Interreg
21.09.
2017

Wie soll Interreg B in Zukunft aussehen? Kommen wir ins Gespräch!

Ländervertreter von Haaren (Nordsee) und Ballnus (Alpenraum) betonen Mehrwert der transnationalen Zusammenarbeit und laden zum Dialog ein

Vernetzung © vege, Fotolia.com

In der aktuellen Förderperiode wurde bereits ungewöhnlich früh mit der Diskussion zur Zukunft der Interreg-Programme nach 2020 begonnen. Angeheizt durch den Brexit und andere europakritische Bewegungen müssen sich die transnationalen Programme derzeit einmal mehr der Frage stellen: Welchen Mehrwert hat die transnationale Zusammenarbeit?

Interreg leistet zentralen Beitrag zur Regionalentwicklung

Unsere langjährige Interreg-Erfahrung zeigt, dass die Interreg B-Projekte einen zentralen Beitrag zur Regionalentwicklung und zum territorialen Zusammenhalt leisten. Die vielen erfolgreichen Projekte in den unterschiedlichen Programmräumen sind gute Beispiele für langfristige und erfolgreiche Kooperationen über nationale Grenzen hinweg. Im Interreg IIIB Nordsee-Projekt „ICT for SMEs“ haben zum Beispiel Partner aus allen Nordsee-Anrainerstaaten gemeinsam konkrete Beratungs- und Unterstützungsangebote für Unternehmen zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien geschaffen. Daraus ist nach Projektende auch das Breitbandkompetenzzentrum in Niedersachsen als eine wichtige Schnittstelle für den Breitbandausbau entstanden. Dies hat weitere Investitionen und neue Arbeitsplätze in eine ländliche Region gebracht und die regionale Entwicklung nachhaltig gefördert.

Interreg vernetzt Menschen in Europa und stößt Investitionen an

Interreg B-Programme haben eine wichtige koordinierende und steuernde Funktion zur Vernetzung der Menschen in Europa und zur Vorbereitung zukünftiger Investitionen. Durch den Ausbau und die Weiterentwicklung von internationalen Netzwerken profitieren viele Unternehmen von den Ergebnissen, den vielfältigen Kontakten und dem Informationsaustausch. Langfristig trägt Interreg dazu bei, dass ein stetiger internationaler Austausch zwischen den Begünstigten (Unternehmen, Verwaltungen und Universitäten) besteht und langfristig Investitionen getätigt werden.

Zahnräder © Alotofpeople, Fotolia.com
Zahnräder © Alotofpeople, Fotolia.com

Interreg als friedenserhaltende Maßnahme

Vergessen wir aber nicht, dass hinter den Unternehmen, Verwaltungen und Universitäten die Menschen stehen, die sich für ein geeintes Europa einsetzen und die verschiedenen Staaten miteinander verbinden. Interreg bringt somit Menschen verschiedenster Nationalität über konkrete Sachthemen zusammen. Die Menschen können sich mit ihrem Wissen und ihren Ideen aktiv einbringen und eigene Erfahrungen mit anderen Europäern sammeln. Männer und Frauen entwickeln neue Ideen für Europa und verbessern ganz nebenbei ihre interkulturelle Kompetenz. Ein Beispiel: Im Projekt „PlurAlps“ arbeiten Kommunen im Alpenraum zusammen, um gemeinsam eine Willkommenskultur sowie Aufnahme- und Integrationsangebote für Flüchtlinge zu entwickeln. Interreg kann somit auch als eine friedenserhaltende Maßnahme gesehen werden. Menschen, die über Grenzen hinweg zusammen arbeiten, kämpfen nicht gegeneinander. Klingt Ihnen das zu pathetisch? Ist aber eine einfache Wahrheit. Interreg B vermittelt konkrete Erfahrungen, was europäische Kooperation und Integration für jeden einzelnen bedeuten kann. Auf diese Weise kann der europäische Gedanke auch in politisch schwierigen Zeiten bestehen.

Interreg bietet damit vielfältige Chancen, internationale Kontakte und Geschäftsbeziehungen aufzubauen sowie an Erfahrungen zu partizipieren und Anregungen aufzunehmen. Die intensive und konkrete Zusammenarbeit zwischen europäischen Regionen liefert einen wichtigen Beitrag für das Zusammenwachsen Europas und zeigt die Bedeutung einer gemeinschaftlichen Problemlösung für ein wirtschaftlich starkes und solidarisches Europa.

Schwer zu beziffernder Mehrwert

Trotz – oder gerade wegen – dem starken Fokus auf die Kooperation fällt es mitunter schwer, den Mehrwert der Interreg B-Programme anhand klassischer Indikatoren zu verdeutlichen. Im Gegensatz zu großen Investitionsförderprogrammen lässt sich der konkrete ökonomische, ökologische und soziale Mehrwert der Projekte nicht immer beziffern. Die Kooperation zwischen zum Teil konkurrierenden Staaten ist aber schon an sich ein nicht zu beziffernder Mehrwert, der schwer messbar ist. Das Gleiche gilt für die daraus resultierenden Folgeinvestitionen, die sich häufig außerhalb der vorbereitenden Interreg B-Projekte abspielen, aber ohne eben diese erst gar nicht zustande gekommen wären.

Noch stärker als zuvor ist es unsere zentrale Aufgabe, die Förderung in den Interreg-Programmen attraktiv und klar verständlich für alle Projektakteure zu gestalten. Daher ist es wichtig, frühzeitig in den Dialog zu treten und die Wünsche und Anforderungen aller Akteure zu kennen. Weniger Komplexität und ein verstärkter Bürokratieabbau sind dabei sehr wichtige Aspekte, mit denen wir uns im Hinblick auf die neue Förderperiode beschäftigen müssen. Zudem stellt sich die Frage, welche Stimme die Interreg-B Programme im zukünftigen Kanon der EU-Förderung einnehmen wird, wie sie sich strategisch positionieren. Das von den Bund-Länder-Vertretern dazu erarbeitete Arbeitspapier zur Weiterentwicklung von Interreg B 2020+ stellt hierzu einen wichtigen Beitrag aus Sicht der verwaltenden Behörden in Deutschland dar.

Ein nächster Schritt muss sein, die Stimme der Menschen zu hören, die in Interreg Projekten kooperieren. Sagen Sie uns: Welchen Mehrwert hat die transnationale Zusammenarbeit?

Kommen wir ins Gespräch!

Bildnachweis
Titelfoto Vernetzung: © vege, Fotolia.com
Foto Zahnräder: © Alotofpeople, Fotolia.com

Dr. Monika von Haaren von der Niedersächsischen Staatskanzlei ist Vorsitzende des Deutschen Ausschusses Interreg B Nordsee. Als Referentin für Europäische Territoriale Zusammenarbeit ist sie auch für die Programme Interreg A Deutschland-Nederland, Interreg Ostsee, Interreg Europe und INTERACT verantwortlich.

Dr. Florian Ballnus vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ist Vorsitzender des Deutschen Ausschusses Interreg B Alpenraum. Zudem ist er auch als Prioritätsfeldkoordinator für die Priorität 06 (Biodiversität, Landschaften, Luft und Boden) in der EU Donauraumstrategie (EUSDR) tätig.