Interreg
20.10.
2015

Ideen teilen, passende Projektpartner finden

Wie Interreg-Interessierte on- und offline Kooperationen anbahnen können

Nicht nur auf Messen und Veranstaltungen können sich Interreg-Partner finden. (Quelle: BMF – Burkhardt Mayer Fotografie GbR)

Wie knüpft man die ersten Kontakte nach Frankreich, Slowenien oder Italien, wenn man bislang noch keinen Grund zur Zusammenarbeit hatte? In meiner Funktion als National Contact Point schreiben mich immer wieder Institutionen aus dem Alpenraum an, die sich in einem Projekt zu einem bestimmten Thema engagieren möchten und mir ihre Kompetenzfelder vorstellen – und auf der Suche nach passenden Partnern sind.

Auf europäischer Ebene zu arbeiten und in einem Interreg-Projekt mitzuwirken, eröffnet die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Institutionen aus den Alpenstaaten zusammen zu arbeiten. Gemeinsam mit und durch die Partner im Projekt wird das eigene Netzwerk erweitert, zusätzliches Wissen erschlossen und eine größere Aufmerksamkeit für das eigene Thema erreicht. Und nicht zuletzt werden dabei auch innovative Lösungswege beschritten! Partnerschaften für ein Interreg-Projekt gehen zum Teil aus schon bestehenden, langjährigen Kontakten hervor, andere entstehen aber auch ganz frisch, weil eine spezifische transnationale Herausforderung sich nur in einem neuen Projektteam bewältigen lässt.

Contact Points und Online-Tools bieten Unterstützung

Es ist immer wieder interessant und erfreulich, wenn Projektinteressierte mit mir in Kontakt treten, um mir von ihrem Interesse und ihrer Expertise zu berichten. Mit meinen Kollegen in den anderen Alpenstaaten stehe ich in engem Kontakt, so dass wir geeignete Partner und Projektinteressierte zusammen bringen können. Ich freue mich auch, von Kommunen und Regionen zu hören, die sich als Pilotgebiete beispielweise beim Thema der Daseinsvorsorge in schwachstrukturierten Räumen oder der regenerativen Energieversorgung engagieren möchten. Eine umsetzungsorientierte Vorgehensweise ist in den Alpenraumprojekten besonders wichtig. Deshalb werden regelmäßig innovationsfreudige Bürgermeister und Landräte gesucht!

Die neue Project Idea Community und die Project Idea Database auf der Webseite des Alpenraumprogramms sind für all diejenigen gedacht, die neue Kontakte knüpfen oder ihre Projektidee anderen vorstellen möchten, um Partner zu finden. Die Idee kann öffentlich sichtbar gemacht oder auch nur programmintern dem Joint Secretariat und den Contact Points zugänglich gemacht werden, um ein unverbindliches Feedback und Unterstützung bei der Partnersuche zu erhalten. Interessierte können in der Datenbank potenzielle Partner nach Land, Typ der Institution, Förderpriorität oder thematischen Stichworten suchen – bereits über 100 Mitglieder haben sich dort registriert und freuen sich auf neue Netzwerkpartner im Alpenraum!

Die Project Idea Database des Alpenraumprogramms. (Quelle: www.alpine-space.eu)

Partner eines Projekts können Körperschaften des Bundes, der Länder, der Regionen und Kommunen sowie NGOs, Verbände, Vereine, Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen und andere private Einrichtungen werden. Gewisse Anforderungen sind zu beachten, so besagt das Alpenraumprogramm, dass mindestens vier Partner aus drei verschiedenen Ländern in einem Projekt zusammenarbeiten müssen. Im Alpenraum haben Projekte, die eine Förderung erhalten, in der Realität meiner Erfahrung nach jedoch zwischen acht und 15 Projektpartner aus vier bis zu sieben Ländern. Denn im Projekt werden unterschiedliche Kompetenzen benötigt und das Vorhaben soll so vielen Ländern, Regionen und Institutionen wie möglich zu Gute kommen – deshalb sollten Interessierte bei der Partnersuche in größerem Maßstab denken.

Pioniergeist ist gefragt

Damit eine erfolgreiche Umsetzung des Projektvorhabens gelingt und die gemeinsamen Ziele erreicht werden, ist es wichtig, dass kompetente Partner verlässlich und vertrauensvoll zusammen arbeiten. So ist es zu Beginn der Projektentwicklung von Bedeutung, sich zu treffen, sich kennenzulernen und zu entscheiden, ob eine gute Zusammenarbeit über die gesamte Projektlaufzeit vorstellbar und realisierbar ist.

Bis Interreg-Interessierte die richtigen Partner gefunden haben, dauert es meist eine ganze Weile. Daher ist es empfehlenswert, in einem frühen Stadium der Vorbereitungen mit mir als Alpine Space Contact Point oder dem Joint Secretariat Kontakt aufzunehmen. So kann so früh wie möglich eruiert werden, ob die Idee zur Förderkulisse des Alpenraumprogramms passt, wie das Projekt bestmöglich die Anforderungen des Programms erfüllen kann, und ob die geeigneten Partner an Bord sind.

Eines kann ich Ihnen versichern: Ihre Ideen und Ihr Pioniergeist sind gefragt und jederzeit willkommen!

Anmerkung der Redaktion:

Um die Partner- und Projektsuche noch effizienter zu gestalten, haben nicht nur das Alpenraumprogramm, sondern auch alle anderen Interreg-Programme Online-Tools etabliert, wo sich Interessierte selbst über Ideen und Kooperationen informieren können. Einen Überblick erhalten Sie hier:

  • Auch das Donauraumprogramm hat zur neuen Förderperiode ein Partner-Search-Tool eingerichtet, um Interreg-Interessierten die Möglichkeit zu geben, ihre Projektideen vorzustellen und für die Antragsstellung starke Partnerschaften anzubahnen. Die Projektideen sind für jedermann zugänglich und Neugierige können diese nach Land oder thematischer Priorität durchsuchen – und sich über bisher knapp 90 potenzielle Interreg-Vorhaben informieren.

  • Die Prioritäten Innovation sowie Umwelt und Kultur stehen – schenkt man der Project Idea Database Glauben – in Mitteleuropa besonders hoch im Kurs. Projektakteure können hier ihre Projektideen mit angestrebten Zielen und bisher gewonnenen Partnern veröffentlichen. Wer sein Projekt vorstellt, kann direkt auch Wünsche an den zukünftigen Partner – wie etwa Herkunft und Art der Institution – vermerken. Dies soll nicht nur beim Aufbau eines starken Konsortiums helfen, sondern auch die Generierung von Projektideen fördern.

  • Im Nordseeraum haben die Projektinteressierten die Wahl, ob sie ihre Idee auf der Website des Programmraums in der Project Idea Section zugänglich machen, oder nur in einem passwortgeschützten Bereich publizieren wollen. Genauso können sie frei entscheiden, ob ihr Vorhaben ans Joint Secretariat für eine unverbindliche Evaluation weitergeleitet werden soll – all das über ein einfaches Eingabeformular, in dem natürlich auch Länder, Prioritäten und Ziele angegeben werden können.

  • Per Karte können Interreg-Interessierte in der Project partners database des Nordwesteuropaprogramms nach potenziellen Partnern und Projektvorhaben suchen. Die Suche ermöglicht eine Auswahl nicht nur nach Land, sondern auch nach Region sowie auf Grundlage der gewählten oder angestrebten thematischen Priorität. In der Datenbank sind mehr als 1.100 Institutionen gelistet, die in den bisher 114 Projekten in Nordwesteuropa involviert waren.

  • Die Plattform der Wahl für die Partnersuche im Ostseeraum ist LinkedIn. Im internationalen Social-Media- und Karrierenetzwerk sind derzeit mehr als 1.050 Interessierte in der Gruppe „Partner search – Interreg Baltic Sea Region Programm“ organisiert. Teilnehmer sind sowohl Vertreter von Unternehmen und Öffentlicher Verwaltung als auch von Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Katharina Ertl arbeitet im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Als Nationale Kontaktstelle des Alpenraums ist sie erste Anlaufstelle für alle derzeitigen und potenziellen Projektpartner im Alpenraumprogramm.