Interreg
26.10.
2017

C-TEMAlp: Traditions-Unternehmen im Alpenraum erhalten

Interview mit Martina Agosti von der Italienischen Handelskammer München-Stuttgart

Büro, © Marc Müller, pexels.com

Der demografische Wandel und die globale Wettbewerbsfähigkeit sind im Alpenraum eine große Herausforderung für den Fortbestand von Unternehmen in traditionellen Produktionsbereichen. Das Projekt C-TEMAlp (Continuity of Traditional Enterprises in Mountain Alpine Space Areas) zielt darauf ab, diese kleinen und mittleren Unternehmen zu erhalten und sie beim Generationenwechsel und der Geschäftsübertragung zu unterstützen. Wie dies gelingen kann, erzählt Projektmanagerin Martina Agosti von der Italienischen Handelskammer München-Stuttgart.

 Worum geht es in Ihrem Projekt? 

Wir unterstützen die Unternehmen bei der Geschäftsübertragung und zeigen ihnen die Chancen auf, die dieser Prozess bietet: Die Traditionsunternehmen können bei dieser Gelegenheit ihr Innovationspotential verbessern und eine Entwicklung in Richtung nachhaltiger Geschäftsmodelle einschlagen. Ziel ist es, ein grenzüberschreitendes Mehrebenen-Netzwerk für Geschäftsübertragungen zu entwickeln. Dafür entwickeln und betreuen die elf Projektpartner, darunter Wirtschaftskammern, Entwicklungsagenturen, Innovationszentren und Universitäten aus sechs Alpennationen, eine Internetplattform, die Investoren und Verkäufer aus verschiedenen Ländern des Alpenraums zusammenbringt.

Im Zentrum von C-TEMAlp steht die Unterstützung des Unternehmensnachfolgeprozesses auf grenzüberschreitender Ebene. Mögliche Käufer, die im Ausland bzw. im Alpenraum investieren möchten, oder die ihre Kenntnisse und Erfahrungen anbieten wollen, können sich einfach auf der C-TEMAlp-Plattform registrieren. Sie profitieren so von einem qualifizierten Netzwerk privater und öffentlicher Institutionen aus unterschiedlichen Regionen im Alpenraum, können an regelmäßigen Veranstaltungen teilnehmen und erhalten Informationen über Investitionsmöglichkeiten.

Auf der anderen Seite stehen die möglichen Verkäufer, die auf der Suche sind nach Investoren für ihr Unternehmen – oder einen Teil davon. Sie können das Unternehmensprofil auf der Plattform ausfüllen, um sich dort anzumelden. Darüber kann der Verkäufer selbst mit potentiellen Käufern in Kontakt treten – und dies alles auf einer grenzüberschreitenden Ebene.

Workshop © C-TEMAlp
Workshop © C-TEMAlp

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Wir als Italienische Handelskammer unterstützen täglich die bilateralen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland, daher sind für uns transnationale Projekte von besonderem Interesse. Unter unseren Mitgliedern sind verschiedene Banken, wie die Südtiroler Sparkasse in München. Für diese Finanzinstitute ist grenzüberschreitende Unternehmensnachfolge wichtig.

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

Die Suche nach einem Unternehmensnachfolger ist ein zentrales Thema, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Dies gilt auch für Bayern. Die IHK für München und Oberbayern und die Italienische Handelskammer München-Stuttgart sind deshalb bei C-TEMAlp involviert. Unternehmen aus Bayern, die auf der Suche nach einem Nachfolger sind, können dank der Vermittlungsmöglichkeiten unserer transnationalen Plattform Investoren gewinnen, auch im Ausland.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt C-TEMAlp gelingt, werden in zehn Jahren....

…kleine und mittlere Unternehmen aus dem Alpenraum einen einfachen und problemlosen Zugang zu passenden internationalen Käufern und Verkäufern haben. Oft ist die Unternehmensnachfolge ein Thema, dass auch mit psychologischen und kulturellen Faktoren verbunden ist. Eine erfolgreiche transnationale Unternehmensnachfolge sollte kulturelle Vorurteile überwinden.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Was mir bis jetzt am meisten gefallen hat, war das Event „Alp Cafè 1“. Diese Veranstaltung im Stil des World-Café-Modells fand am 15. September 2016 in München statt. Ziel des Workshops war es, Stakeholder aus unterschiedlichen Branchen einzubeziehen, um neue, grenzüberschreitende Lösungsansätze für den Prozess der Unternehmensnachfolge zu erarbeiten und regionales Networking zu erleichtern. Die Italienische Handelskammer München und die IHK für München und Oberbayern hatten dazu entsprechende Experten eingeladen: Banken, Ministerien, Handwerkskammern und Unternehmensberater stellten ihre Dienstleistungen vor. Im Anschluss wurde C-TEMAlp vorgestellt.

Am Nachmittag wurden in Arbeitsgruppen die folgenden Themen intensiver diskutiert: Probleme der Unternehmensnachfolge, Begleitung und Serviceangebote für die Unternehmen, Innovationsfähigkeit. Zudem wurde ein interessantes Beispiel aus der Praxis präsentiert: Eine italienische Firma, die von einem bayerischen Unternehmen übernommen worden ist. Der Geschäftsführer der italienischen Firma berichtete dabei auch über die Schwierigkeiten, die im Zuge einer erfolgreichen transnationalen Unternehmensnachfolge zu meistern sind.

Am Ende des Tages erhielten die Teilnehmer einen Überblick über Experten in der näheren Umgebung und hatten die Möglichkeit, sich mit Anbietern und Vermittlern zu vernetzen, die den Unternehmen grenzüberschreitende Unterstützung und Mentoring anbieten.

http://www.alpine-space.eu/projects/c-temalp

Bildnachweis Titelfoto: © Marc Müller, pexels.com

Martina Agosti arbeitet bei der Italienischen Handelskammer München-Stuttgart und ist Projektmanagerin von C-TEMAlp.