Interreg
14.02.
2017

Feste Kooperationsstrukturen für die maritime Raumordnung in der Nordsee etablieren

Partnertreffen des Projektes NorthSEE in Berlin

In der Nordseeregion ist die maritime Raumordnung (MRO) sehr dynamisch. Mitunter gegenläufige nationale Ziele und Strategien prägen die Entwicklung der Gewässernutzung. Um eine konsistente und grenzüberschreitende Planung im Sinne der EU-Richtlinie der MRO umsetzen zu können, ist eine enge Abstimmung und langfristige Zusammenarbeit zwischen den Planungsbehörden erforderlich. Das Projekt NorthSEE will den Grundstein für den Aufbau solcher fester Kooperationsstrukturen legen. Vom 16. bis 18. Januar 2017 trafen sich die NorthSEE Projektpartner im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Berlin. Worum es dabei ging und was bislang im Projekt erreicht wurde, erzählt Ulrich Scheffler vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), das die Federführung im Projekt innehat.

Was war der thematische Schwerpunkt des Partnermeetings?

Der Schwerpunkt des Partnermeetings in Berlin war der inhaltliche Austausch zu den Kernthemen von NorthSEE: Schifffahrt, Energie und Umwelt. Das Treffen wurde auch für einen Fachbeitrag über grenzübergreifende Aspekte von terrestrischer räumlicher Planung genutzt. Eine externe Expertin zeigte anhand von Beispielen auf, wie Visionen und Ziele der Planung entwickelt und Interessenvertreter in den Planungsprozess einbezogen werden können. Zudem informierte sie über Möglichkeiten, grenzüberschreitende Planungsräume in Karten darzustellen.

Projektpartner sind bei Interreg-Projekten für die Umsetzung von spezifischen Aufgabenpaketen verantwortlich. Die Treffen, die alle vier bis fünf Monate stattfinden, bieten ihnen die Möglichkeit, den aktuellen Stand der Projektumsetzung und die konkreten Fortschritte zu diskutieren. Außerdem informierten sich die Teilnehmer in Berlin über neue Entwicklung in der maritimen Raumordnung in den Anrainerstaaten. Partnertreffen dienen neben rein inhaltlichen Aspekten auch dem Ausbau eines Informationsnetzwerks und der Kommunikation zwischen den Partnerländern. So konnten bei dem Berliner Treffen die persönlichen Kontakte zwischen den Projektmitarbeitern vertieft werden.

Das Meeting fand im BMVI in Berlin statt. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem BMVI im Rahmen des Projektes?

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist der offizielle Lead Partner im NorthSEE Projekt. Als eine dem BMVI nachgeordnete Bundesoberbehörde steht das BSH in engen Kontakt mit den verantwortlichen Stellen im Ministerium und ist politisch und inhaltlich für die Meeresraumordnung in den ausschließlichen Wirtschaftszonen in Nord- und Ostsee verantwortlich. Die Projektverantwortlichen im BSH stehen in engem Austausch mit dem zuständigen Referat für Europäische Raumentwicklungspolitik / territorialer Zusammenhalt im Ministerium. Das BMVI leistet auch politische Unterstützung auf internationaler Projektebene. Aufgrund der guten Kooperation mit dem BMVI hat das BSH die Möglichkeit gerne wahrgenommen, das Projekttreffen im Ministerium in Berlin zu veranstalten.

Was ist das Besondere an der Partnerstruktur bei NorthSEE?

Die Projektpartner in NorthSEE vertreten sieben Länder und setzen sich aus Ministerien, Fachbehörden, Forschungseinrichtungen, Universitäten und einer regionalen Gebietskörperschaft (Noord-Holland) zusammen. Damit ist ein sehr breites fachliches und aufgabenbezogenes Spektrum abgedeckt. Es wird damit sichergestellt, dass die Projektergebnisse ganz praktische Umsetzung finden, seien es Empfehlungen auf politischer Ebene, die Anwendung von praktischen Methoden in Fachbehörden oder als Beitrag in der maritimen Raumforschung.

NorthSEE Partnertreffen im BMVI, © NorthSEE

Was wurde bislang im Projekt erreicht?

In der ersten Projektphase werden relevante Daten und Informationen zum aktuellen Status von Schifffahrt, Energie –  hier hauptsächlich Offshore-Windenergie – sowie zur Umwelt gesammelt. Aus diesen Entwicklungen werden dann konkrete Flächenansprüche an den Meeresraum abgeleitet. Für Schifffahrt und Energie haben die Projektpartner nach Auswertung der Daten und Informationen erste Entwicklungstrends identifiziert. Aus diesen Trends und der Analyse von nationalen und transnationalen Energiestrategien können die zukünftigen Anforderungen von Schifffahrt, Energie und Umwelt an den Meeresraum abgeleitet werden. So führt etwa der geplante Ausbau der Windenergie in der Nordsee zu einem erhöhten Flächenbedarf, der integriert mit anderen Nutzungen geplant werden muss. Weitere Berichte zu Schifffahrt und Energie sollen noch im ersten Quartal 2017 fertiggestellt werden. Die Projektergebnisse werden mit Projektende veröffentlicht.

Mit dem Interreg Schwesterprojekt BalticLINes (Projekt zu linearer maritimer Infrastruktur in der Ostsee) wurden zudem Synergien gesucht. Mitarbeiter in beiden Projekten tauschen sich in gemeinsamen Treffen in den Sektoren Schifffahrt und Energie aus. Dazu gehören zum Beispiel Themen wie die Harmonisierung von internationalen Geo-Daten, die Berechnung der Schifffahrtsdichte und Mindestabstände zu Seeanlagen. Auch die Symbolik von räumlichen Festlegungen auf maritimen Raumordnungsplänen und die Gestaltung von Beteiligungsprozessen werden von den Schwesterprojekten besprochen. Auf Basis dieses Austauschs sowie der Abstimmung von planerischen und technischen Lösungen können die Mitarbeiter der beiden Projekte dann gemeinsame Lösungen für den gesamten Ost- und Nordseeraum entwickeln.

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe, dass wir die gute Zusammenarbeit aller Projektpartner in NorthSEE erfolgreich weiterführen können. Der Austausch und das Arbeiten im Projekt mit seinen unterschiedlichen Partnern sind spannend und herausfordernd. NorthSEE soll konkrete grenzübergreifende Lösungen für die Anrainerländer der Nordsee erarbeiten. Dies ist besonders wichtig, da es für diesen Meeresraum immer mehr konkurrierende und potentiell gegensätzliche Nutzungen gibt. Bedingt ist dies z. B. durch die Zunahme der Windenergie und der Schifffahrt sowie durch die Forderungen nach mehr Umweltschutz. NorthSEE kann eine zentrale Rolle dabei spielen, die räumlichen Festlegungen in den maritimen Plänen der Nordseeraum-Anrainer zu harmonisieren. Für Deutschland kann das Projekt damit zu einer verbesserten grenzüberschreitenden Betrachtung bei der Fortschreibung der Meeresraumordnung in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone beitragen.

Weitere Informationen: www.northsearegion.eu/northsee

Bildnachweis Titelfoto: © NorthSEE

Ulrich Scheffler arbeitet im Sachgebiet Maritime Raumordnung im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie und ist Projektmanager des NorthSEE-Projektes.