Interreg
23.09.
2014

Projektentwicklung und Partnersuche in Gent

Vorbereitungsworkshop für die ersten neuen Nordseeprojekte

Gent, Schauplatz des „Transnational Project Development Seminar and Partner Search“ im Nordseeraum. (Quelle: Petra Devillers)

Ich war noch nie zuvor in Gent. Das ist schade, wie ich mittlerweile weiß. Diese Stadt ist nicht nur schön für eine Besichtigung, sie hat auch eine Dynamik, die sich mit Worten nur schwer ausdrücken lässt. Warum ich das schreibe? Weil genau das ein wichtiger Aspekt transnationaler Zusammenarbeit ist: INTERREG bringt uns über unsere bisherigen Grenzen hinaus. Und das nicht nur räumlich, sondern vor allem auch thematisch, denn so manches Mal findet man dabei wahren Perlen.

Ich war gespannt auf diesen zweitägigen Workshop, brannte wie viele meiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter darauf, nach einer unendlich scheinenden Programmierungsphase endlich mit den Projekten unseres neuen Nordseeprogramms zu beginnen. Es herrschte Aufbruchsstimmung, das Interesse war groß. Bei rund 150 Anmeldungen musste das Programmsekretariat die Anmeldepforten schließen. Gleichwohl waren an den Veranstaltungstagen noch rund 30 bis 40 zusätzliche Interessentinnen und Interessenten vor Ort erschienen.

Christian Byrith, Leiter des Programmsekretariats, eröffnete die Veranstaltung mit den Worten „What we don‘t know about the new programme“. Aber schnell war klar, dass zwar wichtige Punkte wie die endgültige Übermittlung unseres neuen Programms an die Europäische Kommission noch offen sind, der Rahmen, die Inhalte und auch viele Details aber bereits feststehen. Wir sind also auf dem richtigen Weg und aus den Eröffnungsworten wurde schnell „What we already know about the new programme“ und der spannende Teil konnte beginnen. Immerhin gibt es viele Neuheiten und eine neue Ausrichtung – es ist schließlich ein neues Programm! Und das neue Programm heißt: Projekte brauchen zukünftig eine stärkere Fokussierung, die Bearbeitung sehr weit gefasster Themenbereiche wie noch im INTERREG IV B Programm ist nicht mehr möglich. Gemeinsam soll allen zukünftigen Projekten der Innovationsgedanke sein, die Partner werden enger zusammenarbeiten: „Joint development, joint testing, joint demonstration, joint results“ ist in allen Projektbereichen gefordert. Indikatoren erhalten eine viel stärkere Relevanz, an ihnen müssen sich die Projektergebnisse messen lassen.

Bei den Workshops standen die Projektideen und das Vernetzen im Vordergrund. In meinem Workshop zur Programmpriorität 1 Thinking Growth wurden einige Projektideen kurz vorgestellt. Und wenn ich kurz sage, dann meine ich kurz! Jede Projektidee durfte genau eine Folie nutzen, hatte nur drei bis vier Minuten Redezeit. Eine einzige Nachfrage aus dem Publikum und weiter ging es zum nächsten Projekt. Dies klappte gut, war äußerst informativ, kurzweilig und bereitete vor allem eine gute Basis für das anschließende Netzwerken – einen sehr anregenden Austausch. Das Netzwerken ging auch unaufhaltsam weiter, als die Türen geöffnet wurden und sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Workshops wieder vermischten. Vernetzung ist wichtig, insbesondere im INTERREG-Bereich. In Gent hatten wir dazu jede Menge Zeit, und aus meiner Sicht war es zu diesem Zeitpunkt genau das, was die bevorstehenden Partnerschaften benötigten.

Der zweite Tag begann mit einer Vorstellung der regionalen Aktivitäten zur neuen Förderperiode. Für die Nationalen Kontaktstellen eine schöne Möglichkeit, über erfolgte Aktivitäten zu berichten und vor allem auf zukünftige Veranstaltungen hinzuweisen. Wir hoffen in Norddeutschland, wo bis Jahresende noch drei Veranstaltungen stattfinden, nun auch auf internationale Gäste! Einiges zur Relevanz von Kommunikation für erfolgreiche Projekte und ein erfolgreiches Programm haben wir auch gelernt: Tell the message und nutze hierfür alle Möglichkeiten. Gerade in diesem Bereich haben sich im Laufe der letzten Jahre durch technische Neuerungen sowie die Sozialen Medien viele neue Kanäle aufgetan. Der Kommunikation kommt in der neuen Förderperiode eine Schlüsselrolle zu, auch das Joint Branding wurde noch mal vertieft.

Ein wichtiges Format unserer Veranstaltung war auch das Speed-Dating. Wer wollte, konnte in zehnminütigen Sessions mit dem Programmsekretariat eine erste Rückmeldung auf seine Projektidee bekommen. Ein solcher Austausch gibt immer viele Anregungen. Insgesamt stecken viele Projektideen noch in der Kinderschuhen, könnten sich in diverse Richtungen weiterentwickeln. Ich empfehle deshalb jedem, sich mit neuen Projektideen immer schon in einem frühen Stadium an Beratungsstellen wie die Contact Points, Programmsekretariate oder im Nordseeprogramm beispielsweise das Deutsche Beratungsnetzwerk zu wenden.

Wer nicht an den Sessions teilnahm, konnte weiter netzwerken, und auch dieses Mal fanden sich in allen Räumen und Ecken Gruppen zum Austausch und zur regen Diskussion zusammen. Nach kurzen Abschlussworten von Christian Byrith trat ich motiviert und positiv gestimmt die Rückreise an. Gent, ich komme bestimmt mal wieder. Aber erst mal kommt das neue Nordseeprogramm.

Petra Devillers ist im Referat Europapolitik der Senatskanzlei Hamburg als Deutscher National Contact Point für das INTERREG B Nordseeraumprogramm tätig.