Interreg
26.09.
2016

„Enkeltaugliche“ Maßnahmen für die Alpen

Interview mit Hubert Buhl, Interreg-Botschafter

In Kürze findet die Alpenwoche statt. Welche Bedeutung haben solche Veranstaltungen für die europäischen Klimaschutzziele?

Die Alpenwoche (http://alpweek.org/2016/de/) dient zum Austausch aller Organisationen, die sich für eine nachhaltige Entwicklung des Alpenraumes auf Basis der Alpenkonvention einsetzen. Bei diesen Veranstaltungen werden praktische Beispiele dargestellt, die auch in anderen europäischen Regionen Anwendung finden können. Gerade für die europäischen Klimaschutzziele werden beispielhafte Maßnahmen diskutiert und entwickelt, die den Menschen im Alpenraum eine Zukunft ermöglichen, um in der Region leben und arbeiten zu können.

Was sind in Ihren Augen die drängenden Herausforderungen, denen Städte und Regionen in den Alpen gegenüber stehen?

Kurzfristig gesehen ist das die Erkenntnis, dass sich das Klima nicht von den Grenzen der Kommunen, Regionen oder Länder einschränken lässt und dass die Herausforderungen grenzübergreifend alle betreffen! Langfristig ist der Erhalt der natürlichen Ökosysteme und die nachhaltige Entwicklung der Alpen zu meistern, um den Menschen eine wirtschaftliche und kulturelle Basis bieten zu können. Die konkreteste Herausforderung wird die CO2-Reduzierung sein!

Was können Kommunen in den Alpen konkret zum Umwelt-, Ressourcen- und Risikoschutz beitragen?

Die Kommunen können und müssen die CO2-Reduzierung mit der Bevölkerung gemeinsam aktiv angehen und über ihre Grenzen hinweg nachhaltige Maßnahmen entwickeln um die Lebensgrundlagen für die Zukunft zu sichern. Es gilt, dafür ein Bewusstsein in den Gremien und in der Bevölkerung zu schaffen, damit die natürlichen Ressourcen sowie die natürliche Vielfalt der Alpen erhalten bleiben. Wichtig ist es auch, durch den Erhalt und Ausbau der Ökosysteme Risikoschutz zu betreiben. Dazu tragen auch intelligente Frühwarnsysteme für die Bevölkerung bei.

© Hubert Buhl
"Bergwaldoffensive" © Hubert Buhl

Sie waren 20 Jahre lang Bürgermeister der Stadt Sonthofen. Aus Ihren Erfahrungen: Wie können Kommunen von Interreg profitieren?

Wir haben uns in Übereinstimmung mit Stadtrat und Bevölkerung frühzeitig als europäische Umwelt- und Klimaschutzkommune platziert. Im Rahmen von Interreg-Programmen haben wir mit den Partnern Projekte entwickelt, durchgeführt und Maßnahmen im eigenen Bereich für die Zukunft entwickelt und in die Umsetzung gebracht. Konkret sind das zum Beispiel Niedrigenergiestandards im Gymnasium und in Schulen, der Gewinn des "Energy Awards" oder die Einstellung eines Klimaschutzmanagers.

Deutschland hat aktuell den Vorsitz in der Alpenkonvention. Welche Bedeutung hat Interreg für die Alpenkonvention bzw. für die Alpen generell?

Im Alpenraum ist die Klimaveränderung bereits heute deutlich spürbar. Die Maßnahmen müssen daher möglichst schnell greifen. Deshalb ist es für alle verantwortlichen "Macher" und auch für die Zivilgesellschaft wichtig, dass die Politikverantwortlichen der Länder eine enge Zusammenarbeit signalisieren. Daher hat die transnationale Zusammenarbeit und die Anerkennung der Alpenkonvention als Basis eine sehr hohe Bedeutung. Gerade Interreg fördert diese Zusammenarbeit über alle Grenzen hinweg und gibt den finanziellen Anreiz für eine nachhaltige, europäische Zukunft für die wir „enkeltaugliche“ Maßnahmen zugrunde legen müssen!

Tourismuskonferenz © Hubert Buhl

Projekt "Bergwaldoffensive": http://www.bergwald-offensive.de/start/

Interreg-Alpenraum: http://www.alpine-space.eu/

Alpenkonvention: http://www.alpconv.org

 

Hubert Buhl war 20 Jahre lang Bürgermeister von Sonthofen. Während dieser Zeit war Sonthofen unter anderem Alpenstadt des Jahres 2005 und erhielt den European Energy Award. Seit 2015 ist Buhl als Interreg-Botschafter aktiv.