Interreg
18.04.
2017

Zukunftsfähige Mobilität im ländlichen Raum

Interview mit Sophie Golinski, Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt zum Projekt RUMOBIL

Study-Trip nach Meißen zum „Bürgerbus Lommatzscher Pflege“,11.11.2016, Foto: Frank Trepte

Gerade in ländlichen Räumen, die vom demografischen Wandel betroffen sind, ist es nicht immer leicht, eine ausreichende Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr zu gewährleisten und gleichzeitig veränderten Mobilitäts-Bedürfnissen gerecht zu werden. Im Mitteleuropa-Projekt RUMOBIL erarbeiten 13 Projektpartner entsprechende Mobilitätsstrategien und passen ihre Verkehrspolitik an die neuen Anforderungen an. In allen Partnerregionen werden zudem Maßnahmen zur Verbesserung der Nahmobilität erprobt. Sophie Golinski arbeitet beim Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, dem Lead Partner von RUMOBIL. Die Projektmanagerin erzählt, welchen Mehrwert RUMOBIL für die Anbindung ländlicher Räume erbringen kann.

In zwei Sätzen: Worum geht es in Ihrem Projekt?

RUMOBIL ist ein transnationales Kooperationsprojekt zwischen öffentlichen Verwaltungen und ihren Nahverkehrsagenturen. Das Ziel ist die gemeinsame Entwicklung und Erprobung neuer Ansätze zur Anbindung ländlicher, vom demografischen Wandel besonders betroffenen Gebieten an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und überregionale Verkehrswege.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Bereits während meines Geographie-Studiums interessierte ich mich für Regionalentwicklung und Zukunftsstrategien ländlicher Räume unter den Rahmenbedingungen des demografischen Wandels. Die Position als Projektmanagerin in RUMOBIL, welches sich eben mit diesen Themen beschäftigt, ist daher die perfekte berufliche Anknüpfung. Außerdem ist es eine tolle Erfahrung in einem internationalen Projekt tätig zu sein.

Was bringt das Projekt für die Region?

In Sachsen-Anhalt unterstützt das Projekt Initiativen zur Gründung von Bürgerbussen als Ergänzung zum bestehenden ÖPNV-Angebot. Zudem wird eine RUMOBIL-Strategie für eine nachhaltige und zukunftsfähige Mobilität im ländlichen Raum erarbeitet, die auf andere ländliche Regionen übertragbar ist. Diese wird in den Verkehrsstrategien und -plänen der beteiligten Regionen verankert, natürlich auch hier in Sachsen-Anhalt.

Rückmeldungen zum Ideenaufruf „Bürgerbusse für Sachsen-Anhalt – Verbessern Sie die Mobilität in Ihrem Ort!“, 23.02.2017, Foto: Anna Meyer
Rückmeldungen zum Ideenaufruf „Bürgerbusse für Sachsen-Anhalt – Verbessern Sie die Mobilität in Ihrem Ort!“, 23.02.2017, Foto: Anna Meyer

Warum ist es wichtig, das Projekt europäisch umzusetzen?

Der demografische Wandel ist eine europäische Herausforderung. Sowohl im ländlichen Raum Sachsen-Anhalts als auch in weiten Teilen des ländlichen Europas erschweren sinkende Einwohnerzahlen die Sicherung von Angeboten zur Daseinsvorsorge. Hiervon ist auch der Nahverkehr betroffen. Anstatt die Angebote wegen des Nachfragerückgangs zu reduzieren, sind nachhaltige und bedarfsorientierte Konzepte gefordert. Das EU-Projekt RUMOBIL bietet hier nicht nur eine Plattform für die Zusammenarbeit von Regionen mit ähnlichen Herausforderungen, sondern auch für den Austausch von Partnern mit vielschichtigen Erfahrungen und fachlicher Expertise auf dem Gebiet.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt gelingt, werden in zehn Jahren …

…die im Projekt initiierten Bürgerbusse nach wie vor über das Land rollen und sich zu einem nachhaltigen Mobilitätsangebot entwickelt haben. Das Bewusstsein für die Rolle des ÖPNV in ländlichen Regionen Mitteleuropas wird erhöht sein und die Nutzerzahlen sind durch eine verbesserte Nahmobilität gestiegen.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Besonders freue ich mich über das große Interesse sachsen-anhaltinischer Kommunen an der Umsetzung des Pilotprojektes „Bürgerbusse für Sachsen-Anhalt“. Sie zeigen damit ihren Willen zur aktiven Gestaltung eines attraktiven und zukunftsfähigen Mobilitätsangebots vor Ort.

 

Weitere Informationen:

  • www.interreg-central.eu/Content.Node/rumobil.html
  • https://demografie.sachsen-anhalt.de/regionale-nationale-und-internationale-zusammenarbeit/zusammenarbeit-in-europa/internationale-projekte/
  • www.nasa.de/rumobil/

Bildnachweis Titelfoto: Study-Trip nach Meißen zum „Bürgerbus Lommatzscher Pflege“,11.11.2016, Foto: Frank Trepte

Sophie Golinski arbeitet als Referentin am Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt. Sie ist Projektmanagerin im INTERREG Central Europe Projekt RUMOBIL (Laufzeit 2016-2019).