Interreg
17.01.
2018

„Unkomplizierte, effektive Lösungen finden, die EU-weit anwendbar sind“

Interview mit Katja Ecke von INTERACT

Frau am Rechner © pexels, startupstockphotos

Interreg ist mitunter schon eine Wissenschaft für sich. Katja Ecke, Mitarbeiterin des INTERACT-Büros in Valencia, erklärt im Interview, was INTERACT dafür tut, damit die mehr als hundert Interreg-Programme, die es in ganz Europa gibt, nicht allzu sehr ihren individuellen Managementkulturen verfallen.

Sie waren lange für das Interreg Europe Programm tätig. Wie können Sie diese Erfahrungen bei INTERACT nutzen?

Das Interreg Europe Programm (früher "Interreg IVC") deckt die gesamte EU plus Norwegen und die Schweiz ab – was bedeutet, dass die Arbeit in diesem Programm durch die Kooperation mit verschiedensten Institutionen und Interessengruppen gekennzeichnet ist, die ihre eigenen Managementkulturen, unterschiedliche Bedürfnisse und Ziele mitbringen. Für ein Programm ist dies eine große Herausforderung. Vor allem wenn es darum geht, Programm- und Projektstrukturen zu gestalten, die den rechtlichen Rahmen und die übergeordneten Regeln respektieren, ohne die Projekte zu überfordern und die ihnen gleichzeitig genügend Spielraum einräumen, die gesetzten Ziele zu erreichen. Es bedeutet auch, dass man Verständnis und Know-how für verschiedene Ansätze, Ideen, Denkweisen usw. entwickeln muss. Es ist diese vielfältige internationale Erfahrung, die mir in meiner täglichen Arbeit bei INTERACT hilft; kombiniert mit dem Ziel, unkomplizierte und effektive Lösungen zu finden, die EU-weit anwendbar sind.

Womit beschäftigt sich INTERACT derzeit, was sind dabei Ihre Aufgaben?

INTERACT unterstützt derzeit eine Vielzahl von Themen: Zum einen kooperieren wir mit Programmen zur Aktivierung und Nutzung („Capitalisation“) von Programm- und Projektergebnissen. Zudem helfen wir dabei, den neuen Evaluierungsrahmen (Stichwort: „Performance Framework“) zu verstehen, die Nutzung vereinfachter Kostenoptionen („Simplified cost options“) zu fördern oder die neuen Herausforderungen des Jahresabschlusses zu erfassen. Darüber hinaus arbeitet INTERACT mit Programmen thematisch in verschiedenen Netzwerken zusammen, so zum Beispiel in einem Wissensnetzwerk zum Meer ("Knowledge of the sea network") oder in einem Netzwerk zum Klimawandel und dessen Risiken ("Climate change and risks network").

Durch meinen Finanzhintergrund arbeite ich hauptsächlich in den Bereichen Audit und Kontrollen, sowie zu Fragen der Förderfähigkeit. Aktuell liegt ein weiterer Fokus meiner Arbeit auf der Erarbeitung von zusätzlichen Prozessvereinfachungen bei Interreg, nicht nur für die laufende Programmperiode, sondern auch für die Zeit nach 2020. Zusätzlich moderiere ich auch eines der thematischen INTERACT-Netzwerke, in dem sich Mitarbeiter von Verwaltungsbehörden und Gemeinsamen Sekretariaten zu Audit und Kontrollthemen austauschen können.  

Was ist die sogenannte OMNIBUS-Verordnung und welche darin enthaltenen Änderungen sind für Interreg von Relevanz?

Kurz nach Beginn dieser Förderperiode wurde deutlich, dass das Regelwerk für den EU-Haushalt und die Programme der Europäischen Union weiter vereinfacht werden können und zusätzliche Klarstellungen erforderlich sind. Folglich wird der Rechtsrahmen derzeit vom Europäischen Rat, dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission überarbeitet, um Verbesserungen auszuhandeln. Der Rechtsrahmen umfasst mehrere Verordnungen, einschließlich der Haushaltsordnung und der Verordnung über die gemeinsamen Bestimmungen („Common Provisions Regulation“), daher auch die Bezeichnung „OMNIBUS-Verordnung“.  

Für Interreg werden mehrere interessante Punkte überarbeitet. So wird beispielsweise die Verwendung vereinfachter Kostenoptionen weiter gestärkt. Unter vereinfachten Kostenoptionen versteht man in der Regel die Kalkulation von förderfähigen Kosten auf Basis von Pauschalsätzen, so dass nicht mehr jeder einzelne verausgabte Euro der Kofinanzierung nachgewiesen werden muss, was den Verwaltungsaufwand erheblich verringert. Unter die vereinfachten Kostenoptionen fallen z. B. „Flat rates“, „Lump sums“ und „Standard scale of unit costs“. Für kleinere Projekte mit einer Förderung von bis zu 100.000 Euro an EFRE-Mitteln bedeutet das zum Beispiel, dass sie vollständig durch vereinfachte Kostenoptionen finanziert werden können.

Darüber hinaus wird die Verwendung der sogenannten 1.720-Stunden-Methode zur Berechnung eines Stundensatzes für Personalkosten weiter präzisiert. Dabei wird der Stundensatz ermittelt, indem die zuletzt dokumentierten Bruttolohnkosten pro Jahr einfach durch 1.720 geteilt werden. Hochrechnungen und anteilige Verwendung sind dabei ausdrücklich erlaubt. Das ist wichtig für Mitarbeiter, die weniger als zwölf Monate beschäftigt sind oder nicht Vollzeit für einen Projektpartner arbeiten. Leider können wir nicht mit Sicherheit sagen, wann diese Verbesserungen in Kraft treten werden. Da es sich um einen komplexen Verhandlungsprozess handelt, der verschiedene Interessengruppen einbezieht, wird "nichts entschieden, bis alles entschieden ist".

Was ist in Ihren Augen die Aufgabe von INTERACT?

Es gibt mehr als hundert Interreg-Programme, die Tausende von Kooperationsprojekte in der gesamten Europäischen Union verwalten und versuchen, das Leben innerhalb der EU damit ein Stück weit zu verbessern. Die Aufgabe des INTERACT-Programms besteht darin, Interreg-Programme bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Dafür bieten wir individuelle Beratung an, organisieren Workshops und Seminare zu spezifischen Themen und stellen eine breite Palette von Tools zur Verfügung, wie z.B. das elektronische Monitoring System eMS oder standardisierte Formatvorlagen wie „HIT“. INTERACT unterstützt Interreg-Programme bei Fragen wie: Wie wird ein Kooperationsprogramm oder -projekt gemäß den EU-Förderregeln verwaltet? Wie werden Fördermöglichkeiten sowie Programm- und Projektergebnisse kommuniziert? Wie können Kooperationstools wie HIT und die Projektdatenbank KEEP die Programmumsetzung unterstützen? Wie können die internen Arbeitsprozesse der Programme vereinfacht und effizienter gestaltet werden?

Bildnachweis Titelfoto: pexels, startupstockphotos

Katja Ecke ist Diplom-Geographin und Mitarbeiterin des INTERACT-Büros in Valencia, Spanien. Dort ist sie für Fragen zur Förderfähigkeit, vereinfachte Kostenoptionen und Interreg nach 2020 verantwortlich. Davor arbeitete sie neun Jahre lang für das INTERREG IVC und das Interreg Europe Programm.