Interreg
02.01.
2018

Interreg ist alles andere als außer Mode

Dr. Katharina Erdmenger blickt zurück auf die transnationale Zusammenarbeit im Jahr 2017

© Robert Kneschke, Fotolia.com

Was die Arbeit mit den Interreg-Programmen betraf, war 2017 ereignisreich und arbeitsintensiv. Obwohl lediglich „Halbzeit“ ist und die Förderperiode von 2014 bis 2020 gerade erst richtig angelaufen ist, hat die Diskussion um die Zukunft der Interreg-Programme dieses Jahr schon volle Fahrt aufgenommen. Auch wenn noch vieles offen steht, ist es dabei gelungen, einige Wegmarken für die Zeit nach 2020 zu setzen.

Verschiedene Papiere zur Zukunft von Interreg veröffentlicht

Die Diskussion zur Zukunft von Interreg fand in verschiedenen Konstellationen und an vielen verschiedenen Orten statt. In meiner persönlichen Erinnerung tritt vor allem folgendes hervor: Das letzte Seminar einer vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und dem luxemburgischen Infrastrukturministerium angestoßenen Reihe, die Interact organisiert hatte. Bei den verschiedenen Veranstaltungen diskutierten Mitglieder des Interact-Monitoring Committees und der Verwaltungsbehörden bzw. Gemeinsamen Sekretariate der europaweit 15 transnationalen Programme die Zukunft von Interreg. Bei der Abschluss-Sitzung in Valencia einigen sich die Teilnehmer auf ein erstes informelles „Input-Papier“, das der Europäischen Kommission übergeben wurde. Dem schloss sich die Ausarbeitung eines weiteren, ebenfalls an die Kommission überstellten Arbeitspapiers in der „AG-Interreg“ an. In dieser Arbeitsgruppe kommen die Vorsitzenden der Deutschen Ausschüsse der sechs transnationalen Programme mit deutscher Beteiligung regelmäßig zusammen und diskutieren aktuelle Entwicklungen. Den Vorsitz hat das BMVI.

 Persönlicher Konferenz-Rekord

Im Mai 2017 fand bei uns im BMVI in Berlin die Halbzeitkonferenz für die transnationalen Programme unter dem Titel „Europa stärkt Städte und Regionen“ statt. Außerdem hatte ich dieses Jahr die Gelegenheit – und das ist mein persönlicher Rekord – gleich an drei Jahreskonferenzen teilzunehmen: Im Juni war ich bei der Jahreskonferenz des Nordsee-Programms in Göttingen, im September in Berlin bei derjenigen des Mitteleuroparaumes und im Oktober schließlich in Budapest. Dort fand die Jahreskonferenz des Donauraumes zusammen mit dem Jahresforum der Donaustrategie statt. Auch die Foren der Ostseestrategie im Juni 2017 in Berlin und der Alpenstrategie Ende November in München boten zahleichen Interreg-Akteuren eine Gelegenheit zum Zusammentreffen.

 Interreg B ist kein abstrakter Begriff

Es war schön, bei all diesen Anlässen zu erleben, wie lebendig und vielfältig die „Interreg-Familie“ ist. Es gelingt ihr, Akteure von vielen verschiedenen Ebenen zu mobilisieren, die alle eines wollen: in ihren Regionen zusammenarbeiten. Vor diesem Hintergrund haben wir 2017 bereits eine wichtige Botschaft für die Entscheidungsträger in Kommission, Rat und Parlament formuliert - und wir sollten in den kommenden Monaten nicht müde werden, sie zu wiederholen: Interreg B ist kein abstrakter Begriff! Hinter dem Programmnamen stehen vielmehr Menschen, die in zahlreichen Projekten an ganz konkreten Fragestellungen arbeiten, die sie täglich bewegen und für die sie gemeinsame, grenzüberschreitende Lösungen finden wollen.

In Zeiten, in denen überall in Europa nationalistische und europafeindliche Ideen Konjunktur haben, ist diese Botschaft wichtiger denn je. Mehr denn je sollten wir auch in der Zukunftsdiskussion betonen, wie bedeutend die Interreg-Programme für den Zusammenhalt in Europa sind – für den territorialen Zusammenhalt, aber auch für den Zusammenhalt zwischen den Menschen. Die transnationalen Programme lenken den Blick darauf, dass die europäischen Regionen in größere funktionale Räume eingebettet sind, in denen nicht nur geografische, sondern auch wirtschaftliche Bezüge bestehen. Es lohnt sich, diese Verbindungen gemeinsam für die jeweilige Entwicklung zu nutzen, ob es nun eine makroregionale Strategie gibt oder nicht. Die wichtigste Erfahrung, der Projekte, aber auch auf Ebene der Programmverwaltung, lautet: „Gemeinsam sind wir stärker!“.

Mit Mut und Elan weitermachen

Dass wir mit dieser Botschaft bereits recht gut durchgedrungen sind, zeigt ein Diskussionsbeitrag von Moray Gilland von der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung bei der bereits erwähnten Jahreskonferenz des Mitteleuropa-Programms. Mit Blick auf die Zukunft sagte er: “Interreg is not at all out of fashion“ – „Interreg ist alles andere als außer Mode.“ Angesichts des arbeitsreichen Jahres 2017 macht dieser Satz Mut, 2018 mit ebenso viel Elan weiterzumachen – für eine starke transnationale Zusammenarbeit nach 2020!

Copyright Titelfoto: Robert Kneschke, Fotolia.com

Dr. Katharina Erdmenger ist im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) Leiterin des Referates G 31, Europäische Raum- und Entwicklungspolitik/territorialer Zusammenhalt. Aufgaben des Referates sind die inhaltliche Ausgestaltung und Koordinierung aller Interreg B-Programme, an denen Deutschland beteiligt ist, das Programm ESPON, multilaterale- und bilaterale Zusammenarbeit zur Umsetzung der Territorialen Agenda und zur Raumentwicklungspolitik sowie die europäische Zusammenarbeit zur maritimen Raumplanung.