Interreg
17.01.
2017

GRETA: Erdwärme als klimaschonende Energie-Alternative

Interview mit Christine Haas von der TU München

Erdwärme, Fachbegriff „oberflächennahe Geothermie“, ist die regenerative Energiequelle aus den oberen zehn bis 400 Metern unserer Erde und vielseitig einsetzbar. So etwa zur Heizung und Kühlung von Gebäuden mit Hilfe von Erdwärmepumpen, oder zur direkten Kühlung, zum Beispiel mit Grundwasser. Im Vergleich zu Photovoltaik oder Windenergie ist sie in der politischen Diskussion jedoch noch relativ unterrepräsentiert. Das von der TU München federführend koordinierte Projekt GRETA möchte dazu beitragen, das oberflächennahe geothermische Potential der Partnerregionen flächendeckend zu erfassen. Kommunen und Planer sollen zudem mit Leitlinien und Weiterbildungen bei der Anwendung unterstützt werden. Projektmanagerin Christine Haas von der TU München erklärt im Interview, welche Möglichkeiten die oberflächennahe Erdwärme für den Alpenraum bietet.

Bohrung zur geothermischen Weichenheizung in Oberstaufen, © Triple-S

In zwei Sätzen: Worum geht es in Ihrem Projekt?

GRETA („Near-Surface Geothermal Resources in the Territory of the Alpine Space“) fördert die Nutzung der oberflächennahen Erdwärme (Geothermie) als Quelle regenerativer Energie. Dies soll dazu beitragen, den steigenden Energiebedarf im Alpenraum zu decken.

 

 Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Die oberflächennahe Geothermie ist als erneuerbare Energie eine der Energiequellen der Zukunft. Sie ist klimaschonend und nachhaltig. Durch ihre besonderen Eigenschaften ist sie zudem wetterunabhängig, nahezu überall autark einsetzbar und greift dabei kaum ins bestehende Landschaftsbild ein.

 Was bringt das Projekt für Ihre Region?

GRETA bietet die Möglichkeit, die oberflächennahe Geothermie auch bei uns bekannter zu machen. Anhand von Praxisbeispielen und Pilotprojekten – für unsere Region ist dies das Oberallgäu – werden detaillierte Karten des geothermischen Potentials erarbeitet. Wir zeigen zudem Wege auf, wie Planer und Kommunen die Ergebnisse in die Energiestrategie vor Ort einbeziehen können. So ist die TU München unter anderem an der Weiterbildung von Energieberatern durch das Energie- und Umweltzentrum Allgäu beteiligt.

Weichenheizung, © Valerie Rups, Triple-S

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Der Untergrund, auf dem wir uns täglich bewegen, zeigt sich relativ wenig beeindruckt von Staatsgrenzen. Gleichzeitig stehen im Alpenraum alle Anrainer vor derselben Herausforderung: Trotz steigendem Energiebedarf muss der CO2-Ausstoß drastisch reduziert werden. Durch die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene kann der Einsatz der Erdwärme für ähnliche Gegebenheiten erleichtert werden, insbesondere durch die Harmonisierung der gesetzlichen Regelungen und der technischen Voraussetzungen.

 Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt GRETA gelingt, wird in zehn Jahren…

… die oberflächennahe Geothermie bei der Planung von Gebäuden und Anlagen überall als regenerative Alternative bei der Deckung des Heiz- und Kühlbedarfs eingesetzt. Ebenso, wie beispielsweise die Photovoltaik und die Windenergie schon heute als regenerative Energiequellen für die Stromerzeugung in die Planung einbezogen werden.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Die Besichtigung einer geothermischen Weichenheizung in Oberstaufen im Allgäu, die wir im Rahmen der „Energy Days“ während der EU Sustainable Energy Week Policy Conference organisiert haben. Dabei konnten wir zeigen, dass die oberflächennahe Geothermie sehr breit angewendet werden kann und dabei nahezu unsichtbar bleibt. Meist wird sie nur mit der Beheizung von Häusern in Verbindung gebracht. Jedoch besteht eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten: die Beheizung von Schwimmbädern ist ebenso möglich wie die von Bahnhöfen oder Tunneln. Selbst die Kühlung, beispielsweise von Supermärkten, Hotels oder Bürogebäuden, kann geothermisch abgedeckt werden.

Weitere Informationen: www.alpine-space.eu/projects/greta/de/home

Bildnachweis Titelfoto: Bohrung für eine Erdwärmesonde im Aosta-Tal, Italien, © ARPA VdA

Christine Haas ist Projektmanagerin für das Alpenraum-Projekt GRETA. Sie arbeitet am Lehrstuhl für Hydrogeologie an der Technischen Universität München.