Interreg
11.10.
2016

Koordination zwischen Interreg-Programmen

Interact-Austausch in Bonn

EU-Programmakteure in der Diskussion © Baiba Liepa

Gemeinsamkeiten finden und nutzen

Zwischen dem 13. und 15. September 2016 durften wir einen Teil der Interact-Community in Bonn begrüßen. Das Ziel der dreitägigen Veranstaltungsreihe war, dass Programmakteure über den Tellerrand gucken und erfahren, wie andere Programme mit ähnlichen Themen umgehen und welche Möglichkeiten der Kooperation und Koordination zwischen Programme bestehen. Da Deutschland an dem 2016 angelaufenen Interact III Programm wieder als Vollmitglied teilnimmt, habe ich mich als Vertreter im Begleitausschuss besonders gefreut, die Teilnehmer aus allen Ecken Europas im Rheinland begrüßen zu dürfen. Die Mitgliedschaft in dem Programm bietet auch deutschen Interreg Akteuren neue Möglichkeiten und Unterstützung für das Management, bei der Kommunikation und der Umsetzung von Interreg-Programmen und bringt hoffentlich die deutsche und europäische Interreg-Community näher zusammen.

Viele europäische Kooperationsprogramme fördern thematische Aktivitäten in den Regionen; häufig auch zu ähnlichen Themen. Oft laufen aber die Projekte parallel und die Akteure sind nicht vernetzt. Dabei könnten sich die Programme gegenseitig ergänzen.

Das Ziel der Veranstaltung am 13. September war daher zunächst die Vielfalt der Programme kennenzulernen und zu sehen, wie sie mit dem gleichen Thema umgehen. Um das Treffen zu fokussieren, wurde das Handlungsfeld „Kultur- und Naturerbe“ gewählt. Vertreter nicht nur von grenzüberschreitenden (wie Süd-Ostsee, Frankreich-England, Ungarn-Serbien) und transnationalen (Mitteleuropa, Südwesteuropa) Programmen, sondern auch von anderen aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) geförderten Programmen (Saarland, Bulgarien) sowie weiteren Programmen, wie Horizon2020 und FARNET (Europäisches Netz für Fischereiwirtschaftsgebiete), haben erläutert, wie ihre Programme sich mit dem Thema befassen.

Besonders interessant war, wie einige Programme ihre Akteure durch gesellschaftliches Engagement (Community Led Local Development) einbinden bzw. wie die Erhaltung des Kultur- und Naturerbes und die Tourismusförderung mit einem integrierten Ansatz auch in der Finanzierung unterlegt werden kann, etwa durch die Kombination von Zuwendungen mit Darlehen (Bericht über den ersten Tag: http://www.interact-eu.net/library#779).

Nach dem eintägigen „Speed-Dating“ der Programme am ersten Tag wurde das Thema „Kooperation und Koordination“ am zweiten Tag vertieft. In vielen Diskussionen wurde der Frage nachgegangen, wie das Zusammenspiel zwischen den Förderprogrammen in der Praxis umgesetzt werden kann. Die Teilnehmer haben dabei über ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Koordinierungsmechanismen berichtet: Bestimmte institutionelle Rahmen können die Koordinierung fördern, etwa wenn die Verwaltungsbehörden von verschiedenen Programmen der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds in einer Behörde konzentriert sind. Auch bottom-up Ansätze (z.B. von Projekten initiiert) können zu der Koordination von verschiedenen Fördermitteln beitragen.

Fachaustausch zwischen Interreg-Akteuren © Baiba Liepa

Erleichtern Makroregionale Strategien die Koordination zwischen den Programmen?

Einige Teilnehmer betonten, dass aus ihrer Sicht auch makroregionale Strategien einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Koordination zwischen Förderprogramme leisten können. Allerdings: Aus den bisherigen Erfahrungen kann dieser Zusammenhang noch nicht ausreichend bewertet werden. Daher stellt das Verhältnis zwischen makroregionalen Strategien und Interreg auch in Interact einen Arbeitsschwerpunkt dar (Bericht über den zweiten Tag: http://www.interact-eu.net/library#812). Wichtige Anhaltspunkte zu diesem Aspekt lieferte dann auch der dritte Tag der Bonner Veranstaltungsreihe. Hier diskutierten die vier transnationalen Programme mit makroregionalen Strategien im kleinen Teilnehmerkreis intensiv über die Erfahrungen zur Koordination zwischen Strategien und Programmen offen und informell. Es wurde deutlich, dass in den vier Makroregionen die Erkenntnisse uneinheitlich sind. Ursache sind die unterschiedlichen Zeitschienen und Implementierungsansätze. Gerade diese Unterschiede machen es jedoch notwendig, den regelmäßigen Austausch auf dieser Ebene voranzutreiben und dadurch die Koordination in der Praxis zu verbessern.

Fazit

Ausgehend von den Erfahrungen des Workshops möchte ich die deutschen Interreg-Programmakteure ausdrücklich ermutigen, auch mit Fachakteuren anderer EU-Programme zu ähnlichen Fragestellungen in Kontakt zu treten, sich zu vernetzen und möglicherweise gemeinsame Lösungen zu finden. Dazu bietet Interact eine Vielfalt von praktischen Möglichkeiten an. Neben den persönlichen Treffen bietet die Bibliothek auf der Internetseite www.interact-eu.net zahlreiche Präsentationen, Videos, Studien und Kurzanalysen, die helfen, andere Programme kennenzulernen und eigene Arbeitsweisen zu reflektieren.

Ich würde mich freuen, wenn wir in der Zukunft noch häufiger Gastgeber für die Interact-Community sein können.

Adam Radvanszki ist Mitarbeiter im Referat Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Europäische Raumentwicklungspolitik und territoriale Zusammenarbeit im Rahmen von Interreg, Interact und ESPON.