Interreg
09.11.
2016

Was Interreg bewirken kann – und was Interreg bewirken soll

Interreg-Spezialisten in der Diskussion © Sina Redlich

Was kann Interreg bewirken? Das diskutierten 30 Interreg-Spezialisten aus Deutschland und Europa am 2. November 2016 im Bundesministerium für Verkehr und digitalie Infrastruktur (BMVI) in Berlin. Anlass für das Treffen waren die Ergebnisse einer von BMVI und BBSR in Auftrag gegebenen Untersuchung zu den Wirkungen der Interreg IVB-Projekte (Förderperiode 2007-2013). Schnell wurde klar, dass die Teilnehmer es nicht bei der Betrachtung der abgeschlossenen Programmperiode belassen wollten. Wichtig finde ich allerdings, dass auf Basis der Erfahrungen der vergangenen Förderperioden für die Zukunft gelernt werden kann.

Wirkungen: Nicht Quantität zählt, sondern weitreichende Effekte

Bei Wirkungen handelt es sich nicht um die Anzahl von Studien oder die Zahl der Treffen, die stattgefunden haben. Auch geht es nicht um die Menge von Emissionen, die eingespart wurde oder die Jobs, die geschaffen wurden. Mit Wirkungen sind weitreichendere Effekte oder Veränderungen gemeint, die über die Projektlaufzeit hinaus gehen und die auch Akteure betreffen, die keine direkten Projektpartner sind.

Bei Interreg B geht es darum, dass ein gemeinsames Problem in einer transnationalen Partnerschaft bearbeitet wird. Und genau dort sind, wie sich gezeigt hat, auch die Wirkungen zu finden:

  • Schlüsselakteure in einem bestimmten Fachgebiet werden befähigt, neue Handlungsmöglichkeiten auszuschöpfen;
  • Entscheidungsprozesse werden beeinflusst, indem Entscheidungsträger aktiviert werden;
  • Fachinteressen können zielführender vermittelt werden;
  • das gemeinsame Handeln in politischen Entscheidungsfindungsprozessen wird verbessert;
  • Arbeitsprozesse werden effektiver;
  • Innovationen werden umgesetzt;
  • das ökologische, soziale und wirtschaftliche (Lebens-) Umfeld wird verbessert.

Das alles kann Interreg bewirken.

Diskussion zu den Wirkungen von Interreg © Sina Redlich

Stärken der transnationalen Zusammenarbeit sichtbarer machen

Die Teilnehmer des Workshops kamen aus verschiedenen Ecken der Interreg-Fachgemeinschaft: Vertreter von Programmsekretariaten, Zuständige auf Bundes- und Landesebene, Interact-Vertreter sowie deutsche Kontaktstellen diskutierten mit. Einig war man sich vor allem darüber, dass die Stärken der transnationalen Zusammenarbeit wieder sichtbarer werden müssen, dass Interreg sich wieder auf das konzentrieren soll, was es kann. Dies rückt nämlich leider oft in den Hintergrund, wenn es um Indikatoren, um 139 Seiten lange Programm-Handbücher oder um die Interventionslogik ("intervention logics") geht.

Dabei könnte alles viel einfacher sein, wenn man das abbildet, was Interreg ausmacht, wo der Mehrwert des Programms liegt: in der transnationalen Zusammenarbeit. Wenn ausschließlich die Ergebnisse in den Vordergrund gerückt werden, bei denen Interreg mit anderen Förderprogrammen konkurriert – Forschungsergebnisse zu generieren, Jobs zu schaffen und Straßen zu bauen – so wird man seinen Stärken nicht gerecht. Denn "die Konkurrenz" hat im Zweifel mehr Geld und spart sich den Aufwand, Partner aus anderen Teilen Europas einzubeziehen. Wir alle wissen, dass die Beteiligung verschieder Akteure, Abstimmungsprozesse und Arbeitstreffen einen Prozess nicht schneller oder einfacher machen. Aber das Ergebnis lohnt sich, finde ich. Die transnationale Zusammenarbeit ist ein wunderbares Instrument, mit dem Strukturen durchbrochen, Menschen verbunden und Lösungen europäisch werden. Oder etwa Lösungen verbunden werden und Menschen anfangen, europäisch zu denken. Und genau hieran sollte Interreg auch gemessen werden.

Sina Redlich ist Mitarbeiterin im Referat Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Europäische Raumentwicklungspolitik und transnationale Zusammenarbeit im Rahmen von Interreg B. Sie betreut auf Seiten des BBSR das Nordwesteuropa Programm sowie das Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit.