Interreg
05.01.
2017

Europa arbeitet zusammen!

Gedanken zum zurückliegenden Jahr

Denke ich an Europa und das zurückliegende Jahr, fallen mir zunächst die vielen Schlagzeilen zu den Krisen ein, die Europa zur Zeit zu bewältigen hat: Angefangen bei den Wirtschafts- und Finanzkrisen, dem Brexit, über die Situation der Flüchtlinge, über Terrorattacken bis hin zu Kriegen in der europäischen Nachbarschaft. Die Schlagzeilen lassen manchmal vergessen, dass sich in der Europäischen Union und Europa trotzdem viel bewegt. Wir kooperieren, um grenzüberschreitende Lösungen für Herausforderungen zu erarbeiten, die wir nur gemeinsam meistern können.

Die Programme der transnationalen Zusammenarbeit – oder kurz die Interreg-Programme – stehen exemplarisch dafür. Sie leisten ihren Beitrag dazu. Öffentliche Behörden auf den unterschiedlichsten Ebenen – von der nationalen, über die regionale bis hin zur lokalen Ebene, Kammern, Vereine und Verbände, Forschungseinrichtungen und Hochschulen, aber auch Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen arbeiten in Projektkonsortien zusammen, und das über Grenzen hinweg. Ob es um die Innovationsförderung im regionalen Kontext geht, um Fragen zu Energie und Klimawandel, zu Verkehr und Mobilität oder zu Umweltfragen und Ressourceneffizienz –  gemeinsam werden Strategien entwickelt, innovative Lösungen gefunden und in Pilotvorhaben vor Ort umgesetzt. Den Projektakteuren kommen dabei der europäische Austausch und die Erfahrungen ihrer Projektpartner zugute. So lassen sich Entwicklungen und Investitionen anstoßen, die lange über die Projektlaufzeit wirksam sind.

Interreg – Kleine Programme mit großer Wirkung

Die Interreg-Programme sind zwar gemessen am Budget vergleichsweise kleine Programme, dafür können sie aber eine Menge bewirken. Dies zeigen die 2016 vorgelegten Ergebnisse einer Studie zu den Wirkungen transnationaler Projekte, die von Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beauftragt wurde. Neben den konkreten Ergebnissen zu den Themen, die Interreg-Projekte bearbeiten, führen sie zu Veränderungen auch noch nach Ende des Projektes. Und: Sie betreffen teilweise sogar Akteure, die keine direkten Projektpartner sind. Interreg-Projekte tragen dazu bei, die Handlungsfähigkeit von Schlüsselakteuren zu steigern, Arbeitsprozesse effizienter und effektiver zu gestalten oder die Innovationsleistung zu verbessern. Fachinteressen werden zielführender vermittelt und in politischen Entscheidungsfindungsprozessen wird vermehrt gemeinsam gehandelt.

Programme haben Fahrt aufgenommen: Zahlreiche Projektgenehmigungen

Vor diesem Hintergrund freut mich besonders, dass die transnationalen Programme in diesem Jahr richtig Fahrt aufgenommen haben: Vor allem der Herbst 2016 war spannend! In fünf der sechs Interreg B-Programmräume mit deutscher Beteiligung standen Entscheidungen über Projektanträge an. Insgesamt wurden in diesem Sommer in sechs Programmen mit deutscher Beteiligung rund 1.230 Interessenbekundungen für transnationale Projekte eingereicht. Die damit beantragten Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) belaufen sich auf weit mehr als 1,5 Milliarden Euro. Das Interesse ist beeindruckend und zeigt, dass die Programme mit ihren Förderausrichtungen die aktuellen Herausforderungen und Bedarfe treffen.

Allein im September und Oktober 2016 hat das BBSR, das den Bund in den transnationalen Entscheidungsgremien vertritt, gemeinsam mit den Partnern aus anderen Staaten 97 Projekte (Vollanträge) mit einem Fördervolumen von rund 192 Millionen EFRE-Mitteln in den Programmräumen Alpenraum, Donauraum, Nordseeraum und Nordwesteuropa genehmigt, davon 13 Projekte mit deutschem Lead-Partner. Damit ist der Weg frei für die jeweiligen internationalen Projektkonsortien, diese Projekte umzusetzen und durch praktische Zusammenarbeit die gemeinsamen Herausforderungen anzugehen.

Darüber hinaus wurden im September erste Vorentscheidungen im Nordsee- und im Ostseeraum sowie in Nordwesteuropa getroffen: Weitere 111 Konsortien wurden eingeladen, ihre Projektidee zu einem Vollantrag auszuarbeiten. Die Projektentscheidungen hierzu stehen bis Mitte 2017 an.

Interreg-Konferenz 2014, Berlin

Diskussionen zur Zukunft haben schon begonnen

Es geht jetzt also zügig voran. Mitte 2017 ist auch bereits die halbe Förderperiode um. Schon jetzt hat die Diskussion zur Zukunft der Regionalpolitik nach 2020 begonnen, und damit auch der transnationalen Zusammenarbeit. Bereits im ersten Halbjahr 2018 will die Europäische Kommission die Verordnungsvorschläge für die kommende Förderperiode vorlegen. Gut finde ich, dass sie einen Prozess in Gang gesetzt hat, um die Meinung der Interreg-Experten bereits im Vorfeld einzuholen. Die aktuelle Workshop-Serie von Interact ist ein geeignetes Forum. Neben der Messbarkeit der Ergebnisse und der Wirkungen transnationaler Projekte ist für mich eine der Kernfragen in der Zukunftsdiskussion die, ob wir die künftigen Programme wieder stärker auf ihr Alleinstellungsmerkmal einer integrierten Regionalentwicklung ausrichten sollten. Und auch die Vereinfachung wird nach wie vor ein Thema sein, an dem wir weiter zu arbeiten haben.

Interreg-Halbzeitkonferenz am 16. Mai 2017

Ich freue mich bereits jetzt auf die Interreg-Halbzeitkonferenz am 16. Mai 2017, die wir unter dem Motto “Europäische Zusammenarbeit schafft Mehrwert!” für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Berlin vorbereiten. Nach etwa der Hälfte der offiziellen Programmlaufzeit stellen Projektakteure ihre Erfolge und Visionen zur Zusammenarbeit in Europa vor. Nach 20 Jahren Interreg B wollen wir Bilanz ziehen, Wirkungen diskutieren und Perspektiven für die Zeit nach 2020 aufzeigen. Eine wichtige Rolle bei der Konferenz wird der Dialog mit und zwischen den vielen unterschiedlichen Programmakteuren spielen.

Der Austausch mit und die Kooperation zwischen all diesen Akteuren sind zwar nur kleine Bausteine. Ich bin aber froh, als Rädchen im großen Getriebe an einem offenen und kooperativen Europa mitwirken zu können! In Anbetracht der aktuellen Schlagzeilen: Gerade jetzt!

Insofern wünsche ich uns allen ein neues Jahr guter Zusammenarbeit im Sinne des Slogans „Cooperation for a better Europe“, der auf der Konferenz „25 Jahre Interreg“ im September 2015 in Esch-Belval, Luxemburg, prämiert wurde.

Eingangsfoto: Co-operation for a better Europe, © Brigitte Ahlke
Foto Text: Interreg-Konferenz 2014, © DV, Michael Kirsten

Brigitte Ahlke ist Projektleiterin im Referat für Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Stadt-, Bau- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die europäische Raumentwicklungspolitik und die transnationale Zusammenarbeit im Rahmen von Interreg. Im Bereich Interreg betreut sie das Alpenraumprogramm und ist zuständig für Begleitforschung, Ergebnistransfer und Öffentlichkeitsarbeit.