Interreg
10.02.
2015

Tolle Chancen für deutsche Partner im Interreg-Donauprogramm

Wie der gesamte Kooperationsraum profitiert

Bayerns Finanzstaatssekretär Hintersberger und Baden-Württembergs Europaminister Friedrich eröffnen das Donaubüro in Ulm. (Quelle: donaube connects)

Seit dem CADSES-Programm, in dem 18 Länder sowohl aus Mittel- als auch aus Süd- und Osteuropa vor rund acht Jahren zusammenarbeiten konnten, gab es für deutsche Projektpartner keine vergleichbaren Kooperationsmöglichkeiten mit den Regionen des Donauraums mehr. Und das, obwohl es hier doch so wichtige wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Bezüge gibt! Aber bald ist es soweit und das neue Donauprogramm startet! Zum deutschen Programmraum gehören dabei Baden-Württemberg und Bayern, da hier die stärksten Verbindungen gesehen werden und diese beiden Länder auch an der Makrostrategie für den Donauraum (EUSDR) beteiligt sind. Momentan läuft die Programmierung noch auf Hochtouren, wobei die Themen, Fördermittel und -quote mittlerweile feststehen. Es gilt Chancen und Herausforderungen auszuloten und starke Partnerschaften aufzubauen.

Am Interreg-Donauprogramm werden 14 Länder teilnehmen, die nicht nur sehr unter-schiedliche historische und kulturelle Aspekte in das Programm einbringen können, sondern auch sehr unterschiedliche Erfahrungen in der transnationalen Kooperation. Einerseits bieten sich dadurch hervorragende und reizvolle Kooperationsmöglichkeiten für die Antragsteller aus Baden-Württemberg und Bayern, anderseits wird die Einbindung von so unterschiedlichen Partnern in einem Projekt auch spezifische Herausforderungen mit sich bringen. Für die deutschen Partner geht es dabei nicht nur darum, ihr Know-how einzubringen, sondern auch darum, von den oft ganz anders gelagerten Erfahrungen zahlreicher Donauländer zu profitieren.

Priorität 1 hat auch für Deutschland besondere Bedeutung

Dr. Judit Schrick (2. v. r.) bei der Eröffnung des Donaubüros. (Quelle: donaube connects)

Nach einer umfassenden Analyse der Bedürfnisse und Potenziale des Programmgebietes haben die Vertreter der Teilnehmerstaaten vier Prioritätsfelder ausgewählt. Im Zuge der von der EU verfolgten thematischen Konzentration musste die Zahl der Prioritäten zwar begrenzt werden, insgesamt ist aber ein recht ausgeglichenes Portfolio gelungen. So werden beispielsweise in der Priorität 1 nicht nur Innovation und Forschung gefördert, sondern noch andere innovationsrelevante Bereiche wie Bildung, Ausbildung, lebenslanges Lernen, die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU oder soziale Innovation.

In Priorität 1 "Innovative und sozial verantwortliche Donauregion" haben deutsche Projektpartner besonders gute Chancen auf erfolgreiche Kooperationen, da beide deutschen Länder auf dem Gebiet Innovation europaweit zu den Spitzenreitern gehören. Aber auch in den Bereichen berufliche Aus- und Weiterbildung, der Förderung von KMU oder soziale Innovation haben sie einiges an Erfahrung zu bieten. Durch die Zusammenarbeit im Donauraum erhalten sie außerdem die Möglichkeit, Bedarf und Bedürfnisse anderer kennenzulernen. Das ist die Voraussetzung für die Entwicklung passender Problemlösungen sowie marktfähiger Produkte und Leistungen, die dann den Raum auch regionalpolitisch voranbringen können. Hier reicht es nämlich nicht, Problemlösungen zu übertragen. Sie müssen vielmehr so angepasst werden, dass sie auch den Herausforderungen des Kooperationsraumes entsprechen. Erst dann haben beide Seiten etwas davon, und erst dann wird ein Interreg-Projekt daraus.

Die anderen Themengebiete, die durch das Programm gefördert werden, sind sowohl in Deutschland als auch in den anderen Donaustaaten von großer Relevanz. Gebiete wie beispielsweise Umweltschutz, Kultur, Ressourceneffizienz, Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, regionale Mobilität oder die Verbesserung der Verwaltungskapazitäten bieten beste Rahmenbedingungen für die effektive Lösung staatenübergreifender Probleme.

Möglichkeiten und Herausforderungen erkennen

Die größten Vorteile und Chancen für die Partner Baden-Württemberg und Bayern würde ich wie folgt zusammenfassen:

  • Der gute Ruf und die starke wirtschaftliche Position deutscher Partner im Programmraum helfen bei der Kooperationsbildung.
  • Unterschiedliche kulturelle, politische und historische Erfahrungen bieten hervorragende Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Weiterentwicklung.
  • Die Ergebnisse bereits umgesetzter Interreg-Projekte (z. B. aus dem Mittel- und Südosteuropaprogramm) können weiterentwickelt werden und auch im Donauraum Verbreitung finden.
  • Es erfolgt eine wichtige Grundsteinlegung für langfristige und erfolgreiche Partnerschaften in wichtigen strategischen Bereichen.
  • Ein neuer Programmraum ermöglicht interkulturelles Lernen und damit Erfahrungen, die unabhängig vom konkreten Projekt Institutionen und Menschen zusammen und voran bringen.

Der neue Kooperationsraum birgt aber auch einige Herausforderungen, die man bewältigen kann, aber im Auge haben sollte:

  • In den EU-Kandidaten- und potenziellen Kandidatenländern gibt es viele Projektpartner, die im Umgang mit EU-Fördergeldern noch wenig erfahren sind.
  • Große interkulturelle Unterschiede können die Zusammenarbeit auch erschweren und sollten daher bei der Planung berücksichtigt werden (unterschiedliche Verfahren und Herangehensweisen).
  • Administrative Strukturen sind sehr heterogen ausgebildet und oft nicht genügend bekannt.
  • Limitierte Finanzressourcen erschweren mitunter vor allem die erforderliche Vorfinanzierung der Projekte sowie die Finanzierung der Projektvorbereitungskosten bis zur Antragstellung, so dass hier gegebenenfalls zusätzliche Finanzierungsquellen erschlossen werden müssen.

Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen

Im Rahmen des Programmes stehen den beteiligten Staaten und den deutschen Ländern, Baden-Württemberg und Bayern, hervorragende Kooperationsmöglichkeiten zur Verfügung. Deutsche Partner können aus ihren bestehenden Partnerschaften – soweit diese vom Donaugebiet abgedeckt werden – profitieren. Sie können ihre Partnerschaften durch das neue Fördergebiet aber auch ausdehnen, sich Themenfelder neu erschließen und neue Erfahrungen sammeln. Durch die Verlinkungen mit der Donauraumstrategie (EUSDR) und durch deren Unterstützung in wichtigen Bereichen ergibt sich für das Donauprogramm die Chance, eine höhere politische Aufmerksamkeit dazu zu nutzen, neue Akteure zu gewinnen und eine bessere Verbreitung der Ergebnisse zu erreichen.

Bei der Programmvorbereitung wurde bereits deutlich, dass Partner aus den Donaustaaten gern mit deutschen Partnern zusammen arbeiten und deren Erfahrungen und Kooperationsbereitschaft geschätzt werden. Diese Chance, die gleichzeitig auch Verantwortung ist, sollte man nutzen, und sich aktiv einbringen. Dies wird sich sicherlich auch in den Bewilligungszahlen widerspiegeln.

Dr. Judit Schrick ist Nationale Kontaktstelle des Interreg-Donauprogramms. Sie ist für die Unterstützung der baden-württembergischen und bayerischen Antragsteller und Projektpartner zuständig. Die Nationale Kontaktstelle ist formal dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg zugeordnet, hat aber ihren Sitz in Ulm.