Interreg
19.05.
2015

Die nachhaltige Nutzung von Kulturerbe und Kulturressourcen

Ein zentrales Zukunftsprojekt für Interreg

Das Castelvecchio in Verona. (Quelle: Rolf Handke / pixelio.de)

"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." Bereits Wilhelm von Humboldt wusste, wie wichtig historische Wurzeln für jeden einzelnen von uns sind. Das Wort des Gelehrten ist auch heute noch von Bedeutung und lässt sich auch und gerade auf jenen gesellschaftlichen Bereich übertragen, den wir als unser Kulturerbe bezeichnen. "Unser" bedeutet im Hinblick auf die transnationale Zusammenarbeit, dass jedes Land und jede Region dabei auf ganz unterschiedlichen kulturellen Ressourcen aufbauen kann. Diesen kulturellen Reichtum sollten wir unbedingt auch in Zukunft bewahren. Der Programmraum Mitteleuropa nimmt sich dieses Themas aktiv an.

Bestandsaufnahme: Kulturerbe und Interreg

"Kulturelles Erbe" ist einer der Themenschwerpunkte, auf die sich das Mitteleuropa-Programm bereits in der vergangenen Förderperiode festgelegt hat. Nüchtern betrachtet waren es im Förderzeitraum 2007-2013 nur 18 von 124 Projekten mit insgesamt 176 Partnern, die bei uns in Mitteleuropa unter diesem Schwerpunkt realisiert wurden. Wichtiger aber erscheint mir, dass daraus sechs permanente Netzwerke entstanden, die über die Projektlaufzeit hinaus wirksam bleiben. Diese Gemeinschaften konnten insgesamt 72 Pilotprojekte umsetzen, die eindrucksvoll vor Ort demonstrieren, welchen unschätzbaren, immateriellen Mehrwert eine transnationale Kooperation haben kann. Und, last but not least, konnten durch die Umsetzung dauerhaft 92 neue Arbeitsplätze geschaffen werden!

Kultur betrifft uns alle

Die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe hat aber nicht nur eine lange Tradition in Mitteleuropa und lässt sich nicht nur in Fakten und Zahlen bewerten. Sie ist in besonderem Maße auch identitätsstiftender Bestandteil des Programms, bringt doch gerade dieses Thema die historische und aktuelle kulturelle Vielfalt – aber auch die damit einhergehenden Unterschiede – ans Licht. Genau diese Diversität und die damit verbundenen Chancen sind es, die in einer gemeinsamen Auseinandersetzung herausgearbeitet und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Wie sieht diese Auseinandersetzung aus? Nicht die Bewahrung der vielfältigen baulichen Substanz steht dabei im Vordergrund – dafür reichen die in unserem Programm bereitgestellten Mittel leider bei weitem nicht aus –, sondern die aktive Vernetzung der fachkompetenten Akteure in den neun Staaten des Programmraums mit den Einwohnern jener Städte und Regionen, die aus der Vielfalt des kulturellen Erbes den größten Nutzen ziehen. Die Projekte haben ganz gezielt kreative Impulse in Städten und Regionen gesetzt und in vielen Fällen dem Nutzen des Kulturerbes, welcher bis dato oft lokal oder regional begrenzt war, eine neue und internationale Dimension gegeben.

Wichtiges Thema für die Zukunft

Die nachhaltige Nutzung von Kulturerbe und Kulturressourcen bleibt ein zentrales Zukunftsprojekt: Auch das aktuelle Förderprogramm hat sich zum Ziel gesetzt, die ökonomischen und sozialen Potenziale der vielfältig vorhandenen kulturellen Ressourcen mit Hilfe neuer Projektideen für die Menschen in Wert zu setzen. Das Mitteleuropa-Programm besitzt mit dieser erneuten und bewussten Themensetzung ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der sechs Programmräume mit deutscher Beteiligung. Dass wir mit einem Themenschwerpunkt, der sich mit dem kulturellen Erbe beschäftigt, den richtigen Weg beschreiten, zeigt die hohe Zahl von 108 der insgesamt 620 eingereichten Kurzanträge im ersten Call der aktuellen Förderperiode. Ich bin gespannt darauf zu verfolgen, welche der Anträge den Nerv des Programms treffen und welche Konsortien aufgefordert werden, einen Vollantrag einzureichen.

Dr. Bernd Diehl arbeitet am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. in Dresden. Dort verantwortet er den Programmraum Mitteleuropa und ist Hauptansprechpartner des Nationalen Contact Points Deutschland.