Interreg
13.12.
2016

"Autobesitz als etwas 'von gestern' ansehen"

In zwei Sätzen: Worum geht es in Ihrem Projekt?

Im Fokus des SHARE-North-Projektes stehen „shared modes“ – also die verschiedenen Formen des gemeinsamen Nutzens („Sharing“) von Verkehrsmitteln. Dazu zählen zum Beispiel Fahrgemeinschaften („Ride-Sharing“), Bike-Sharing oder Car-Sharing. Die technische Entwicklung um Internet und Smartphones, aber auch ein gesellschaftlicher Wandel in Richtung „Nutzen statt Besitzen“ zeigen hier Potenziale auf. Diese gilt es für die die Mobilität der Zukunft zu erschließen.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Das Projekt bringt für mich interessante Dimensionen zusammen: Dies reicht von der Technikentwicklung, wie zum Beispiel bei autonomen Fahrzeugkonzepten, bis zu Gesellschaftskonzepten, Lebensstilfragen und Wechselwirkungen mit der Stadtentwicklung. Ich befasse mich seit über 20 Jahren mit dem Thema Car-Sharing. Und in der Auseinandersetzung mit den Potenzialen und Risiken von autonomen und automatisierten Verkehrsmitteln sind wir an einer ganz spannenden Zukunftsfrage.

© Autodelen

Was bringt das Projekt für Ihre Stadt?

Zum einen wollen wir auch in Bremen die Potenziale des „Use it – don’t own it“ („Nutze es – besitze es nicht“) weiter erschließen. In Sachen Car-Sharing hat das ja schon einen großen Gewinn für die Stadt gebracht: Durch die derzeit bereits über 12.000 Car-Sharing-Nutzerinnen und -Nutzer gibt es 4.000 private Autos weniger. Da wollen wir weitermachen – und die Einbindung in ein europäisches Projekt hilft dabei. Aber wir wollen uns auch auf kommende technische Entwicklungen besser einstellen, wie zum Beispiel autonomes Fahren. Da fehlen derzeit in der Diskussion die Wechselwirkungen mit der Verkehrsentwicklungsplanung.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Zum einen leiden alle Städte unter den Problemen, die der Verkehr mit sich gebracht hat; vor allem unter der „Übernutzung“ des Straßenraums, der Luftbelastung und den Verkehrsgefahren. Da müssen wir mit innovativen Konzepten ran. Car-Sharing zeigt zum Beispiel, wie man auf intelligente Weise die Zahl der Autos reduzieren kann – und das ohne Verzicht.

Gerade im Nordseeraum gibt es viel Innovationspotenzial, wo man in Pilotprojekten voneinander lernen kann. In Hinblick auf die Entwicklung von automatisierten Verkehrssystemen, die mit großen Schritten technisch voranschreitet, müssen wir grenzüberschreitend diskutieren: Wie können Potenziale erschlossen, aber auch Risiken minimiert werden? Diejenigen, die an der Technikentwicklung arbeiten, tun dies auch nicht auf Nationalstaaten begrenzt.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt SHARE North gelingt, wird in zehn Jahren…

… das „Nutzen statt Besitzen“ auf dem besten Wege sein – und der Autobesitz zunehmend als etwas „von gestern“ angesehen werden.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Die Zusammenarbeit mit unseren sehr ambitionierten und kreativen Projektpartnern bietet immer wieder besonders schöne Erlebnisse. So zum Beispiel, wenn ernsthafte Themen wie die Rolle autonomer Verkehrsmittel mit phantasievollen Arbeitsweisen angegangen werden.

Weitere Informationen: share-north.eu

Copyright Bild mit Fahrrädern: Taxistop

Michael Glotz-Richter ist Referent für nachhaltige Mobilität beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen.