Interreg
12.09.
2016

„Interreg B-Projekte hatten erheblichen Einfluss auf Gestaltung des TEN-V-Netzes“

Interview mit Horst Sauer von der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg

Welche Bedeutung hat die transnationale Zusammenarbeit für die transeuropäischen Verkehrsnetze?

Um es mal vorsichtig zu formulieren: Ich bin nach den Erfahrungen aus der letzten Förderperiode davon überzeugt, dass Interreg B-Projekte einen nicht unerheblichen Einfluss auf Methodik und Gestaltung des TEN-V Netzes hatten. Die Bedeutung ist im positiven Sinne eher gegenseitig und besonders ausgeprägt im Ostseeraum. In der aktuellen Programmperiode gibt es hier eine enge Kooperation zwischen den Interreg B-Projekten Scandria®2Act (in dem die GL Berlin-Brandenburg Lead Partner ist), TENTacle und NSB CoRe mit den TEN-V-Korridorkoordinatoren unter anderem für den Skandinavien-Mittelmeer- und den Nordsee-Ostsee-Korridor. Damit wird eine Verknüpfung der europäischen Verkehrspolitik mit der Regionalentwicklung gewährleistet und es trägt zu einer besseren Kohärenz der Planung auf EU-, Mitgliedsstaats- und Regionalebene bei. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass die Verkehrskoordinatoren der EU-Strategie für den Ostseeraum ebenfalls eingebunden sind. Die Interreg Projekte bringen die EU-Politik sozusagen auf die „Erde“ der Regionalentwicklung und die EU-Verkehrspolitik erhöht die politische Relevanz der Interreg Projekte erheblich.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen EU- und Landespolitik?

Es gibt ausgesprochen gute Kontakte zwischen der Landesebene Berlin-Brandenburg mit der Europäischen Generaldirektion Mobilität und Verkehr (GD MOVE) und den Kollegen, die im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur für die europäische Raumentwicklung und die TEN-V-Netze zuständigen sind, aber eben auch zu den Stakeholdern auf regionaler Ebene. Beide Länder sind in die regelmäßig tagenden Korridor-Foren in Brüssel eingeladen und die Korridorkoordinatoren waren auch schon mehrfach vor Ort. Unser Multi-Level-Governance-Ansatz mit einer Urban-Node-Plattform und einer Zusammenarbeitsvereinbarung zwischen Ministerien, Senatsverwaltungen, IHKs und diversen Stakeholdern wird seitens der GD MOVE und den Korridorkoordinatoren unterstützt. Von der Brüsseler Seite wird diese Zusammenarbeit verstärkt durch eine Arbeitsgruppe der Regionen oder jetzt aktuell durch ein „Urban Node Laboratorium“ der städtischen Knoten entlang des Skandinavien-Mittelmeer-Korridors im Rahmen der bereits bestehenden Korridorforen.

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Was ist der Mehrwert von grünen transeuropäischen Verkehrskorridoren für Berlin-Brandenburg?

Nehmen wir einfach das Cluster „Verkehr, Mobilität, Logistik“ als Beispiel. Hier sind in der Hauptstadtregion zurzeit ca. 200.000 Menschen beschäftigt, mit steigender Tendenz. Dies wird durch die herausgehobene Lage der Hauptstadtregion als Knotenpunkt dreier TEN-V-Korridore erheblich unterstützt. Schon allein der Marketingeffekt durch die verbesserte Sichtbarkeit im europäischen Maßstab und erst recht die verbesserte Erreichbarkeit nach Umsetzung der Ausbaumaßnahmen im Netz wirken sich hier positiv aus. Letztendlich ergeben sich dadurch auch zusätzliche Möglichkeiten für die konkrete finanzielle Unterstützung von Projekten in der Hauptstadtregion. Mit dem Anspruch, dass diese Korridore „grün“ werden sollen, werden der Einsatz alternativer Treibstoffe, multimodaler Logistikangebote und innovativer Technologien gefördert. Hierzu nutzen wir zurzeit das Scandria®2Act-Projekt. Auch, um konkrete, investive Projektanträge zu befördern, insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen aus der Region.

Wie können die Programme in Zukunft noch besser auf die Bedürfnisse der lokalen Akteure reagieren?

Die Einbindung regionaler Akteure in die Gestaltung der europäischen Verkehrspolitik ist ein relativ neuer Ansatz, den es zu verstetigen gilt. Gerade wenn es darum gehen soll, kleine und mittlere Unternehmen einzubinden, ist ein ortsbezogener Ansatz Voraussetzung. Die Interreg-Programme können und sollten hier auch zukünftig eine Brückenfunktion übernehmen. Wichtig sind ortsbezogene Kommunikationsansätze in den Projekten, die insbesondere südlich der Ostsee unbedingt auch muttersprachlich sein sollten. Dies gilt auch für das Kommunizieren von Inhalten der direkt von Brüssel verwalteten sektoralen Programme.

Horst Sauer ist Referatsleiter für Europäische Raumentwicklung bei der Gemeinsamen Landesplanung (GL) Berlin-Brandenburg. Die GL vertritt die Interessen der Hauptstadtregion im Netzwerk der deutschen und europäischen Metropolregionen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Etablierung der Metropolregion Berlin-Brandenburg im Netz der transeuropäischen Verkehrskorridore (TEN-V) sowie die Verschränkung dieser Bemühungen mit europäischen Förderprogrammen, unter anderen im Rahmen von Interreg-Projekten.