Interreg
23.05.
2017

Europäische Zusammenarbeit stärkt Städte und Regionen!

Erfolgreiche Bilanz bei Interreg-Halbzeitkonferenz in Berlin

Publikum, © Dirk Deckbar

Unter dem Motto "Europäische Zusammenarbeit stärkt Städte und Regionen!" fand am 16. Mai 2017 in Berlin die Interreg B - Halbzeitkonferenz statt, zu der  das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) als fachlich zuständiges Ressort in Deutschland eingeladen hatte. Rund 170 Akteure aus Ländern, Kommunen, Verbänden, Unternehmen und Forschung sind dieser Einladung gefolgt und haben zur Mitte der offiziellen Programmlaufzeit (2014 bis 2020) Bilanz gezogen, Wirkungen und Mehrwert von Interreg B diskutiert und Perspektiven für die Zeit nach 2020 aufgezeigt.

Staatssekretärin Dorothee Bär, © Dirk Deckbar
Staatssekretärin Dorothee Bär

„Territory matters!“ Mit diesem Schlagwort hat Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin beim BMVI in ihrer Einführung ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal transnationaler Zusammenarbeit benannt und gleichzeitig die Leitschnur für die weiteren Überlegungen zur transnationalen Zusammenarbeit umrissen. Aus Sicht der europäischen Raumentwicklungspolitik seien territoriale Ansätze zur Lösung der aktuellen Herausforderungen gefragt und genau an dieser Stelle setze die transnationale Zusammenarbeit im Rahmen von Interreg an. Ich fand es besonders beeindruckend, dass diese Botschaft sehr breit geteilt wird. In den beiden Podiumsdiskussionen, von denen sich eine mit den Erfolgen und die andere mit den Perspektiven transnationaler Zusammenarbeit auseinandersetzte, wurde dieser Punkt mit unterschiedlicher Akzentuierung von den Diskutanten mehrfach hervorgehoben.

Programmraum-Flyer, © Dirk Deckbar
Programmraum-Flyer

20 Jahre Interreg B – Was sind die Erfolge?

Interreg B hat sich seit 1997  als anerkanntes Förderinstrument etabliert. Das wurde in der Diskussionsrunde „20 Jahre Interreg B – Was sind die Erfolge?“ mehr als deutlich. Allein zwischen 2007 und 2013 haben sich über 900 deutsche Partner an knapp 400 Projekten beteiligt. Und in der aktuellen Förderperiode laufen auch schon wieder mehr als 170 Projekte mit deutscher Beteiligung zu den Themen Innovationsförderung, Energie- und Klimawandel bis hin zu Mobilität, Umweltfragen und Ressourceneffizienz. Neben Lösungen für diese Herausforderungen erarbeiten die Projektpartner auch themenübergreifende Ergebnisse, die im Vergleich zu den fachlichen Resultaten oft weniger Beachtung finden – zu Unrecht, wie meine Kollegin Sina Redlich vom BBSR in ihrem Vortrag darlegte. Eine aktuelle Studie zeigt: Wirkungen reichen über die Projektlaufzeit und die direkt beteiligten Partner hinaus – dabei geht es um die Befähigung von Schlüsselakteuren, die Aktivierung von Entscheidungsträgern und das Anwenden von Wissen und Kompetenzen. Diese Effekte sind jedoch anders nachzuweisen, als die reiner Investitionsprogramme, bei denen der Erfolg zum Beispiel in Kilometern gebauter Straße angegeben werden kann.

Vincenzo Trevisan präsentiert das Projekt CHIPS

Interessante und anregende Projektpräsentationen

Den Mehrwert und die Wirkungen transnationaler Projekte haben auch die drei Projekte verdeutlicht, die mit der Pecha-Kucha-Methode sehr anschaulich präsentiert wurden:

  • Vincenzo Trevisan vom Regionalverband FrankfurtRheinMain erläuterte das Projekt "CHIPS - Cycle Highways Innovation for Smarter People Transport and Spatial Planning", in dem es um die Entwicklung und Förderung von Radschnellwegen in Nordwesteuropa als attraktive, kosteneffiziente und umweltfreundliche Mobilitätsprodukte geht.

  • Im Projekt NorthSEE legen die Nordseeanrainer-Staaten gemeinsam mit Planern und Interessenvertretern die Grundlagen für einen dauerhaften transnationalen Dialog zur Meeresraumordnung und entwickeln Zukunftsszenarien bis 2050. Wie wichtig dies aufgrund der vielen unterschiedlichen Nutzungsansprüche im Meer ist, hat Kai Trümpler vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie verdeutlicht.

  • Hauke Siemen von REM Consult, der kurzfristig für Doris Scheer vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein eingesprungen war, hat das Projekt SEMPRE vorgestellt. Mit "SEMPRE - Social Empowerment in Rural Areas" möchte das Diakonische Werk Schleswig-Holstein als Lead Partner gemeinsam mit sozial Benachteiligten Dienstleistungen im ländlichen Raum entwickeln - etwa Angebote wie Fahr- und Pflegedienste.
Prof. Dr. Daniel Haun

Sehr inspirierend fand ich auch die Präsentation von Prof. Daniel Haun vom Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung, mit dem wir einen Blick über den Tellerrand werfen konnten. „Natürlich Gemeinsam - Wurzeln menschlicher Kooperation“ – unter diesem Titel ist Prof. Daniel Haun den biologischen Grundlagen für Zusammenarbeit nachgegangen. Dabei wurde deutlich: Bei der internationalen Zusammenarbeit sind kulturelle Unterschiede ein wichtiger Faktor, den es zu berücksichtigen gilt.   

Podium zur Zukunft der transnationalen Zusammenarbeit

 

Transnationale Zusammenarbeit nach 2020 – Was sind die Perspektiven?

Die Diskussion um die Zukunft der EU-Förderung hat bereits begonnen. Bis Ende 2017 ist die Vorlage des neuen Mehrjährigen Finanzrahmens geplant. Dieser steht aufgrund des bevorstehenden Austritts Großbritanniens vor großen Unwägbarkeiten, die die Diskussionen um die Zukunft der Europäischen Struktur- und Investitionspolitik (ESIF) beeinflussen. Nach den bisherigen Planungen wird die EU-Kommission Mitte 2018 die Vorschläge für die neuen ESIF-Verordnungen vorlegen, in denen auch die Grundlagen für Interreg B ab 2020 geregelt werden.

Get together

Was sind die Perspektiven für Interreg B nach 2020? Diese Frage stand im Mittelpunkt der zweiten Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern  aus Land und Bund, dem Nachbarland Luxemburg und der Europäischen Kommission. Dabei wurde deutlich: Künftig muss die zentrale Zielsetzung der territorialen Integration im Rahmen der transnationalen Programme wieder gestärkt werden. Dabei müssen Synergien mit weiteren Instrumenten beachtet werden, wie etwa mit den makroregionalen Strategien. Als weitere Schlüsselfragen für die Zukunft der transnationalen Zusammenarbeit wurden die Themen Messbarkeit, thematische Ausrichtung und Vereinfachung intensiv diskutiert. Auch wenn die Zeit kaum reichte – aber die Diskussionen wurden auch beim informellen Ausklang weitergeführt. Ein wie ich finde, erfolgreicher Auftakt der Zukunftsdiskussion!

Bildnachweis: Dirk Deckbar

Brigitte Ahlke ist Projektleiterin im Referat für Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Stadt-, Bau- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die europäische Raumentwicklungspolitik und die transnationale Zusammenarbeit im Rahmen von Interreg. Im Bereich Interreg betreut sie die Programme Alpenraum und Mitteleuropa und ist zuständig für Begleitforschung, Ergebnistransfer und Öffentlichkeitsarbeit.