Interreg
29.08.
2017

URBAN INNO: Beteiligungsansätze in der „Smart City“

Interview mit Tamara Högler vom CyberForum e.V. Karlsruhe

Die „Smart City“ ist in aller Munde. Tatsächlich gibt es jedoch viele Technologien und Lösungsansätze, die in Städten zwar angeboten werden, die aber dennoch keine breite Anwendung finden, weil die Anwohner sie nicht gut kennen oder schlicht die Akzeptanz dafür fehlt. Hier setzt das Interreg-Projekt aus dem Mitteleuropa-Raum URBAN INNO unter Federführung der kroatischen Stadt Rijeka an. Es möchte zum einen die Smart City-Akteure besser vernetzen, wie etwa Behörden, Forschungseinrichtungen, die Industrie und die Städter selbst. Vor allem aber setzen die Projektpartner auf Beteiligungsformate, um die Bürger und ihre Wünsche von Anfang an in Innovationsprozesse mit einzubeziehen. Tamara Högler vom CyberForum e.V. in Karlsruhe erklärt im Interview, wie URBAN INNO in Karlsruhe dazu beiträgt, energetische Aspekte einer E-Bike-Infrastruktur gemeinsam mit den relevanten Akteuren zu diskutieren.

In zwei Sätzen: Worum geht es in Ihrem Projekt?

Das zentrale Thema von URBAN INNO ist: Wie kann man als Stadt die Bürger in Beteiligungsprozesse einbinden, um sich stärker in Richtung Smart City zu entwickeln? Innovation generell ist eine wunderbare Sache, aber oftmals geht sie an den Bedarfen der Menschen vorbei. Hier wollen wir entgegenwirken und bedarfsorientierte Lösungen für verschiedene Alters- und Interessensgruppen gemeinsam mit diesen finden.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Uns geht es um neue IT-Lösungen für smarte Städte und um einen besseren Einbezug der Bürger. Dabei verfolgen wir einen sogenannten „Open Innovation“-Ansatz: Bislang wurden Neuerungen meistens „hinter geschlossenen Türen“ entwickelt, die Endanwender waren nicht einbezogen. Beim „Open Innovation“-Ansatz sind die Anwender von Anfang an in den kompletten Innovationsprozess involviert, um deren kreatives Potenzial auszuschöpfen und spezifische Bedarfslagen zu ermitteln.

Im Rahmen von URBAN INNO soll unter anderem ein virtueller „Werkzeugkasten“ mit innovativen Beteiligungsmethoden entwickelt werden. Dafür werden verschiedene dieser Methoden für städtische Innovationsprozesse zu relevanten Themen (Mobilität, Energie, innovative Verwaltung, integrierte Infrastruktur etc.) im Rahmen sogenannter Pilotprojekte weiterentwickelt, erprobt und bewertet. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern, der Stadtverwaltung, Wissenschaft und Privatwirtschaft.

E-Bikes an einer Ladestation, © ghazii, Fotolia.com
E-Bikes an einer Ladestation, © ghazii, Fotolia.com

Was bringt das Projekt für Ihre Stadt?

In Karlsruhe gibt es bereits die „SmarterCity Karlsruhe“-Initiative. Diese wollen wir im Rahmen von URBAN INNO unterstützen. Unser thematischer Fokus liegt dabei auf Energie und Mobilität: Wie kann man partizipative Methoden für die Entwicklung einer E-Bike-Infrastruktur einsetzen? In Karlsruhe soll künftig ein E-Bike-Ladenetz aufgebaut werden. Im Vorfeld möchten wir im Rahmen des URBAN INNO Pilotprojektes „eDrais 2017“ die Bedarfe dafür abklären. Der Pilot ist eingebettet in den 200. Geburtstag des Fahrrades, das Karl Freiherr von Drais in Karlsruhe erfunden hat. Wissenschaftlich unterstützt wird „eDrais 2017“ vom Europäischen Institut für Energieforschung (EIFER) in Karlsruhe.

Im Rahmen von URBAN INNO war das CyberForum e.V. bereits beim FahrradFestival Ende Mai 2017 in Karlsruhe mit einem Stand vertreten. Dort konnten die Besucher den Prototypen eines Geo-Informationssystems zur öffentlichen Beteiligung (Public Participation Geo Information System – PPGIS) im Rahmen eines Crowdsourcing Ansatzes testen. Mit dieser Software könnte die Ladestationen-Infrastruktur für E-Bikes in Karlsruhe künftig erweitert und verbessert werden.

Eine weitere Beteiligungsmethode ist eine „Zukunftswerkstatt“ mit Bürgerinnen und Bürgern, Repräsentanten der Stadt Karlsruhe und der relevanten lokalen Wirtschaft und Wissenschaft. Diese werden die Entwicklung der Infrastruktur für die Nutzung von eBikes/Pedelecs in Karlsruhe mit ihren energetischen und klimaschutzrelevanten Aspekten diskutieren, sowie den Einsatz neuer Technologien. Die Zukunftswerkstatt findet am 16. September 2017 von 14:00 bis 18:00 Uhr im Karlsruher Rathaus am Marktplatz statt. Dabei sind nicht nur aktuelle, sondern auch zukünftige E-Bike- bzw. Pedelec-Nutzerinnen und -nutzer angesprochen, die sich in die Planung der Infrastruktur und die Diskussion energierelevanter Aspekte einbringen möchten.

Fahrrräder, © zozzzzo, Fotolia.com
Fahrrräder, © zozzzzo, Fotolia.com

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Die Länder in Europa sind alle unterschiedlich und auch die Pilotprojekte zu Beteiligungsformaten unserer Projektpartnerschaft sind äußerst vielseitig: Sie reichen vom Bereich Mobilität über Online-Plattformen zum Verkauf von Lebensmitteln von ansässigen Kleinbauern bis hin zu E-Government-Ansätzen und Open Data in der öffentlichen Verwaltung. Das alles zeigt: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, wenn es in einem Nachbarland schon existiert. Die europäische Dimension ist wichtig, wenn es darum geht, gute Beispiele, Erfahrung und Wissen im Bereich Smart City auszutauschen, zum Beispiel dazu, wie man die verschiedenen Stakeholder der betreffenden Länder stärker einbinden kann. 

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt gelingt, wird es in zehn Jahren…

… mindestens fünf weitere Smart City Initiativen geben, mit denen die Städte sich nachhaltig weiterentwickeln wollen. Es wird dann keine Ausnahme mehr sein, dass Bürger in urbane Innovationsprozesse einbezogen werden, sondern Alltag.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Regional gesehen stehen die Stadt Karlsruhe und das Energieforum Karlsruhe wie ein Bollwerk hinter uns, das ist eine große Unterstützung, ohne die wir solche Projekte nicht stemmen könnten.

Auf transnationaler Ebene ist es schön zu sehen, dass wir unser Wissen, das wir als Unternehmensnetzwerk aufgebaut haben, in Südosteuropa, z. B. in Slowenien oder Kroatien, weitergeben können. Darauf aufbauend werden dort dann neue Initiativen ins Leben gerufen. 

Weitere Informationen: www.interreg-central.eu/URBAN-INNO

Bildnachweis von oben nach unten: E-Bike-Symbol, © Markus Mainka, Fotolia.com / Ladestation E-Bikes, © ghazii, Fotolia.com / Fahrräder, © zozzzzo, Fotolia.com

Tamara Högler ist Leiterin des Bereichs Innovationen und internationale Angelegenheiten beim CyberForum e.V. in Karlsruhe, das bei URBAN INNO als Partner mitwirkt.