Interreg
28.04.
2015

Die Alpen-Adria-Allianz

Ein wichtiger Baustein der erfolgreichen europäischen Regionalpolitik

Die europäische Regionalpolitik ist ein weites Feld, ein spannendes und komplexes dazu. Mein persönliches und fachliches Interesse an den historischen Regionen Europas intensivierte sich während eines Studiensemesters in Barcelona: Ich entschied, meine Magisterarbeit der politischen Analyse Kataloniens zu widmen. Während meiner Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet vertiefte sich meine Neugier für weitere Formen des Regionalismus in Europa und ich erkannte schnell den dort vorhandenen Forschungsbedarf. Besonders die sogenannten Arbeitsgemeinschaften waren noch viel zu wenig beleuchtet, wenngleich sie in ihrer Struktur und vor ihrem historischen Hintergrund meiner Meinung nach einmalig waren. Die Arbeitsgemeinschaft der Alpen-Adria-Allianz stach dabei für mich am meisten hervor – und ist auch heute noch wichtiger Baustein der europäischen Regionalpolitik.

Als die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der Alpen-Adria am 20. November 1978 in Venedig gegründet wurde, war der Gedanke an eine europäische Regionalpolitik noch in weiter Ferne. Die ARGE sah sich damals vor allem als eine Arbeitsgemeinschaft der östlichen Alpenländer und damit als Pendant der zuvor gegründeten ARGE ALP. Die Integrationsmacht einer solchen Arbeitsgemeinschaft zeichnete sich schnell ab: Mit ihrer Arbeit wurden nicht nur die Grenzen der westeuropäischen Länder überwunden, sondern auch eine Brücke zu den sozialistischen Staaten wie Slowenien und Kroatien gebaut; Slowenien und Kroatien, die damals noch Regionen Jugoslawiens waren, waren gleichberechtigte Mitglieder dieser ARGE.

Mit dem Voranschreiten der europäischen Regionalpolitik sprach sich die Arbeitsgemeinschaft dann in einem gemeinsamen Arbeitsplan 2002 klar für die Beteiligung an den Interreg-Programmen der EU aus, um die Finanzierung von Projekten zu erleichtern. Bis dahin hatten die Mitglieder jedes Projekt und Vorhaben selbstständig aus den geleisteten Mitgliedsbeiträgen finanziert. Diese Unabhängigkeit ließ die ARGE aber auch schnell an finanzielle Grenzen stoßen. Dank der finanziellen Förderung durch Interreg konnten auch die Projektumfänge vergrößert werden.

Mitgliedsregionen der Alpen-Adria-Allianz. Stand April 2015 (Quelle: Land Steiermark / www.europa.steiermark.at/alpen-adria-allianz)

Neustrukturierung und Projekt-Partnerschaften

Die Regional Governance der ARGE hat sich im Zuge der EU-Erweiterungen in Richtung Osten auf eine organisatorische Neuausrichtung konzentriert: Nachdem am 1. Mai 2013 mit der Aufnahme Kroatiens in die Europäische Union alle Länder und Regionen der ARGE Alpen-Adria vollwertige Mitglieder wurden, war das oberste Leitziel der Gemeinschaft erreicht. Nach 35 Jahren wurde die Arbeitsgemeinschaft der östlichen Alpenländer am 22. November 2013 in die Alpen-Adria-Allianz umgewandelt – eine neue Makroregion und Integrationsinstitution innerhalb der EU-Grenzen.

Diese Umstrukturierung diente vor allem der leichteren Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und anderen Akteuren der Wirtschaft oder sozialen Institutionen für eine integrative Regionalpolitik. Die Mitglieder dieser Allianz sind die der Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria – Baranya, Burgenland, Friaul-Julisch, Kärnten, Lombardei, Steiermark, Vas, Veneto, Slowenien und Teile Kroatiens –, sie arbeiten nun allerdings als europäisches Netzwerk zusammen, sodass sie fortan projektbezogen mit anderen Nichtregierungsorganisationen und Initiativen an Projekten in den Mitgliedsregionen arbeiten können. Für zukünftige Projekte werden entsprechende Gruppen sowie Expertengruppen eingerichtet, welche sich hauptsächlich auf von der EU mitfinanzierte Projekte konzentrieren.

Fokus auf Innovation und Umweltschutz

Logo der Alpen-Adria-Allianz (Quelle: Land Steiermark)

Die früheren Projekte der Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria waren geleitet von der Förderung und Entwicklung der Kultur und Traditionen der grenzüberschreitenden Region der Ostalpen. Die Alpen-Adria-Allianz definiert nun im Rahmen der interregionalen Kooperation seine Hauptziele in der Innovations- und Wissenschaftsökonomie, der Schonung der Umwelt und Risikoprävention. Damit sind nicht nur finanziell anspruchsvollere Projekte möglich, die Alpen-Adria-Region erhält zudem die Möglichkeit mit größeren Partnern an Lösungen von regionalen Strukturproblemen, vor allem in süd- und osteuropäischen Regionen, zu arbeiten.

Durch den mutigen Schritt zur Umstrukturierung dieser Arbeitsgemeinschaft erfolgte auch ein weiterer Schritt für die europapolitische Integration osteuropäischer Regionen. Die Alpen-Adria-Allianz entwickelt sich damit auch zu einer stärkeren Stütze der Europäischen Territorialen Zusammenarbeit, da die langjährige Erfahrung der Allianz-Mitglieder in transnationaler Zusammenarbeit zukünftigen Interreg-Projekten meiner Meinung nach zu Gute kommt und diese in ihrer Zielsetzung, die Integration und Vernetzung der Regionen voranzutreiben, nachhaltig unterstützen wird.

Alexandra Kovanetz promovierte 2014 an der Graduate School of Law, Economics & Society in Würzburg. Der Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeit lag in der Untersuchung des transnationalen und subnationalen Regionalismus in Europa unter besonderer Berücksichtigung der transnationalen Arbeitsgemeinschaften und historischen Regionen.