Interreg
04.12.
2015

ESPON-Seminar: Neue Schritte, zurück auf den Pfad der Konvergenz

Ergebnisse und Erwartungen an das neue Programm

Bei der ESPON-Konferenz drehte sich alles um das Thema Vernetzung. (Quelle: Nina Kuenzer)

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) führten in Berlin ein Fachseminar zum Europäischen Forschungsnetzwerk ESPON (European Spatial Planning Observation Network) durch. Das Netzwerk sammelt raumbezogene Daten und stellt sie der europäischen Politik als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung. Das BMVI übt dabei die politische Steuerung über eine Vertreterin im zentralen Monitoring Committee aus, während das BBSR die Aufgabe des deutschen ESPON Kontaktpunkts übernimmt. Das Seminar richtete sich hauptsächlich an ein Fachpublikum aus ESPON- und Interreg-Akteuren, um sich über das abgeschlossene ESPON 2013 Programm und über die Ausrichtung und Möglichkeiten der Beteiligung des neuen ESPON 2020 Programms zu informieren sowie den Fragen nachzugehen, wie ESPON in Interreg-Projekten genutzt werden bzw. wie ESPON auch von Interreg lernen kann. Nina Künzer von blue! hat Seminar fachlich begleitet und berichtet hier über die diskutierten Themen.

Was ist das Europäische Raumbeobachtungsnetzwerk ESPON?

Das ESPON Programm wird, wie die Interreg Programme, aus dem Europäischen Strukturfonds finanziert und stellt die territoriale Wirklichkeit  in Form von Daten, Karten und Instrumenten zur Verfügung. Es verschafft den Regionen so die Möglichkeit, ihre Entwicklungschancen zu erkennen und zu nutzen. Ziel des Programmes ist es, Behörden und politischen Akteuren die nötigen Grundlagen, Informationen und Empfehlungen für Entscheidungen zu liefern, um eine ausgewogene räumliche Entwicklung und Zusammenarbeit in Europa zu fördern.

Eine Karte zeigt eine mögliche, räumliche Vision für Europa im Jahr 2050 (Quelle: )

Was ist neu an ESPON 2020?

In der neuen Förderperiode wird ein Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) das ESPON 2020 Programm für die beteiligten Länder umsetzen. Was wird dadurch einfacher? Institute können sich nun direkt auf Dienstleistungsaufträge für Forschungsprojekte bewerben. Dies vereinfacht die Umsetzung erheblich. Inhaltlich strebt EPSON an, den Wissenstransfer zu verstärken. Im Kern dreht sich alles um die Frage: Wie kann das Daten- und Analysematerial in der Zukunft besser von Umsetzern und Anwendern genutzt werden?

 

Welche Themen wurden diskutiert und sind in der Zukunft gefragt?

Das Publikum diskutierte die Ergebnisse von abgeschlossenen ESPON 2013 Projekten aus den Bereichen „Wirtschaft und Innovation“, „Gesellschaft, Demografie, soziale Disparitäten“ und „Remoteness: Erreichbarkeit, Natur, Transport“. Dabei kamen u.a. die folgenden Zukunftsthemen und Fragen auf:

  • Kohäsion und Annäherung: Wie lässt sich das zunehmende wirtschaftliche Ungleichgewicht (Nord-Süd- und West-Ost-Gefälle) ausbalancieren? Diese Frage baut auf Ergebnissen des ESPON Atlas und des Projektes ‚Resilience of Regions – ECR2‘ auf.  Eine mögliche Lösung liefert das Projekt ET2050, das Wettbewerbsfähigkeit mit Zusammenhalt verbindet. Der Schlüssel ruht demnach in der Förderung kleinerer und mittlerer Städte und ihrer Integration in funktionale Stadtregionen.
  • Migration und verstärkte soziale Ungleichheit: Nach verschiedenen Szenarien werden viele Räume in Ost- und Mitteleuropa hohe  Bevölkerungsverluste und eine negative wirtschaftliche Entwicklung erleiden. Die Teilnehmer stellten deshalb die Forderung nach einer angepassten Kohäsionspolitik. Ihr Fokus muss wieder stärker auf Themen wie Migration und soziale Ungleichheiten gerichtet werden.
  • Um Entscheidungsträgern in Zukunft gut in der Raum- und Regionalentwicklung beraten zu können, forderten die Teilnehmer vom Programm mehr zielgerichtete Analysen. Hier sollten Regionen oder Behörden direkt ihren Bedarf an EPSON äußern können.

Abschließend waren sich die Teilnehmer einig: Im neuen Programm sollten verstärkt Szenarien und Visionen zur räumlichen europäischen Entwicklung erarbeitet werden. Und auch ich denke, eine gemeinsame europäische räumliche Entwicklung braucht eine abgestimmte integrierte räumliche Vision.

Das Bild zeigt Eindrücke von der ESPON-Konferenz.

ESPON meets Interreg: Die Suche nach neuen, gemeinsamen Wegen

Bei dem Seminar wurde schnell deutlich: Die Zusammenarbeit und die Schaffung von Synergien zwischen ESPON und Interreg Projekten sind in der gegenwärtigen Förderperiode mehr denn je von Bedeutung, insbesondere durch die europäischen und globalen räumlichen Herausforderungen. Während des Seminars wurden etwa die Themenfelder „Klimaschutz“ (Leitung: Klaus Spiekermann – Spiekermann und Wegener Stadt- und Regionalforschung GbR) und „Verbindung sozialer Fragen und Wirtschaft“ erörtert sowie die Ansätze des „Weltweiten Denkens“ (Leitung: Peter Schön – BBSR – Referatsleiter Europäische Raum- und Stadtentwicklung) und der „Ergebnisvermittlung“ (Leitung: Pertti Hermanneck – PH Projektmanagement und Beratung) intensiv diskutiert. Tatsächlich kann ESPON dank der räumlichen Muster regionaler Analysen mögliche thematische Ausrichtungen für Regionen aufzeigen, die in Interreg Projekten vertieft umgesetzt werden können. Ein erster, ganz konkreter Ansatz liegt in der ESPON Datenbank mit makroregionalen Indikatoren. Sie könnte ausgebaut und dann ebenfalls Indikatoren der Interreg B Programme erfassen. Auf diese Weise würden ESPON, Interreg und die Makroregionalen Strategien näher zusammengebracht.

Abschließend verknüpfte ich im Seminar einige vorgestellten ESPON Ergebnisse mit aktuellen Interreg B Programm-Fragestellungen. So stellen sich viele Interreg B Programme die Frage, wie sich der Kooperationsraum ausgewogen räumlich, gesellschaftlich und auch wirtschaftlichen entwickeln kann. Das ESPON Projekt „ET2050“ liefert hervorragende Szenarien und Visionen zur räumlichen Entwicklung bis 2050, die Interreg Akteure bei der Projektentwicklung zur Hilfe ziehen können. Dazu gehören unter anderem Karten die Szenarien zur wirtschaftlichen Entwicklung bis ins Jahr 2050 darstellen. Auch das Projekt ‚ESPON Atlas‘ liefert Interreg Akteuren Karten- und Entscheidungsmaterial, welche Regionen sich bspw. an zukünftigen Projekten zur Steigerung der Innovationsfähigkeit beteiligen könnten. So können bspw. Regionen mit einem geringeren Innovationspotential identifiziert werden und mit sogenannten ‚Innovation-leaders‘ in Interreg Projekten zusammen arbeiten. Diese strategische Auswahl an Projektregionen und Partner hilft u.a. auch bei der späteren Umsetzung des Interreg Projektes, bspw. bei der Vergleichbarkeit und Übertragung von bereits gut funktionierenden Lösungsansätzen bei gemeinsamen Problemen.

Eine ausgewogene und zielgerichtete räumliche Entwicklung ist mehr denn je gefragt. Alle Informationen zum abgeschlossenen ESPON 2013 Programm und zur Neuausrichtung von ESPON 2020 und seinen themenspezifischen Ausschreibungen finden Sie unter: www.espon.eu. Lassen auch Sie sich bei ihrer Interreg Projektentwicklung von ESPON Ergebnissen inspirieren!

Nina Kuenzer arbeitet bei der blue! advancing european projects GbR und widmet sich seit mehreren Jahren der europäischen Raum- und Regionalentwicklung. Im Auftrag des BMVI und des BBSR hat blue! das ESPON Seminar fachlich umgesetzt und begleitet.