Interreg
17.07.
2014

Auftakt in Aberdeen

Jahreskonferenz stößt auf reges Interesse

440 Teilnehmer, zwei Tage und ein Tenor: There are no strangers in the room, only friends and partners you haven’t met yet. Die Jahreskonferenz des Nordseeraums in Aberdeen Ende Juni war ein großer Erfolg. So viele Interessierte wie nie fanden sich in Schottland zusammen. Wir konnten zahlreiche Bekannte begrüßen, die sich freuten, dass es mit INTERREG in der neuen Förderperiode weitergeht und über den neuen Programmentwurf schon erstaunlich gut informiert waren. Dazu kamen Teilnehmer, die zum ersten Mal dabei waren und dafür gleich die geballten Informationen an die Hand bekamen.

Aberdeen, the Granite City, war ein würdiger Rahmen für diese Jahreskonferenz. Die unzähligen Gebäude aus grauem Granit verleihen der Stadt ein ganz besonderes Flair. Dem Hörensagen nach glitzert sie besonders, nachdem es aufgehört hat zu regnen und die Sonne hervorkommt. Das allerdings konnte ich nicht überprüfen – es hat einfach nicht regnen wollen.

Dafür waren die Ergebnisse und Diskussionen im Verlauf der Konferenz umso fruchtbarer. Langfristig soll die wirtschaftliche Entwicklung der Städte und Regionen im Nordseeraum klar im Fokus stehen. Und wir wollen mit den Ideen einen echten Mehrwert schaffen: Die Nutzer sollen die Projekte idealerweise selbst durchführen oder von Beginn an einbezogen werden. So war in einer der vielen 20-minütigen Sessions zur Vorstellung von Projektideen die erste Frage auch die nach der Dauerhaftigkeit der Ergebnisse. Die zweite Frage, die auch ich ganz besonders wichtig finde, bezog sich auf Ownership und Zuständigkeiten. Denn ganz klar, akademische Projekte allein helfen nicht weiter. Wir brauchen auch Unternehmen, NGOs und Endnutzer, die uns aktiv unterstützen.

Das Sekretariat und die Steuerungsgremien sind bei der Verwaltungsvereinfachung in der Pflicht. Vielen Teilnehmern geht diese nicht weit genug; sie fordern weniger Berichtstermine und weniger differenzierte Budgetpläne. Einige Punkte wurden bei der Konferenz direkt aufgegriffen. Die EU-weiten Vorgaben sollen zukünftig so interpretiert und umgesetzt werden, dass der administrative Aufwand für die Projekte im Norden im Rahmen bleibt.

Mein persönliches Konferenzhighlight war die Study tour zum Thema „marine Ressourcen“ nach Peterhead, dem größten Fischereihafen in der EU. Das dort ansässige Fischereiunternehmen Lunar Fishing ist ein gutes Beispiel für wirtschaftliche Integration in Europa: Eigentümer ist eine schottische Familie, die Beschäftigten stammen aus Peterhead, Litauen und Lettland, die Trawler wurden in Norwegen gebaut, die Verpackungsmaschinen in Deutschland – und der größte Absatzmarkt für Hering und Makrele sind die Niederlande. Das ist gelebte transnationale Zusammenarbeit im Nordseeraum!

Mit frischem Nordseewind um die Nase gab es auch noch Gelegenheit, meine ganz persönliche Vision für den Programmraum zu entwickeln. Ich bediene mich hier eines Zitates meiner ehemaligen Kollegin Lise Espersen aus dem Sekretariat in Viborg: „Die Öl- und Gasindustrie in der Nordsee ist ein Blauwal – und das Nordseeprogramm ein Delfin.“ Ich möchte für den Nordseeraum keine schwerfälligen Lösungen, sondern eine nachhaltige Wirtschaft. Die Partner dort sind sehr aktiv und experimentierfreudig – und ich bin nach dieser Konferenz umso mehr überzeugt, dass wir das in den kommenden Jahren auch an den praxisnahen Ergebnissen der Nordseeraum-Projekte ablesen können.

Jens Kurnol ist Mitarbeiter im Referat Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte seiner Arbeit sind die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen und die transnationale territoriale Zusammenarbeit im Rahmen von INTERREG. Er betreut auf Seiten des BBSR die Programme für den Nordseeraum und Ostseeraum.