Interreg
02.02.
2015

Interreg: Eine gemeinsame Marke für nachhaltige Erfolge

INTERACT stellt Promo-Video für neues Corporate Design vor

Das neue Interreg-Logo. (Quelle: INTERACT)

Interreg verbindet. Meistens jedenfalls. Denn beim Logo waren sich die Länder und Programme bisher eher uneinig, entwickelten ihr Design nach eigenem Gusto, in verschiedenen Farben und Stilrichtungen. Dies soll sich nun ändern.  Um die stärkere Verbindung zwischen den beteiligen Ländern, den Kooperationsräumen und den Projekten selbst zu demonstrieren, hat INTERACT ein neues gemeinsames Logo für die europäische territoriale Zusammenarbeit (ETZ) bei Interreg entwickelt. Guillaume Terrien, Kommunikationsverantwortlicher des INTERACT Point Viborg (Dänemark), erklärt im Interview, wie das neue Corporate Design entstand und welche Impulse es der transnationalen Zusammenarbeit in Europa geben soll.

Herr Terrien, wieso ist eine gemeinsame Marke so wichtig für Interreg?

  • In den vergangenen Interreg-Programmperioden entwickelte jeder Programmraum, ja sogar jedes Projekt, seine eigene Identität und eine eigene Marke – die Kommunikation der Erfolge europäischer territorialer Zusammenarbeit (ETZ) war deshalb immer Stückwerk. Die Initiative, ihre Möglichkeiten und Erfolge erzielten nur eine geringe Sichtbarkeit. Mit einer gemeinsamen Marke steigt diese Sichtbarkeit. Die Markenbildung beginnt schon beim Namen Interreg. Dieser galt bis 2006 für die ETZ und ist heute noch bekannt und gebräuchlich. Allerdings waren nicht alle aktuellen EU-Staaten vor 2006 am Programm beteiligt. Für sie ist der Name also neu. Da er in allen Sprachen verwendet werden kann und zukünftig gebraucht wird, wird auch die Auffindbarkeit im Internet verbessert.

    Ich bin überzeugt, dass die gemeinsame Marke das Verständnis von und für Interreg verbessern wird. Die Zahl der Bewerbungen wird steigen, die Projekte werden immer ergebnisorientierter werden. Wir haben auch Icons für alle thematischen Schwerpunkte entwickelt, welche die Kommunikation mit potenziellen Bewerbern und die der Ergebnisse im Programmraum sowie auf nationaler und internationaler Ebene zukünftig ebenfalls vereinfachen werden. Den Programmen erlaubt all das etwa im nationalen Kontext übergreifende Kommunikationsaktivitäten.

Was glauben Sie, welche Auswirkungen hat die neue Marke auf alle Beteiligten?

  • Sowohl politische Entscheidungsträger als auch förderfähige Initiativen können besser erreicht werden. Da  die Ergebnisse einzelner Projekte Teil eines großen Ganzen sind, wirken sie nachhaltiger, und durch die erhöhte Sichtbarkeit wird Interreg  auch in der öffentlichen Wahrnehmung legitimiert. Von der guten Reputation eines Programmraums profitieren auch die anderen. Zudem wird die gegenseitige Befruchtung von Projekten aus verschiedenen Programmen erleichtert. Mit der neuen Marke sparen aber auch alle Partner: Finanzielle Ressourcen, weil die Entwicklung eines eigenen Logos obsolet wird, und Zeit, weil die Implementierung dessen viel schneller funktioniert.

 In Ihrem Video fallen die alten Logos wie Dominosteine. Was stößt die neue Marke an?

  • Die Dominosteine stehen sowohl für die Programme als auch für ihre Aktivitäten. Die Idee ist, die Komplementarität und die Synergien aller regionalen Aktivitäten darzustellen. Wir wollen zeigen, dass jedes Programm seine Handlungsfreiräume behält, gleichzeitig aber über die Region hinaus wirkt und Teil eines größeren Plans ist: von Interreg. Alle Programme arbeiten daran, eine einheitliche Europäische Union zu schaffen, die vielfältige Interessen und Partner integriert. Das neue Logo verändert aber nicht die Intention von Interreg. Es geht nach wie vor darum, Hürden zu überwinden, und den Menschen zu helfen, trotz ihrer Unterschiede in den Grenzregionen zu kooperieren. Interreg ist mehr denn je ein Werkzeug zur Erreichung der Ziele von Europa 2020 und gegen die Stagnationen in den Regionen.
Das Promotionvideo zur neuen Marke Interreg. (Quelle: INTERACT)

Wer ist verantwortlich für das neue Design und wie haben Sie den Entwicklungsprozess empfunden?

  • INTERACT hat die Entwicklung der Marke federführend übernommen, dabei allerdings immer die Programme einbezogen und sich auf die Unterstützung durch die Europäische Kommission verlassen können. Die Initiative wurde offiziell am 13. Juni 2013 bei einem Kommunikationsworkshop in Mailand angestoßen. Eine große Mehrheit stimmte dafür, das neue Logo für die aktuelle Programmperiode in Angriff zu nehmen. Allerdings mussten andere Partner erst noch vom Mehrwert einer solchen Marke überzeugt werden. Für sie ist die Entwicklung eines neuen Logos ein sensibles Thema. Alle Programme hatten intern Diskussionen und konnten sich auch untereinander nur schwer einigen, wie das neue Logo aussehen soll. Es war aber immer ein demokratischer Prozess.

    Die Koordination und Bündelung der verschiedenen Erwartungshaltungen war für uns eine herausfordernde, aber gleichzeitig sehr bereichernde Angelegenheit. Der Einbezug der Programme aber war entscheidend – er war zwar manchmal anstrengend, aber immer hilfreich. Eine weitere Schwierigkeit war es, das Logo adaptierbar zu machen, aber gleichzeitig alle Vorgaben zu beachten. Interreg mit der Europäischen Union zu verknüpfen ist entscheidend für die Sichtbarkeit. Jeder der Akteure sollte die Vorteile erkennen, die er hat, wenn die Programme, Interreg und die Europäische Union verbunden werden. Das war nicht gerade einfach.

    Unser Papier, das alle Spezifikationen zur Entwicklung und Verwendung des neuen Logos enthält, haben wir am 19. Dezember 2014 veröffentlicht. Der ganze Prozess dauerte also rund anderthalb Jahre.

Was glauben Sie, wie wird sich das Logo durch die Adaption verschiedener Länder verändern?

  • Das Logo ist die Antwort auf ein gemeinsames Bedürfnis und das Ergebnis eines gemeinsamen Konsens‘ sowie technischer Restriktionen. Die Initiative wurde von den Programmen angestoßen, die erkannt haben, dass Interreg im Zentrum ihrer Arbeit steht und zuerst kommuniziert werden sollte. Die Logos müssen grenz- und programmübergreifend einen Wiedererkennungswert haben und ein Maximum an Konsistenz ist nötig, damit wir nicht wieder in die vorherige Situation geraten. Die Nutzung des Logos ist absolut freiwillig. Die Programme werden es aber verwenden, weil sie das Ziel, für das es gestaltet wurde, unterstützen. Ich erwarte, dass das Logo in Details angepasst wird – aber dank unserer Vorgaben nur in einem so geringen Maße, dass wir dadurch die Vorteile einer gemeinsamen Marke nicht wieder einbüßen.

Und zum Abschluss: Was gefällt Ihnen an der neuen Marke persönlich am besten?

  • Die Vorteile, die die neue Marke mit sich bringt, sind riesig. Selbst innerhalb der Europäischen Institutionen waren die Ergebnisse von Interreg bisher nicht sichtbar. Interreg bekommt nur 2,8 Prozent des EU-Budgets für Kohäsionspolitik und erhält manchmal nicht die Wertschätzung, die es verdient. Mit dem neuen gemeinsamen Logo werden wir eine höhere Sichtbarkeit der Ergebnisse erreichen und es schaffen, diese europaweit verfügbar zu machen. Ich hoffe, dass dies helfen wird, die transnationale Zusammenarbeit auf Basis ihrer Erfolge zu präsentieren und ihre Bedeutung noch klarer zu machen – vor allem gegenüber den Skeptikern.

Guillaume Terrien ist gebürtiger Franzose und im dänischen Viborg für die Kommunikation des dortigen INTERACT Points verantwortlich. INTERACT unterstützt diverse europäische Kooperationsprogramme, darunter ESPON und Interreg. Guillaume selbst war zuvor als Kartograph und im Bereich der Europäischen kulturellen Zusammenarbeit und der Sprachenpolitik in Brüssel tätig.