Energieverbrauch von Quartieren zu senken. Damit bietet das Projekt die Chance, an bisherige Erfahrungen im Bereich Transformation zu emissionsarmen Städten und Regionen anzuknüpfen und die Energiewende in Hamburg voranzubringen. Zusätzlich bringen die zehn Projektpartner aus vielfältigen Institutionen durchweg Kompetenzen und jahrelange Erfahrung im Bereich der Energieeffizienz mit in das Projekt ein. Diese Zusammenarbeit fördert die Entwicklung neuer Lösungsansätze. Das umfangreiche Fachwissen des AREA 21-Konsortiums können auch wir in Hamburg nutzen.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Die ambitionierten Klimaschutzziele der internationalen Gemeinschaft stellen die europäischen Städte vor die Herausforderung, ihren Gebäudebestand möglichst schnell in einen klimaneutralen Zustand zu überführen. Die Kooperation auf europäischer Ebene ist hier ein großer Gewinn für alle Beteiligten. Städte und Regionen aus unterschiedlichen Ländern können von den Erfahrungen der anderen auf dem Gebiet der klimaneutralen Quartiersentwicklung, des Bauens und Wohnens profitieren. So werden in transnationaler Zusammenarbeit, aufbauend auf bestehenden Good-Practice-Projekten in den Partnerstädten, Teilprojekte durchgeführt, die den Einsatz smarter Technologien in der Energieplanung fördern. So werden z. B. in Tampere in Finnland Instrumente erprobt, die den Energie- und Wasserverbrauch in Echtzeit messen und visualisieren. In Tartu in Estland wird ein auf neuester Informations- und Kommunikationstechnologie basiertes Instrument zur interaktiven Beteiligung von Gebäudeeigentümern und Bürgern in der Planung und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen auf der Quartiersebene entwickelt. Von den Ergebnissen dieser neuen Instrumente können alle europäischen Städte und Regionen profitieren.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt AREA21 gelingt, werden in zehn Jahren….

... innovative Kooperationsverfahren für Städte und Regionen zur Verfügung stehen, die es erleichtern, die Energieeffizienz in Bestandsquartieren zu verbessern. Ferner werden die Partnerstädte und -regionen bereits daran arbeiten, das innovative AREA 21-Instrumentarium weiterzuentwickeln.

http://projects.interreg-baltic.eu/projects/area-21-129.html 

Bilder: Photovoltaik©Schau.Media/pixelio.de, Energieberatung©Heike.Mages

Prof. Dr. Jörg Knieling ist Leiter des Fachgebiets Stadtplanung und Regionalentwicklung der HafenCity Universität Hamburg, Lead Partner des Projekts AREA 21.