Interreg
13.11.
2017

SubNodes: Mobilität schafft gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Landesteilen

Interview mit Dr. Klaus Bongartz aus dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

Belebter Bahnhof © connel design, fotolia.com

Mit dem Ausbau der transeuropäischen Verkehrsnetze, den sogenannten TEN-T (Trans-European Networks – Transport), entstehen gegenwärtig wichtige Verkehrsknotenpunkte im Schienenverkehr, die Nodes, auch abseits großer Metropolen wie Frankfurt oder Paris. Die Nahverkehrsanbindung des Umlandes zu diesen Hauptknotenpunkten ist allerdings oft nicht ausreichend vorhanden, sodass die Regionen nur eingeschränkt von den Hochgeschwindigkeitsnetzen profizieren können. Das Mitteleuropa-Projekt SubNodes versucht daher mit neuen Strategien den ÖPNV kleiner Städte in der Umgebung dieser Hauptknotenpunkte auszubauen und effizienter zu gestalten. Ziel ist es, diese Städte zu Mittelzentren der Verkehrsinfrastruktur, also zu Sub-Knoten, weiterzuentwickeln. Sie sollen das Hinterland besser mit dem TEN-T-Schienennetz verbinden und damit Vorteile für die Region bringen. Die Leitung des Projekts übernimmt das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft. Projektkoordinator Dr. Klaus Bongartz erklärt im Interview, wie effiziente Sub-Knoten die Attraktivität von suburbanen Umlandregionen für Einwohner und Unternehmen steigern können.

In zwei Sätzen: Worum geht es in Ihrem Projekt?

Mit dem Interreg-Projekt SubNodes wollen wir konkrete Angebotsverbesserungen im regionalen öffentlichen Nahverkehr kleinerer Städte, in unmittelbarer Nähe der Hauptknotenpunkte entwickeln, sie erproben und in Teilen umsetzen. Am Ende des Projekts sollen Einwohner und Betriebe einen messbaren Nutzen von der guten Erreichbarkeit der europäischen Hauptverkehrsachsen im Bahnverkehr davon tragen.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Im Grundgesetz ist das Leitbild der gleichwertigen Lebensverhältnisse in allen Landesteilen verankert. Als Referent in der Abteilung strategische Landesentwicklung bin ich dafür zuständig, dass dieser Anspruch umgesetzt wird. In den Faktoren Mobilität und Erreichbarkeit liegt der Schlüssel, um diese Gleichwertigkeit für die gesamte Bevölkerung in allen Landesteilen sicherzustellen. Nur durch eine gute Erreichbarkeit kann heute eine Region international bestehen. Ich sehe das nicht nur als eine Aufgabe, die aktuell den Menschen vor Ort hilft. Für mich gehört die Arbeit des Projekts zur Daseinsvorsorge für die Zukunft der Menschen in diesen Regionen.

EU Korridore © EU Kommission

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

In einem Pilotprojekt wollen wir den Sub-Knoten Sömmerda exemplarisch zu einem Mobilitätszentrum entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, werden neue und effiziente Verkehrskonzepte erarbeitet. So sollen z. B. die Bus- und Bahnlinien besser miteinander vernetzt werden, sodass Menschen schneller und einfacher von der Bahn in den Bus, oder auch auf das Fahrrad, wechseln können. Aber auch kleinere pilothafte Maßnahmen werden umgesetzt. An unbesetzten Bahnhöfen ist es beispielsweise besonders für ältere Menschen oft schwer, Fahrpläne zu lesen oder Fahrkarten zu kaufen. Hier sollen attraktivere Formen der Fahrplanauskunft und des Fahrkartenkaufs entwickelt werden. Sowohl die Gestaltung des Verkehrsnetzes als auch die Fahrpläne sollen dahingehend überarbeitet werden, dass die Sub-Knoten gestärkt werden und mehr Fahrgäste den ÖPNV benutzen.

Parallel zu der Umsetzung der Maßnahmen werden auf regionaler Ebene in Thüringen übergeordnete Fragestellungen untersucht. Unter anderem wird geprüft, welche regionalen Bahnhöfe sich neben dem Sub-Knoten Sömmerda als weitere Sub-Knoten in der Region eignen. Untersucht wird auch, wie Verkehrsverbünde Tarifierung und Ticketsysteme für eine Attraktivitätssteigerung der Region nutzen können. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen und die Resultate aus den lokalen Pilotaktionen sollen Rückschlüsse für die Erarbeitung bzw. Anpassung der regionalen Verkehrskonzepte liefern.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

In vielen Regionen Europas steigt gegenwärtig das Pendleraufkommen. Oft treffen die wachsenden Pendlerströme auf ein regionales öffentliches Verkehrssystem, das dieser Nachfrage nicht gerecht wird. Es besteht daher der Bedarf nach Erweiterung des Angebotes. Da die finanziellen Mittel zur Subventionierung des öffentlichen Verkehrs allerdings begrenzt sind, kann das Angebot nur erweitert werden, wenn es gelingt, durch eine Erhöhung der Passagierzahlen und Ticketverkäufe die Wirtschaftlichkeit des ÖPNVs zu erhöhen. Diese Situation betrifft viele europäische Regionen gleichermaßen. Die öffentlichen Gelder sind begrenzt. Die Herausforderung bei unseren Projektpartnern liegt darin, die Mittel effizienter zu nutzen.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt SubNodes gelingt, wird in zehn Jahren….

... in Europa ein gut aufeinander abgestimmtes öffentliches Mobilitätssystem existieren, welches die ländlichen Regionen mit den internationalen Transportknoten vernetzt und so entsprechende Erreichbarkeitsvorteile und damit Attraktivität für die Regionen generiert.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Für mich war es spannend, schon beim Kick-off in Mailand zu sehen, wie gut die Partner sich jetzt schon verstehen. Das ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg des Projektes. Ein schönes Erlebnis war auch die Auftaktreise in die Region Lombardei, weil ich dort viele interessante Akteure aus dem Bereich Verkehr kennengelernt habe.

http://www.interreg-central.eu/Content.Node/SubNodes.html