Interreg
23.11.
2017

NorthSEE: Grenzüberschreitende Raumplanung in der Nordsee

Interview mit Ulrich Scheffler vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie

Nordsee © shutterstock.com

In der Nordseeregion ist die maritime Raumordnung (MRO) sehr dynamisch. Mitunter gegenläufige nationale Ziele und Strategien prägen die Entwicklung der Gewässernutzung. Um eine konsistente und grenzüberschreitende Planung im Sinne der EU-Richtlinie der MRO umsetzen zu können, ist eine enge Abstimmung und langfristige Zusammenarbeit zwischen den Planungsbehörden erforderlich. Das Projekt NorthSEE will den Grundstein für den Aufbau solcher fester Kooperationsstrukturen legen. Ulrich Scheffler vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), das die Federführung im Projekt innehat, erklärt im Interview, wie das erreicht werden soll.

Worum geht es in Ihrem Projekt?

Das Projekt “NorthSEE – A North Sea Perspective on Shipping, Energy and Environmental Aspects in Maritime Spatial Planning” soll einen Koordinierungsprozess zwischen den für die maritime Raumordnung zuständigen Behörden fördern. Das Projekt entwickelt planerische Lösungen für die Bereiche Schifffahrt, Energieinfrastruktur und Umwelt in der Nordsee. Über abgestimmte Planungsprozesse in den maritimen Raumordnungsplänen der Anrainerstaaten sollen Synergien realisiert und Nutzungskonflikte im Seegebiet verhindert werden.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Das Meer als Gegenstand der räumlichen Planung ist ein Themen- und Arbeitsfeld mit ganz eigenen Herausforderungen. Die Nordsee ist die am dichtesten befahrene Schifffahrtsregion der Welt. Internationale Schifffahrtsrouten queren und verbinden die ausschließlichen Wirtschaftszonen der Anrainerstaaten. Die Interessen von Fischerei, Energie- und Rohgewinnung einschließlich ihrer Infrastruktur, Naturschutz und Militär stehen in Konkurrenz um den immer knapper werdenden Meeresraum. Diese Interessen gilt es auszugleichen. Zudem sind planerische Lösungen sind gefragt, die eine wirtschaftliche und ökologisch nachhaltige Entwicklung in der Nordsee befördern. Das ist Aufgabe der maritimen Raumordnung.

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

Maritime Raumplanung entwickelt Planungslösungen und -szenarien für die zunehmend in Konkurrenz tretenden Nutzungen. Für eine optimierte Gesamtlösung müssen die Anrainerstaaten ihre nationale maritime Raumordnung mit den Nachbarländern abstimmen. NorthSEE entwickelt dafür Methoden und praktische Planungswerkzeuge für die Themen Schifffahrt, Energie und Umwelt. Deutschland beginnt 2017 mit der Fortschreibung der Raumordnung in der ausschließlichen Wirtschaftszone in Nord- und Ostsee. Die Ergebnisse aus NorthSEE können dann direkt in der maritimen Raumordnung der Nordsee Anwendung finden.

Containerschiff © shutterstock.com
Containerschiff © shutterstock.com

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Die zunehmende Abhängigkeit der Nordsee-Anrainerstaaten untereinander lässt sich gut am Beispiel des Energiesektors erläutern. Die europäische Union entwickelte in den letzten Jahren Strategien für die zunehmende Vernetzung des europäischen Energiesektors. Neben Energiesicherheit spielt auch die Reduzierung von CO2-Emmissionen bei der Energiegewinnung eine wichtige Rolle. Mit den EU-Vorgaben zu einer verstärkten Integration der Netzinfrastruktur stehen die Anrainerstaaten vor der Herausforderung, auch ihre Offshore-Windenergieanlagen und die Netze besser miteinander abzustimmen. In NorthSEE wird gezielt nach Lösungen für die nationale und europäische Offshore-Energieinfrastruktur gesucht, unter Berücksichtigung länderübergreifender Optimierungsziele. Europäische Ziele erfordern die Entwicklung europäischer Lösungen. Ein europäisches Projekt ist dafür ein ideales Instrument.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt gelingt, werden in zehn Jahren….

…alle Anrainerstaaten der Nordsee aufeinander abgestimmte maritime Raumordnungspläne verabschiedet haben. Die Schifffahrtsrouten durch die Nordsee sind frei von Hindernissen und haben eine ausreichende Kapazität für ein gestiegenes Transportvolumen. Die maritimen Raumordnungspläne haben die Voraussetzungen für die Errichtung einer integrierten europäischen Infrastruktur zur Energieerzeugung und zum Energietransport geschaffen, die nicht im Konflikt mit anderen maritimen Nutzungen steht. Durch die Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes ist in der Nordsee ein guter Umweltzustand erreicht.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Der fachliche Austausch mit internationalen Kollegen aus ganz unterschiedlichen Organisationen gibt einen guten Einblick in die Art, wie in anderen Ländern maritime Raumordnung betrieben wird. Diese Lernerfahrung ist sehr gewinnbringend für die Arbeit hier in Deutschland.

Weitere Informationen: http://www.northsearegion.eu/northsee/

Bildnachweise: Nordsee © shutterstock.com, Containerschiff © shutterstock.com