Interreg
23.06.
2015

Sveiki! Jahreskonferenz der EU-Ostseestrategie in Lettland

Schutz der Meere und Digitalisierung als Schlüsselthemen

Networking am Strand: Die Teilnehmer der Jahreskonferenz der EU-Ostseestrategie. (Quelle: Carolin Paar/ARS BALTICA)

Ein breiter langer Sandstrand, ein traumhafter Blick auf die Ostsee und ein geführter Spaziergang durch den idyllisch am Rigaischen Meerbusen gelegenen Badeort Jurmala: Mein Auftakt zur 6. Jahreskonferenz der EU-Ostseestrategie in Lettland hätte besser kaum sein können – zumal ich so schon am Tag vor der eigentlichen Konferenz die Gelegenheit hatte, spannende Kontakte zu knüpfen. Und auch die Veranstaltung am 15. und 16. Juni selbst hatte es mit prominenten Gästen und spannenden Themen in sich.

Der Auftakt zur diesjährigen Jahreskonferenz unter dem Motto Achieving E-Quality by Connecting the Region war klangvoll und beeindruckend: Nach einer musikalischen Einlage folgten die vielbeklatschten Eröffnungsworte der Schwedischen Kronprinzessin Victoria, die die Teilnehmer an die stetige Verschlechterung der Wasserqualität in der Ostsee erinnerte – und eindrucksvolle Worte fand, die uns durch die Konferenz begleiten sollten.

„It is my sincere wish that you all will use this opportunity to find constructive and innovative ways to move forward in our joint effort to make the Baltic Region prosper and to save our treasured Baltic Sea, the water that we share, the water that unites us.“

Auch Alexander Stubb, einer der Väter der EU-Ostseestrategie und derzeit finnischer Finanzminister, rief die über 700 Teilnehmer in seiner eindringlichen Videobotschaft dazu auf, die Ostsee zurück zu ihrer ursprünglichen Sauberkeit zu führen.

Diskussion und Netzwerken in entspannter Atmosphäre

Diesen Grußworten und dem feierlichen Teil des ersten Tages folgten die obligatorischen Podiumsdiskussionen und Plenarsitzungen. Vor allem die Schlüsselthemen Digitalisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit standen dort im Fokus. Gleichzeitig wurden die nächsten Schritte in der Umsetzung der EU-Ostseestrategie besprochen, der überarbeitete Aktionsplan der EUSBSR wurde offiziell präsentiert. Er besteht nun – nach unseren Wünschen rationalisiert und fokussiert – aus siebzehn thematischen Bereichen von makroregionaler Bedeutung. Darunter ist auch weiterhin mein persönliches Schwerpunktthema, die Kultur und Kreativwirtschaft, nun mit leicht geändertem Titel: Policy Area Culture & Creative Sectors (PA Culture).

Der Tag endete in netter Atmosphäre am Strand. Bei Essen und Wein ging das Networking gleich noch leichter von der Hand. Und dank der richtigen Kleidung gut geschützt konnten wir einen wundervollen Sonnenuntergang über der windigen Ostsee genießen.

Technologien und Kooperationen für die Kreativwirtschaft

Seminar Kultur und Kreativwirtschaft. (Quelle: Carolin Paar/ARS BALTICA)

Der zweite Konferenztag stand ganz im Zeichen thematischer Workshops. Gemeinsam mit dem lettischen Kulturministerium hatte die PA Culture ein Seminar zum Thema Kultur und Kreativwirtschaft auf die Beine gestellt. Diskutiert wurde darüber, wie neue Technologien und internationale, branchenübergreifende Kooperationen diese Branche in der Ostseeregion fördern können. Julian Stubbs, ein international agierender und bekannter Branding Experte, gab uns interessante Denkanstöße zum Thema innovatives place branding und dazu, wie wir gemeinsam eine starke Marke für die gesamte Ostseeregion entwickeln können.

Ganz praxisnah wurde es bei der Vorstellung zweier Best-Practice-Beispiele, bei der Vorstellung von BalticLab – eine Kooperation des Schwedischen Instituts mit dem Ostseerat Council of the Baltic Sea States, die junge, kreative Köpfe aus dem Ostseeraum vernetzt – und einer gemeinsamen Initiative von Studierenden der Lettischen Kunstakademie und dem Start-up Garage48. In einem Programmiermarathon unterstützen Coaches und Mentoren junge Unternehmer dabei, ihre Idee in einen funktionierenden Prototyp umzusetzen.

Die Arbeitsweise von Start-ups, die uns Dmitri Sarle von ArticStartup erklärte, wollen wir uns zukünftig noch größer auf die Fahnen schreiben: „Less speeches, more networking“ ist die Devise! Ganz klar, dass wir die Vorstellungen und Redebeiträgen im Workshop deshalb nicht unkommentiert ließen, sondern fleißig in kleinen Gruppen diskutierten, den Mehrwert für uns selbst abzuleiten versuchten und neue Gesichter kennenlernten.

Die PA Culture kürt ihre Flaggschiffe

Die Jahreskonferenz nutze auch die Steuerungsgruppe der PA Culture, bestehend aus Vertretern der Ostseeanrainerstaaten respektive deren Kultusministerien sowie zahlreichen überregional agierenden Ostseeorganisationen, um sich zu konsolidieren. Da wir auch über neue potenzielle Leuchtturm Projekte beratschlagten, haben wir es uns natürlich auch nicht nehmen lassen, die Lead Partner interessanter Projekte aus den Bereichen Kultur, Kulturerbe und Kreativwirtschaft einzuladen. So widmet sich das Projekt Baltic Game Industry der Förderung der Games-Industrie, ein sich derzeit stark entwickelnder Kreativsektor in der Ostseeregion. Das Projekt Think Tank Transbaltic plant, die Kultur als Basis für soziale Innovationen zu nutzen, indem die interdisziplinäre Zusammenarbeit in und zwischen verschiedenen Ostseehafenstädten gefördert wird. Von den Projektideen waren wir begeistert und restlos überzeugt – und die kommenden Projekte können sich unserer Unterstützung auf dem Weg zum Flaggschiff sicher sein.

Eine Extraschicht in Riga

Die Konferenz in Jurmala konnte ich dann so ausklingen lassen, wie ich sie begonnen hatte: Mit einem schönen Spaziergang entlang des Strands und durch die Stadt. Eine gute Gelegenheit, das Gehörte noch einmal Revue passieren zu lassen und sich die ein oder andere gedankliche Notiz für die kommenden Aufgaben zu machen – denn schon am nächsten Tag ging es für mich in Riga weiter.

PA Culture (Quelle: http://www.eusbsrculture.eu/)

Am 17. Juni ging es für mich und meine deutschen und polnischen PA Culture-Kolleginnen weiter nach Riga. Das Joint Technical Secretariat gab uns dort Antworten auf unsere zahlreichen Fragen und stellte die technischen Details zum neuen Interreg-V-B-Programm vor. Ein lehrreicher und interessanter Abschluss von vier tollen, aber auch langen Tagen. Vor allem aber freue ich mich, dabei gewesen zu sein, viele alte und genauso viele neue Gesichter gesehen sowie spannende neue Ideen und Vorhaben kennengelernt zu haben. So kann die neue Förderperiode im Ostseeraum nur ein voller Erfolg werden!

Mehr zur PA Culture gibt es auf der offiziellen Website.

Franziska Schindler ist Mitarbeiterin im Referat Ostseeangelegenheiten des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein. Sie koordiniert dort die Policy Area Culture & Creative Sectors der EU-Ostseestrategie.