Interreg
15.03.
2017

Wege zur grenzüberschreitenden Raumbeobachtung

Ein Bericht aus der Perspektive Schleswig-Holsteins

Flaggen_DE+DK © Traumbild - Fotolia.com

Vom 9. bis 10. Februar 2017 fand in Berlin unter der fachlichen Leitung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung die Fachkonferenz "Deutschland und angrenzende Regionen - Wege zur Raumbeobachtung" statt. Es wurden Status quo, Empfehlungen und Zukunftsoptionen diskutiert. Von besonderer Bedeutung waren die Diskussion neuer Impulse für die grenzüberschreitende Raumbeobachtung aus deutscher Sicht, Ansätze und Vorgehensweisen aus anderen europäischen Regionen und die Präsentation und Diskussion der Arbeit in den Modellregionen. Die Konferenz richtete sich an engagierte Fachteilnehmer, welche die Zukunft der grenzüberschreitenden Raumbeobachtung mitgestalten wollen.

Das Land Schleswig-Holstein war durch Frau Anja Schmid vertreten. Im Interview erklärt sie die Bedeutung der grenzüberschreitenden Raumbeobachtung für das nördlichste Bundesland.

Welche Bedeutung hat die grenzüberschreitende Raumbeobachtung für Schleswig-Holstein?

Schleswig-Holstein ist eng mit seinen beiden unmittelbaren Nachbarn Hamburg und Dänemark verbunden. Ob Verkehr, Fachkräfte, Kultur, Flächenentwicklung oder auch Lebensqualität: es gibt keinen Bereich der Landesentwicklung, der nur noch in den Grenzen Schleswig-Holsteins gedacht werden kann. Durch die Internationalisierung und Digitalisierung werden Vernetzung und Kooperation noch wichtiger werden.

Der von der Landesregierung im Dezember 2016 vorgelegte Entwurf einer „Landesentwicklungsstrategie Schleswig-Holstein 2030“ sieht daher einen stärkeren Ausbau der überregionalen und internationalen Ausrichtung des Landes vor. Um Räume und Kooperationen über die Landesgrenze hinweg strategisch weiterzuentwickeln, bedarf es allerdings einer systematischen Analyse und Bewertung der grenzüberschreitenden Entwicklung und deren Trends. Weiterhin ist es notwendig, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit noch sichtbarer zu machen. Raumbeobachtung muss sich daher auch als ein „Marketing-Instrument“ verstehen. Und auch als ein Instrument, mit dem zur Umsetzung der „Open Data“-Ziele der öffentlichen Verwaltungen beigetragen wird.

Fehmarnsund © hs7.de - Fotolia.com

Welche Erwartungen haben Sie an das aktuelle Modellvorhaben?

Mit dem Modellvorhaben machen wir uns gemeinsam mit den dänischen Regionen Syddanmark und Sjælland in Sachen Raumbeobachtung auf den Weg. Wir haben zum einen die sehr konkrete Erwartung an eine finanzielle Unterstützung seitens des Bundes - auch über die Laufzeit des Modellvorhabens hinaus. Auch die Bereitstellung von Daten und Karten, vor allem zu speziellen Themen wie z.B. Verkehrsverflechtungen oder Forschungszusammenarbeit ist wichtig. Zum anderen ist es für uns von Bedeutung, dass dieses Modellvorhaben den Austausch der Grenzregionen untereinander und mit dem Bund in einem „Experten-Netzwerk“ etabliert. Dieses „Netzwerk“ sollte sich regelmäßig mit Fragen der Raumbeobachtung befassen und gemeinsam daran arbeiten, dass politische Bewusstsein für den Mehrwert einer grenzüberschreitenden Raumbeobachtung zu erhöhen. Wir sind natürlich auch sehr auf die Ergebnisse der Begleitforschung und den Bericht zur Lage der deutschen Grenzregionen gespannt.

Was sind die Besonderheiten der deutsch-dänischen Grenzregion Schleswig-Holstein/Syddanmark/Sjaelland im Vergleich zu anderen Regionen?

Schleswig-Holstein, Syddanmark und Sjaelland bilden den Kern der deutsch-dänischen Zusammenarbeit. Hier müssen allerdings unterschiedliche geografische „Handlungskulissen“ berücksichtigt werden. Hervorzuheben ist zum einen die Zusammenarbeit im unmittelbaren Grenzland mit einem Fokus auf Themen wie Grenzpendeln und Kulturaustausch, um die sich die beiden grenznahen Organisationen „Region Sønderjylland-Schleswig“ und das „Fehmarnbelt-Komitee“ kümmern. Ebenfalls wichtig ist auch die großräumigere Zusammenarbeit auf Ebene der Regionen, die sich auch im Zuschnitt des INTERREG 5A Programms „Deutschland-Dänemark“ widerspiegelt. Diese mündet dann in die internationale Zusammenarbeit entlang der beiden transnationalen Verkehrsachsen gen Skandinavien „Jütland-Route“ und „Fehmarnbelt-Achse“. Hier arbeiten auch die Freie und Hansestadt Hamburg und Schweden mit, z.B. in der politischen Kooperation „STRING“. Diese unterschiedlichen regionalen Bezüge sind eine große Herausforderung für die deutsch-dänische Raumbeobachtung, da sowohl kleinräumige als auch sehr großräumige Verflechtungen abzubilden sind.

Welche Erkenntnisse haben Sie von der Konferenz zurück mit nach Kiel genommen? 

Mich hat sehr beeindruckt, wieviel Know-how und Engagement in den Grenzregionen in Sachen Raumbeobachtung vorhanden ist. Es ist für mich aber auch deutlich geworden, dass grenzüberschreitende Raumbeobachtung nicht nur Aufgabe der Grenzregionen sein kann. Diese können den dafür zu erbringenden Aufwand auf Dauer nicht alleine bewältigen. Es bedarf einer noch stärkeren Einbindung der statistischen Ämter, der staatlichen Geodateninfrastrukturen und beim Stichwort Grenzpendeln der Arbeitsverwaltungen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Modellvorhaben des BBSR genau dazu beitragen wird.

Jütlandroute-Fehmarnbeltquerung © Staatskanzlei Schleswig-Holstein

Hintergrundinformationen

Die Berichterstattung über die räumliche Entwicklung des Bundesgebiets und Europas gehört zu den originären Aufgaben des BBSR und ist im Raumordnungsgesetz (§ 25 ROG) festgehalten. Unter dem Begriff der „Raumbeobachtung“ werden dabei Analysen der räumlichen Entwicklung in Deutschland und Europa zusammengefasst. Grundlage ist ein Informationssystem, für das das BBSR laufend einschlägige Daten und Informationen sammelt und auswertet.

Insbesondere an den Grenzen der Bundesrepublik und den benachbarten Regionen ergeben sich durchaus spezielle räumliche Fragestellungen, die sich nur unter Berücksichtigung und Nutzung unterschiedlicher regionaler und auch nationaler statistischer Quellen analysieren lassen. Hierfür ist es von Bedeutung, vor Ort vorhandene Expertise und regionales Wissen nutzbar zu machen, indem regionale Partner einbezogen werden. In dem Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) „Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen“, das sieben Grenzregionen einbezieht, werden aktuell die Grundlagen für eine kontinuierliche, räumlich erweiterte Raumbeobachtung erarbeitet. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Webseite des BBSR:  Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen.

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Anja Schmid ist Leiterin des Referates für „Europäische Raumordnung, grenzüberschreitende sowie regionsbezogene Landesentwicklung“ in der Staatskanzlei Schleswig-Holstein.