Interreg
17.02.
2015

Einblicke in Interreg A

Was sind die Unterschiede zu Interreg B in der Förderperiode 2014-2020?

A, B, C – für mich ist das mehr als der Anfang des Alphabets, denn die ersten drei Buchstaben stehen bei Interreglern für die unterschiedliche Ausrichtung der Förderprogramme. Gerade „Projektneulinge“, die auf der Suche nach dem passenden Förderprogramm sind, stellen sich jedoch häufig die Frage: Was ist eigentlich genau der Unterschied? Die Antwort auf diese Frage ist wichtig, denn sie gibt nicht zuletzt vor, für welches Förderprogramm sich ein Partner bewerben sollte.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede eine Einführung

Das Besondere an Interreg ist die Förderung von kooperativen Projekten in der Stadt- und Regionalentwicklung. Damit leisten die Programme einen wichtigen Beitrag zum europäischen Austausch und zur Umsetzung der Kohäsionspolitik. Gleichzeitig unterstützen sie den Erfahrungsaustausch zwischen den Regionen. Alle Interreg-Programme verfolgen derzeit die Wachstumsziele der Europa 2020-Strategie:

  • Intelligentes Wachstum – durch wirksamere Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation
  • Nachhaltiges Wachstum – durch eine entschlossene Ausrichtung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft und eine wettbewerbsfähige Industrie
  • Integratives Wachstum – durch die vorrangige Schaffung von Arbeitsplätzen und die Bekämpfung von Armut

Diese Ziele haben durchaus übergeordnete Relevanz. Dies gilt auch für Interreg, oder wie es offiziell heißt, die "europäische territoriale Zusammenarbeit". Auf dieser Ebene werden vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) drei unterschiedliche Ausrichtungen gefördert.

Interreg A – Grenzübergreifende Zusammenarbeit

Deutschlandkarte mit farbigen Grenzregionen (Quelle: BBR/BBSR)

Die grenzübergreifende Zusammenarbeit fördert die integrierte Regionalentwicklung von Regionen mit gemeinsamen Land- und Seegrenzen in zwei oder mehreren Mitgliedstaaten. Es können aber auch benachbarte Grenzregionen mindestens eines Mitgliedstaats mit einem Drittland an einer Außengrenze der Union kooperieren. Die Herausforderungen, die sich aus der Grenzlage und damit der relativen Isolierung der Regionen in der jeweiligen nationalen Wirtschaft ergeben, sollen überwunden und die Vorteile des gemeinsamen Marktes besser genutzt werden.

Es gibt 14 Programmräume mit deutscher Beteiligung. So ist zum Beispiel Niedersachsen gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, dem niederländischen Reich und acht niederländischen Provinzen am Interreg V A-Programm „Deutschland-Nederland“ beteiligt. In diesen Programmen erfolgt die Bearbeitung von Projekten in kleineren Räumen und ein klarer regionaler Bezug ist erkennbar.

Interreg B – Transnationale Zusammenarbeit

Europakarte mit farbig hervorgehobenen Programmräumen (Quelle:BBR/BBSR)

Die transnationale Zusammenarbeit umfasst größere transnationale Gebiete. An Interreg-B-Projekten sind nationale, regionale und lokale Partner beteiligt. Das schließt auch die grenzübergreifende maritime Zusammenarbeit in Fällen, die nicht von der grenzübergreifenden Zusammenarbeit abgedeckt wird, ein. Das Ziel ist die Erhöhung der territorialen Integration in diesen Gebieten. Insgesamt gibt es sechs Programmräume mit deutscher Beteiligung.

 

 

 

Die Merkmale transnationaler Projekte 2014-2020 sind:

  • Beispielgebend und übertragbar (exemplarische Lösungen)
  • Transnational (mind. drei Partner aus drei Staaten)
  • Territorial (Bedeutung / Wirkung für den Programmraum)
  • Prozessual (gemeinsame transnationale Projektentwicklung, Durchführung, Finanzierung)

Zwischen den Programmen A und B ist bei der Ausrichtung der Themen und Ziele in der Förderperiode 2014-2020 eine Angleichung erfolgt. Alle Programme mussten sich auf maximal fünf Förderschwerpunkte fokussieren, die sie  aus elf vorgegebenen Themen der EU auswählen konnten. Die übergreifenden Schwerpunktthemen in den neuen Interreg Programmen 2014-2020 sind:

  • Stärkung von Forschung, technologischer Entwicklung und Innovation
  • Soziokulturelle und territoriale Kohäsion der Programmgebiete
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU
  • Förderung einer CO2-armen Wirtschaft
  • Stärkung der Umwelt und Ressourceneffizienz
  • Aufbau der institutionellen Kapazitäten und effiziente öffentliche Verwaltung

Auf Basis dieser Schwerpunktthemen haben die Interreg-Programme ihre spezifischen Ziele definiert, die sich an den Besonderheiten der jeweiligen Räume orientieren.

Sowohl Interreg A als auch Interreg B fördern nationale, regionale oder lokale Behörden, Institutionen des öffentlichen Rechts (zum Beispiel Universitäten, regionale Entwicklungsagenturen, Wirtschaftsförderungen, etc.), gemeinnützige Einrichtungen und KMU.

Interreg Europe – Interregionale Zusammenarbeit

Dann gibt es noch eine dritte erwähnenswerte Ausrichtung: Interreg C heißt seit der neuen Förderperiode Interreg EUROPE. Interreg EUROPE fokussiert die interregionale Zusammenarbeit. Das erklärte Ziel ist es, die Effektivität der Kohäsionspolitik zu verbessern. Wie das gelingt? Indem gezielt der Erfahrungsaustausch und die Analyse von Entwicklungstrends zwischen nationalen, regionalen oder lokalen Behörden und  anderen Institutionen des öffentlichen Rechts gefördert wird.

Drei Ausrichtungen – ein Gedanke

Eine Projektidee kann nur entstehen, wenn man sich schon ganz zu Anfang die Frage stellt: „Was will ich als Partner und mit meinen Partnern erreichen?“ Ich kann jedem, der sich für eine Projektförderung interessiert, nur raten, sich genau mit dieser Frage auseinander zu setzen. Die Antwort darauf wird am Ende immer auch eine Entscheidung für oder gegen eine Programmausrichtung herbeiführen.

Egal, welches der drei beschriebenen Förderprogramme für einen Projektpartner beziehungsweise Antragsteller in Frage kommt – alle drei stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Interreg A, Interreg B und Interreg EUROPE ergänzen sich. Sie fördern die transnationale Zusammenarbeit – sowohl im großen Maßstab als auch in regional sehr beschränkten Räumen.

Monika von Haaren arbeitet in der Niedersächsischen Staatskanzlei, Referat 404 – Interreg, Metropolregionen. Sie ist verantwortlich für die Koordinierung der Europäischen Territorialen Zusammenarbeit zwischen internationalen, nationalen, regionalen und lokalen Behörden mit dem Ziel der Stärkung der harmonischen räumlichen Entwicklung des Landes Niedersachsen in Europa. Neben dem grenzübergreifenden Interreg A Programm Deutschland-Nederland ist sie insbesondere zuständig für die Interreg B Programmräume Nordsee (Federführung) sowie Ostsee.