Interreg
20.06.
2017

Akteure für Sanierungsvorhaben im Quartier aktivieren

Interview mit CAN-Projektmanagerin Jenny-Claire Keilmann vom Klima-Bündnis

Essen, © Michael Schwettmann

Städte mit ihrem großen Gebäudebestand und der dazugehörigen Infrastruktur spielen für die Energie- und Klimaziele eine wichtige Rolle. Denn auf sie entfallen rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in Europa. Die Strategie „Europa 2020“ fordert bis 2020 eine Reduzierung des Treibhausgasausstoßes und des Energieverbauch um jeweils 20 Prozent. Das Projekt Climate Active Neighbourhoods (CAN) trägt dazu bei, diese Ziele in Stadtquartieren Nordwesteuropas zu erreichen. Wie das gelingen kann und worauf das Projektkonsortium seinen Fokus gelegt hat, erzählt Projektmanagerin Jenny-Claire Keilmann im Interview. Sie arbeitet beim Klima-Bündnis, das das Interreg-Projekt federführend koordiniert.

In zwei Sätzen: Worum geht es in Ihrem Projekt?

Das Projekt Climate Active Neighbourhoods (CAN) möchte das Energieeinsparpotential im Gebäudebestand auf Quartiersebene in sozial benachteiligten Gebieten besser auszuschöpfen. Dafür kommen innovative Kooperationsformen zum Einsatz, die sich stärker als bisher an den Bedürfnissen der Bewohner orientieren und ihnen Verantwortung übertragen.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Kommunen stehen beim Thema energetische Sanierung in Wohngebieten vor großen Herausforderungen. Das betrifft auch unsere Mitglieder im weltweit größten thematischen Städtenetzwerk Klima-Bündnis. Ein Patentrezept zur Initiierung von Sanierungsvorhaben gibt es nicht. Daher ist es uns wichtig, verschiedene innovative Instrumente zu entwickeln und andere Städte und Gemeinden in Europa von diesen Erfahrungen profitieren zu lassen. Besonders spannend ist der Projektansatz von CAN, in Stadtquartieren mit Nachbarschaftsinitiativen und anderen lokalen Akteuren zum Thema energetische Sanierung zusammenzuarbeiten.

Mantes la Jolie, © EPAMSA
Mantes la Jolie, © EPAMSA

 

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

CAN geht neue Wege bei der Aktivierung der Akteure für Sanierungsvorhaben. In unserer Region ist eine Reihe von Stadtquartieren unmittelbar am Projekt beteiligt. In Essen und Worms arbeiten wir beispielsweise mit lokalen Initiativen: Es werden Stadtquartiersrundgänge angeboten, die das Thema Sanierung erfahrbar machen sollen. Außerdem profitiert unsere Region von den Lösungsansätzen, die im Projekt entwickelt werden und auf andere Stadtquartiere übertragbar sind. Über ein Coaching-Instrument werden diese Erkenntnisse an interessierte kommunale Akteure weitergegeben.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Europaweit haben Kommunen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Energieeinsparung und Energieeffizienz in älteren Wohngebäuden. Alle CAN-Projektpartner haben sich bereits zuvor mit dieser Herausforderung auseinandergesetzt und bringen allesamt verschiedene Erfahrungen mit. Das macht die Partnerschaft stark und ermöglicht die Entwicklung erfolgversprechender Instrumente. Im Rahmen des Projektes hat sich beispielsweise eine europäische Arbeitsgruppe zum Thema Finanzierung von Sanierungsvorhaben von Privateigentümern gebildet. Sie profitiert von neuen Ansätzen, etwa aus Frankreich und Großbritannien, und regt den Wissenstransfer auf andere Länder an.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt CAN gelingt, wird in zehn Jahren….

… mehr Augenmerk auf die Beteiligung lokaler Akteure gelegt, wenn es darum geht Sanierungsvorhaben auf Quartiersebene erfolgreich umzusetzen. Generell hat sich der Kooperationsansatz zwischen lokalen Behörden und Nachbarschaften weiterentwickelt und es gibt vielfältige Lösungsansätze aus gamz Nordwesteuropa.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Bei einem Projekttreffen haben wir erlebt, wie ein Projektpartner direkt vor Ort mit Wohnungseigentümern in prekären Nachbarschaften in Mantes-la-Jolie bei Paris arbeitet. Anschließend haben sich die CAN-Projektpartner über neue Ansätze zur Förderung der Sanierungsquote ausgetauscht. Die seltene Verquickung von lokalen und europäischen Erfahrungen ist schön zu erleben – und sie ist dank des Interreg-Projektes möglich.

Weitere Informationen: nweurope.eu/CAN

Bildnachweis Titelfoto: Essen, Michael Schwettmann

Jenny-Claire Keilmann arbeitet beim Klima-Bündnis in Frankfurt (Main) und ist die Projektmanagerin von CAN.