Interreg
20.12.
2016

Nordseeraum: Aus Theorie wird Praxis!

Interreg-Informationsveranstaltung zum Nordseeraum in der Region Weser-Ems

Welche Vorteile bietet das Interreg-Nordseeraumprogramm für die Region Weser-Ems und wo können sich Interessierte Unterstützung für Projektentwicklung, Partnersuche und Antragstellung holen? Welche Themen sind förderfähig? Was ist der Mehrwert einer Projektpartnerschaft? Derlei Fragen standen im Zentrum der Informationsveranstaltung „Aus Theorie wird Praxis“ am 8. Dezember 2016 im niedersächsischen Oldenburg. Eingeladen hatte das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems (ArL). Als ehemaliges Mitglied im Deutschen Ausschuss des Interreg-Nordseeprogramms nahm ich gerne die Gelegenheit wahr, mich über aktuelle Themen und Vorhaben im Nordseeraum zu informieren. Auch allen anderen Interreg-Erfahrenen, genauso wie Neulingen kann ich nur empfehlen, das Angebot solcher Veranstaltungen zu nutzen. Denn wie ich selbst wieder erfahren durfte, sind sie gut geeignet, sich Tipps aus erster Hand zu holen, sich auszutauschen und zu vernetzen.

42 Prozent der genehmigten Nordsee-Projekte mit Beteiligung aus Weser-Ems

Wirtschaftswachstum innovativ und umweltverträglich fördern, dem Klimawandel widerstandsfähig begegnen, Ökosysteme nachhaltig managen sowie Transport und Verkehr umweltverträglich gestalten – das sind die aktuellen Prioritäten im Interreg B-Nordseeprogramm. Entlang dieser Themen stellen sich die transnationalen Projekte den Herausforderungen rund um die Nordsee. In dieser Förderperiode gab es bislang zwei Aufrufe zur Antragstellung („Calls“), 24 Vollanträge wurden bereits genehmigt. An zehn dieser Projekte beteiligten sich Partner aus Weser-Ems. Das entspricht einem Anteil von 42 Prozent. Von den 55 Millionen Euro EFRE-Mitteln, die für den gesamten Nordseeraum zur Verfügung stehen, entfallen bislang mit sieben Millionen Euro rund 13 Prozent auf die Region Weser-Ems. Darüber hinaus sind etliche ebenfalls genehmigte Interessensbekundungen aufgerufen, ihre Projektinhalte weiterzuentwickeln, um in den nächsten Calls des zweistufigen Antragsverfahrens mit einem Vollantrag anzutreten: Für eine engagierte, erfolgreiche Weser-Ems-Region und für ein starkes Europa. In meinen Augen eine wirklich gute Bilanz. Allerdings halte ich persönlich eine Förderung von 50 Prozent für zu niedrig, da es gerade kleineren Unternehmen oder Institutionen schwer fällt, die andere Hälfte zu finanzieren.

Erste Bilanz zu den bisherigen Antragsrunden und Tipps für Projektanträge

Die Veranstalterinnen und Veranstalter zogen Bilanz zu den ersten Antragsrunden und berichteten von ihren Erfahrungen bei der Antragsberatung und Projektbewertung. Dabei scheuten sie sich nicht, auch Probleme beim Namen zu nennen, die bei der Antragstellung auftreten können. Vielmehr gaben sie Hinweise für ein optimales Vorgehen. So seien Projektanträge klar und allgemeinverständlich zu formulieren. Es gelte, den Nutzen eines geplanten Projektergebnisses gut zu beschreiben, und zwar den Nutzen für den Partner selbst, die beteiligte Partnerregion sowie für den gesamten Nordseeraum. Deutlich werden müsse ferner, welche Zielgruppe angesprochen werden solle und wie sich ein Projekt in regionale, nationale sowie europäische Strategien und Programme einfüge. Die Kommunikation sei ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Und immer wieder das Angebot: „Sprechen Sie uns an, wir helfen Ihnen weiter!“

Talke Hinrichs-Fehrendt, Dezernatsleiterin ArL, © S. Weiß

Praxisbeispiele

Untermauert wurde der theoretische Teil durch Praxisbeispiele von Projektpartnern. Vorgestellt wurden Projekte mit Beteiligung der Hochschule Osnabrück (Projekt „COBEN“), der Universität Vechta (Projekt „Like!“) und der Jade Hochschule (Projekt „FRAMES“), der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Projekte „NuReDrain“ und „TOPSOIL“), dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (Projekte „NuReDrain“ und „TOPSOIL“), dem Ökowerk Emden, der Stadt Vechta (Projekt „Like!“) und dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik. Die Projekte belegten eindrucksvoll, mit welch vielfältigen Themenstellungen sie sich beschäftigen, mit wieviel Engagement alle Akteure dabei sind und welche Bedeutung transnationale Vernetzung über die der regionalen hinaus hat. Zudem machten alle Projektpartner deutlich, mit welchen Erwartungen und konkreten Projektergebnissen sie sich am transnationalen Wissenstransfer beteiligen.

Kennenlernen neuer Herangehensweisen

Der Austausch von Wissen und Erfahrungen, das Kennenlernen neuer Herangehensweisen an gleiche oder ähnliche Probleme der verschiedenen Anrainerländer im Küstenraum sowie ein nachhaltiger Mehrwert infolge neuer Netzwerke wurden als positiv herausgestellt. Selbstkritisch benannte ein Teilnehmer aber auch, warum sein Antrag abgelehnt wurde: „Wir haben Fachanträge geschrieben und den Ton nicht getroffen.“

Dass man nicht ausschließlich als direkter Partner, sondern auch niederschwelliger in lokalen Partnerschaften oder durch Teilhabe in Regionalforen partizipieren kann, hob Ute Ahrens, Organisatorin und Ansprechpartnerin beim ArL für Interreg B Projekte, hervor und ermutigte zur Teilnahme.

Weiter so!

Die Oldenburger Informationsveranstaltung richtete sich an die Region Weser-Ems und das benachbarte Umland. Sie war praxisnah angelegt und bezog aktuelle regionale Projektpartner ein. Ein voller Erfolg, das zeigten nicht nur die intensiven Gespräche in den Vortragspausen, sondern auch spontane Interessensbekundungen, an einem gerade vorgestellten Projekt teilzunehmen. Weitere Veranstaltungsformate des ArL sollen auch zukünftig Plattform für Informationsaustausch sein, kündigte Dezernatsleiterin Talke Hinrichs-Fehrendt an. Eine gute Idee und eine insgesamt rundum gelungene Veranstaltung, zu der man den Veranstalterinnen Talke Hinrichs-Fehrendt und Ute Ahrens nur gratulieren kann. Weiter so!

Titelfoto: Dezernatsleiterin ArL Talke Hinrichs-Fehrendt, Interreg-Botschafterin Barbara Woltmann MdB und Ute Ahrens, Ansprechpartnerin für Interreg B Projekte beim ArL, © S. Weiß

Barbara Woltmann ist Bundestagsabgeordnete für die Stadt Oldenburg und das Ammerland. Als ehemaliges Mitglied im Deutschen Ausschuss des Interreg-Nordseeprogramms kennt und schätzt sie die transnationale Zusammenarbeit und gibt dieser als Interreg-Botschafterin eine Stimme.