Interreg
07.02.
2017

EmpInno: Innovationspotenzial von mittelgroßen Städten und Regionen besser nutzen

Interview mit Gert Proba von der Wirtschaftsförderung Rostock

In der Förderperiode 2014-2020 hat die EU sogenannte „Regionale Innovationsstrategien zur intelligenten Spezialisierung“, kurz RIS3, als Voraussetzung für die Zuweisung von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) eingeführt. In Deutschland haben die Bundesländer die Hoheit über die einzelnen RIS3. Oftmals fehlen jedoch gerade in den mittelgroßen Städten und Regionen Europas noch die Erfahrung und die Kompetenz, um die geforderten Innovationsstrategien auch umzusetzen. Gert Proba ist Bereichsleiter für Bestandsentwicklung bei der Gesellschaft für Wirtschafts- und Technologieförderung Rostock mbH, die die Federführung beim Interreg-Projekt EmpInno innehat. Er erklärt im Interview, wie EmpInno mittelgroße Städte und Regionen im Ostseeraum dabei unterstützt, ihre RIS3-Strategien „mit Leben zu füllen“, um ihr vorhandenes Innovationspotenzial besser nutzen zu können.

In zwei Sätzen: Worum geht es Ihrem Projekt wirklich?

Mit EmpInno (S3 Empowering for Innovation and Growth in Medium-sized Cities and Regions) möchten wir die Umsetzung von Regionalen Innovationsstrategien zur intelligenten Spezialisierung (RIS3) in mittelgroßen Städten und Regionen im Ostseeraum verbessern.

Dafür optimieren wir Abstimmungsvorgänge, z. B. zwischen Wirtschaftsförderungseinrichtungen und den für die RIS3 verantwortlichen Verwaltungen; in unserem Fall das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern. Zudem machen wir kleine und mittlere Unternehmen der Region auf die Strategie und entsprechende Fördermöglichkeiten aufmerksam und unterstützen sie bei der Anwendung.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Als Wirtschaftsförderer der Stadt Rostock möchten wir unsere Unternehmen, Hochschulen und innovativen Akteure immer bestmöglich unterstützen. Durch das Projekt werden wir besser mit der Regionalen Innovationsstrategie Mecklenburg-Vorpommerns arbeiten können. Unsere Kunden sollen die Angebote und Förderinstrumente effizienter nutzen können, die es innerhalb der landesweiten strategischen Handlungsfelder und der thematischen Zukunftsfelder gibt. Zudem lernen wir bewährte Instrumente von anderen Wirtschaftsförderungen und ähnlichen Institutionen aus dem Ostseeraum kennen. So können wir zum Beispiel kleine und mittlere Unternehmen fitter für die Bereiche Digitalisierung und Export-Orientierung machen. In unseren Stärkefeldern, wie zum Beispiel der maritimen Wirtschaft, möchten wir Forscher besser mit dem Unternehmenssektor vernetzen.

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

In der Stadt sowie der Regiopolregion Rostock wird letztlich die Innovationsfähigkeit der ansässigen Wirtschaft erhöht. Wir mobilisieren die Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Netzwerke und Hochschulen dazu, Unterstützungsangebote zu nutzen und vermitteln Förderinstrumente der RIS3. Zudem führen wir im Rahmen des Projekts kreative Workshops für den Transfer von Forschungsideen in die Wirtschaft durch. Kleine und mittlere Unternehmen unterstützen wir dabei, sich zu internationalisieren und Kooperationen auf transnationaler Ebene einzugehen. Aufbauend auf den transnationalen Erfahrungen möchten wir zudem dem Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern Rückmeldung darüber geben, welche Aspekte bei der Umsetzung der RIS3 angepasst werden können und wie dies zum Vorteil des ganzen Bundeslandes gelingen kann.

Strategy Puzzle, © Kujawsko-Pomorskie Innovation Agency, Jacek Kutyba

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Alle europäischen Regionen wurden vor die Aufgabe gestellt, eine Regionale Innovationsstrategie zur intelligenten Spezialisierung zu entwickeln und diese als Grundlage ihrer Regional- und Innovationspolitik zu verwenden. Wie diese RIS3 nun im Alltag implementiert, evaluiert und bei Bedarf angepasst werden, und wie sie den potentiellen Nutzern kommuniziert werden, unterscheidet sich gravierend zwischen den europäischen Regionen. Diese Erfahrungen, auch wie mit vergleichbaren Hürden und Problemen umgegangen wird, auszutauschen und voneinander zu lernen, ist europäischer Mehrwert par excellence.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt EmpInno gelingt, wird in zehn Jahren….

…der Ostseeraum ausgeglichener, wettbewerbsfähiger und innovativer sein als ohne EmpInno, weil auch die mittelgroßen Städte und Regionen, nicht nur die Metropolen und „üblichen“ Gewinnerregionen, ihr volles Potenzial entfalten können.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Das Projekttreffen im finnischen Mikkeli. Die Stadt beschäftigt sich sehr intensiv mit einer nachhaltigen Landwirtschaft und ökologisch erzeugten Bio-Lebensmitteln. Das hat mich sehr beeindruckt, ganz abgesehen einmal von der wunderschönen Landschaft dort!

Weitere Informationen: www.empinno.eu

Bildnachweis Titelfoto: Electricity Wires, © Kujawsko-Pomorskie Innovation Agency, Jacek Kutyba

Gert Proba ist Prokurist und Bereichsleiter für Bestandsentwicklung bei der Gesellschaft für Wirtschafts- und Technologieförderung Rostock mbH. Als Projektmanager ist er unter anderem für das Ostseeraum-Projekt EmpInno zuständig, bei dem die GmbH die Federführung innehat.