Interreg
30.11.
2016

Jahresforum der EU-Ostseestrategie

Eine Region – eine Zukunft

Stockholm versinkt im Schnee

Eine Region – eine Zukunft

Wie kann der Ostseeraum im Jahr 2030 aussehen und was müssen wir bis dahin machen, damit die Vorstellungen Wirklichkeit werden können? Über diese Frage diskutierten 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 8. und 9. November 2016 auf dem 7. Jahresforum der EU-Ostseestrategie. Bevor wir uns aber der Zukunft widmen konnten, mussten wir erst einmal mit den Überraschungen der Gegenwart klar kommen: 40 Zentimeter Schnee in 24 Stunden. Anfang November war das selbst für die wintererprobten Stockholmer eine Herausforderung. Auf der Straße ging nicht mehr viel, aber Züge und U-Bahnen fuhren und auch am Flughafen funktionierte mit Verspätung das meiste.

Freihandel, gemeinsame Entwicklung und Dialog als Garanten für Wohlergehen

Die Premierminister Schwedens, Stefan Löfven, und Finnlands, Juha Sipilä, eröffneten das Forum, gemeinsam mit der für Regionalpolitik zuständigen EU-Kommissarin Corinna Cretu. Besonders die Rede von Stefan Löfven ist mir in Erinnerung geblieben, weil sie unsere Zusammenarbeit in einen größeren Rahmen eingebettet hat: Die Sicherheitssituation im Ostseeraum verschlechtert sich wieder, Unruhe und Sorgen nehmen zu. „Common Security“, ein Begriff, den Olof Palme geprägt hat, ist der einzige Ausweg daraus, und dieser umfasst die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg und die Schaffung einer gemeinsamen Zukunft durch Dialog und Vertrauen. Löfven wies zudem darauf hin, dass Armut und Nachhaltigkeit wieder ganz oben auf der politischen Agenda stehen, und dass vor allem die nordischen Länder, aber auch die anderen Ostseeanrainer, hier besonders in der Verantwortung stehen. Zwei Gründe sieht er dafür: Erstens weil es moralisch richtig ist, gegenüber Menschen anderswo auf der Welt und gegenüber künftigen Generationen, und zweitens weil es ökonomisch Sinn macht, als erster neue Technologien und Lösungen zu entwickeln. Seine Schlussfolgerung war eindeutig: Aus der tausendjährigen Geschichte des Ostseeraums wissen wir ziemlich genau, dass Freihandel, gemeinsame Entwicklung und ein vertrauensvoller Dialog zur gemeinsamen Sicherheit Garanten für das Wohlergehen der Menschen im Ostseeraum waren.

Premierminister Lövfen © Jens Kurnol

Über vierzig Workshops

Nach der großen politischen Einstimmung zu Beginn ging es dann mit der Arbeit los: Das Programm umfasste zum einen drei große Sessions mit Teilnehmern wie den beiden CEO von Stena Line und Viking Line, der Nachhaltigkeitsmanagerin von H&M oder dem Gründer von Skype. Daneben gab es über vierzig Workshops zu Themen wie dem Umweltstatus der Ostsee, sozialem Unternehmertum junger Menschen, Verkehrsverbindungen, blauem Wachstum und vielem anderen. Eine Creative Lounge bot hervorragende Möglichkeiten zum Netzwerken, z. B. während einer Fashion Show skandinavischer Designer mit Mode aus holzbasierten Stoffen oder einem interaktiven Display zur maritimen Raumordnung auf der Ostsee.

VASAB display on maritime-spatial planning © VASAB
Vision for the Batlic Sea region 2030_presentation by Jens Kurnol © VASAB

VASAB und Interreg-Programm für den Ostseeraum aktiv dabei

Die beiden Einrichtungen, in denen das BBSR aktiv im der Ostseeregion mitwirkt, VASAB und Interreg, waren auf dem Forum prominent vertreten. VASAB, die Kooperation der für Raumordnung zuständigen Ministerien der Ostseeanrainer, hat neben dem genannten Display zwei Workshops zur Raumbeobachtung und zur maritimen Raumplanung organisiert. Zudem diskutierte VASAB im Workshop zu einer möglichen Vision 2030 mit und stellte sich auf dem „Hot Seat“ zur Zukunft der Region den kritischen Fragen junger Wissenschaftler. Das Interreg-Programm für den Ostseeraum finanzierte nicht nur das Forum zu einem guten Teil mit, sondern war auch mit einer Vernetzungsveranstaltung zum Thema blaues Wachstum präsent. Nicht zu vergessen natürlich die 25 Flaggschiff-Projekte der Ostseestrategie, die aktuell vom Programm unterstützt werden.

Weiterhin großer Bedarf an Kooperation

Das enorme Interesse (die Veranstalter hatten mit 800 Teilnehmern gerechnet) am Forum zeigt, dass der Wunsch und die Notwendigkeit zur Kooperation weiterhin groß sind. Am Morgen des zweiten Tages war dann auch in den Gesprächen das Ergebnis der Präsidentenwahlen in den USA ein großes Thema. Wenig verwunderlich war der Tenor dabei: „Jetzt erst recht“.

Weitere Informationen

Das Forum der EU-Strategie für den Ostseeraum findet seit 2010 jährlich statt. Die für die Umsetzung der Ziele der Strategie verantwortlichen Einrichtungen informieren über den Fortschritt der Arbeiten, regen zur Diskussion über die gemeinsamen Interessen und Politiken an und bieten den vielen involvierten Akteuren eine hervorragende Möglichkeit zum Netzwerken. Das nächste Forum wird am 13. und 14. Juni 2017 vom Auswärtigen Amt in Berlin organisiert. Alle, die sich für die Zukunft (in) der Ostseeregion interessieren, sollten sich diesen Termin vormerken.

Ein „Beginner’s Guide“ zur Ostseestrategie, ein Fakten-Bericht zu Trends und Herausforderungen und ein Papier zu den Entwicklungsperspektiven bis 2030 sind hier zu finden: http://www.strategyforum2016.eu/media/reports-33885385

Jens Kurnol ist Mitarbeiter im Referat Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte seiner Arbeit sind die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen und die transnationale territoriale Zusammenarbeit im Rahmen von INTERREG. Er betreut auf Seiten des BBSR die Programme für den Nordseeraum und Ostseeraum.