Interreg
17.10.
2014

INTERREG B verbindet

Rund 50 Interessierte beim deutsch-polnischen Netzwerktreffen in Berlin

Das Ernst-Reuter-Haus, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, in Berlin. (Quelle: Anja Bauriedel)

Die Ergebnisse der bisherigen transnationalen Zusammenarbeit zwischen  Deutschland und Polen können sich sehen lassen: In über 160 Projekten haben Vertreter aus Wirtschaft, Forschung, Verwaltung und Vereinen in den letzten Jahren miteinander gearbeitet. Mit dem Start der neuen Förderperiode 2014-2020 beginnt für viele von ihnen wieder die Suche nach passenden Ideen und Partnern. Gerade „Neulinge“, die bisher keine oder wenig Erfahrung mit Interreg B gemacht haben, stehen da vor einer großen Herausforderung. Hinzu kommt der nicht zu unterschätzende Termindruck – bereits in wenigen Monaten starten die ersten Projektaufrufe. Höchste Zeit also, Projektskizzen weiterzuentwickeln und die richtigen Partner zu finden. Um dies zu erleichtern, haben wir gemeinsam mit dem polnischen Ministerium für Infrastruktur und Entwicklung am 14. Oktober eine neue Veranstaltungsform getestet: Ein Vernetzungstreffen für rund 50 potentielle Partner aus unseren beiden Ländern.

Eines vorab: Das Interesse an diesem Event war riesig! Fast 120 Teilnehmeranfragen sind bei uns im Vorfeld eingegangen. Dass wir das Teilnehmerfeld letzten Endes auf fünfzig Organisationen limitiert haben, sollte den intensiven Austausch der Anwesenden garantieren – und diese (vor allem Städte, Verwaltungen) haben die Chance genutzt.

Von Best Practice im Plenum bis zum Ideenaustausch am Runden Tisch: Interaktives und informatives Programm

Nach einer kurzen Einführung in die neuen Förderprogramme von Mitteleuropa und Ostsee durch Monika Schönerfeld-Grasser und Bartłomiej Wierzbicki von den Sekretariaten in Wien bzw. Rostock – hier sei erwähnt, dass es einige interessante Neuerungen hinsichtlich Prioritäten, Förderchancen und -mitteln sowie vereinfachte und klarere Antragsformalitäten gibt – konnten die Teilnehmer erste Praxisluft schnuppern. Drei besonders erfolgreiche Akteure (Grzegorz Borón aus der Stadt Bydgoszcz, Rafal Modrzewski von der Woiwodschaft Kujawien-Pommern und Gunnar Pajer vom Business and Innovation Center BIC Frankfurt/Oder) gaben einen Einblick in ihren Projektalltag. Was mich besonders gefreut hat: Man konnte bereits an dieser Stelle erkennen, dass so mancher „Projektneuling“ neue Erkenntnisse hinsichtlich eines erfolgsversprechenden Konsortiums erhalten und durch die zahlreichen Tipps die Scheu vor dem Antragsverfahren verloren hat.

Fünf Tische, fünf Themen, fünfzigmal Austausch

Sie fragen sich jetzt sicherlich, wie unterschiedliche Akteure den passenden Gegenpart finden? Zunächst einmal, indem sich jeder kurz und knackig mit seiner Organisation und seiner Idee präsentiert. Hierzu hatten wir die Teilnehmer aufgerufen, ihre Ideen für die transnationale Zusammenarbeit in 99-sekündigen Kurzpräsentationen vorzustellen. Diesem Aufruf sind die meisten Teilnehmer gefolgt und viele hatten im Anschluss bereits erste Vorstellungen von möglichen Partnerschaften in der transnationalen Zusammenarbeit. Zugegeben, anfangs war ich etwas skeptisch, ob das funktionieren kann. Die Antwort ist eindeutig: Ja, es geht ganz hervorragend. Damit es nicht allein dabei bleibt, haben wir nach der ausführlichen Mittagspause fünf runde Tische in die Partnerbörse integriert. Denn wo netzwerkt es sich besser als im direkten Gespräch mit Gleichgesinnten?

Die Gruppen von jeweils etwa 10 Personen fanden sich am Nachmittag zu den Themen „Wirtschaft, Arbeit, Leben“, „Energie und Klimawandel“, „Umwelt und natürliche Ressourcen“, „Mobilität und Verkehr“ und „Raumentwicklung und Governance“ zusammen, um vertiefende Gespräche über angedachte Projekte zu führen. Tja und was soll ich sagen: Die ersten Teilnehmer haben sich bereits nach der ersten Runde mit einem passenden Partner und konkreten Vorstellungen zu detaillierten Gesprächen zurückgezogen.

Erkenntnisse aus der Partnerbörse

Welches Resümee können wir nun ziehen? Das Interesse an transnationaler Zusammenarbeit ist enorm. Besonders gefreut hat mich das Engagement der polnischen Partner aus Kommunen und Woiwodschaften. Nach zehn Jahren EU-Mitgliedschaft sind die meisten Anlaufschwierigkeiten überwunden und die Vorteile, die die EU-Programme bieten, können voll genutzt werden. Das Netzwerktreffen hat den ersten Anstoß gegeben – weitere Unterstützung gerade für kommunale und regionale Akteure in Deutschland scheint sinnvoll. An einem einzigen Tag haben viele der fünfzig Akteure interessante Kontakte geknüpft und erste neue Ideen entwickelt. Andere kehren mit einer geballten Ladung Input und Wissen zurück, das sie ermutigt, ihre Vorhaben weiter auszubauen. Dies alles bildet den Kern transnationaler Projekte mit Partnern aus anderen Staaten

Für das erste Vernetzungstreffen dieser Art ist das eine großartige Bilanz. Wir freuen uns sehr, die Knospen neuer Partnerschaften aufblühen zu sehen und stehen selbstverständlich allen Beteiligten länderübergreifend mit Rat und Tat bei der Verwirklichung ihrer Projektideen zur Seite. Das gilt natürlich erst recht für die Kontaktstellen in Dresden und Kattowitz. Und wie heißt es doch so schön: Wenn alles gut geht, ist nach der Partnerbörse auch vor der Partnerbörse.

Jens Kurnol ist Mitarbeiter im Referat Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte seiner Arbeit sind die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen und die transnationale territoriale Zusammenarbeit im Rahmen von INTERREG. Er betreut auf Seiten des BBSR die Programme für den Nordseeraum und Ostseeraum.